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Info

OT: 
Blood Feast

AT:
Blood Feast - Blutiges Festmahl
Feast of Flesh
Egyptian Blood Feast

Jahr
: USA 1963
R, K, M: Hershell Gordon Lewis
B: A. Louise Downe
D: William Kerwin, Mal Arnold, Connie Mason, Scott H. Hall

Quelle: DVD (Illusions). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Wer Fuad Ramses heißt, dem ist in der Regel die Beamtenlaufbahn versperrt. Was also bleibt, ist beispielsweise eine Karriere als wahnsinniger Serienkiller und letzter Anhänger eines altägyptischen Blutkultes. So zumindest handhabt es ein ägyptischer Delikatessenhändler und Partyservice-Betreiber nämlichen Namens (Mal Arnold), der reihenweise junge Madln abschlachtet.
Den Opfern säbelt er wahlweise Organe raus oder Extremitäten ab: Sie dienen als Zutaten für ein besonderes Kalt-Warm-Buffet zum traditionellen „Blutfest“, bei dem die grausame Göttin Ishtar zum Leben erweckt werden soll. Und dieses Blutfest plant Fuad Ramses im Hause von Mrs. Freemont (Lynn Bolton), die ausgerechnet den durchgeknallten Ägypter als Caterer für die Party von Töchterchen Suzette (Connie Mason) engagiert hat. Was ’n Glück, dass es sich bei Suzettes Boyfriend um Detective Pete Thornton (William Kerwin) handelt, der dazu noch Hobby-Ägyptologe ist. Da hat der Schnetzler aus dem Morgenland dann doch ganz schlechte Karten.

Zitate

Thornton: „Sie töten all‘ die jungen Frauen und kochen sie, um die Göttin zufriedenzustellen.“ – Frank (Scott H. Hall): „Oh, nein!“

Mrs. Freemont: „Ich wette, so eine Party gab es noch nie.“ – Ramses: „Oh, und ob, Mrs. Freemont: vor 5.000 Jahren.“

Thornton: „Mrs. Freemont, ich fürchte, dieses Festmahl besteht aus Mordbeweisen.“ – „Oh, dann gibt es heute Abend Hamburger.“

Die Kritik des Gunslingers:

Ende der 1950er begann zwischen dem Produzenten David Friedman und dem ehemaligen Werbefilmer Herschell Gordon Lewis eine recht lukrative Partnerschaft. Die beiden beschlossen, ins Geschäft mit den damals supererfolgreichen Nudies einzusteigen: Billig produzierte zumeist Kurzfilme, die Frauen bei recht alltäglichen Verrichtungen zeigten, nur halt ziemlich entblößt. Lewis führte Regie und Kamera; Friedman machte den Ton und sorgte für Vertrieb der fertigen Filme sowie Nachschub an Darstellerinnen.
Inspiriert durch Russ Meyer’s erste Gehversuche, schoben Lewis/Friedman zwei Langfilme gleicher Thematik nach. Für die castete das Duo unter anderem William Kerwin: bald Mitwirkender bei den meisten Lewis/Friedman-Streifen und auch hinter den Kulissen Mädchen für alles. Da man immer auf der Suche war nach neuen Stoffen, die wenig kosten, aber viel einbringen, Autokinostoff, verfiel man auf die Idee, einen Horrorfilm zu machen, der Grenzen sprengt.
Mit „Blood Feast“ flimmerte 1963 der wohl erste Splatterfilm der Geschichte über die Leinwände. Von der Kritik so auseinandergenommen wie die Opfer des Fuad Ramses, von einem Teil des Publikums geliebt. Begleitet wurde der Streifen von einer massiven Werbekampagne. Reißerische Trailer, Warnungen im Vorfeld mit Hinweis auf vorhandenes medizinisches Personal vor dem Kino, das Austeilen von Kotztüten. Das blieb nicht ohne Wirkung. Zudem spielten zum Beispiel der kollektive Aufschrei der Filmkritiker, etliche Verhaftungen von Kinobetreibern und lokale Vorführverbote Lewis/Friedman in die Karten. Genial. Ähnlich hatte auch schon William Castle seine Filme promotet.
Der Film selbst ist pures Exploitationkino. Die reine Lehre sozusagen *lach. Um die Spatterszenen miteinander zu verknüpfen, pfriemelte man eine dünne bis hanebüchene Handlung dazwischen. Es geht hier mit anderen Worten weder um cineastischen Hochgenuss, noch um Kunst, sondern nur um Kohle. Insofern ähnelt „Bloodfeast“ zwar äußerlich einschlägigen Werken von Ed Wood, der aber mit einem ganz anderen Enthusiasmus zu Werke ging. Lewis/Friedman waren übrigens auch bei „Django nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill“ involviert. Friedman war nicht nur einer der Vorreiter in Sachen Gore, sondern produzierte später auch Werke wie „Die Hündin von Liebeslager 7“ aka „Ilsa: She-Wolf of the SS“.
Sparkulissen, Trockeneisdämpfe aus dem brodelnden Kochtopf oder dem Pizzaofen, lassen gleich das richtige B-Trash-Feeling aufkommen. Hinzu kommen die augenrollenden und grimassierenden Darsteller und etliche Schlampigkeitsfehler: So trägt Chief Frank in der gleichen Szene mal einen Hut, dann wieder keinen, um später sogar mit einem ganz anderen Speckdeckel dazustehen. Oder Fuad Ramses versucht, einen bereits offenen Briefumschlag mit dem Brieföffner zu öffnen, was zu einer Zerstörung des ersteren führt *lach.
Louise Kamp, die nicht nur das erste Opfer spielt, sondern in einer Art Rückblende auch eine altägyptische Priesterin, die der Ishtar geopfert wird, sorgte dafür, dass eine ganze Szene in den Outtakes landete: Da sie nicht in der Lage war, die Luft anzuhalten, man aber mit rausgeschnittenem Herz nun mal nicht atmen kann, musste Lewis die Szene komplett anders und weniger wirkungsvoll schneiden. Die Goreszenen selbst wirken heute eher pittoresk. Obwohl, die Nummer mit der Schafszunge ist immer noch groß. Lustigerweise wurde der Streifen 2004, also mehr als 40 Jahre nach seinem Erscheinen, hierzulande wegen „Gewaltverherrlichung“ beschlagnahmt.
Ich mag sowas: knallige Farben, reißerische Schrifttypen, den seltsamen Trommel-Orgel-Cello-Score aus der Feder des Meisters höchstselbst und – zumindest was die Trommelparts angeht – von ihm auch eingespielt. Cheapo-Kulissen und Schmuddelatmo … Schade, dass Autokinos ein wenig aus der Mode gekommen sind (Zwinkern).
An dieser Stelle machen wir zumeist keine Werbung für Veröffentlichungen, aber das opulent ausgestattete österreichische Release von Illusions ist aller Ehren wert. Auch wegen des üppigen Bonusmaterials.

Rating: $$ (Trash: $$$$$)

Splatter:

7/10

 

 

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