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Blut an den Lippen

Info

OT: 
Les Lèvres rouges 

AT:
Daughters of Darkness
Le Rouge aux Lèvres (B)
Solo für einen Vampir

Jahr:
B/F/D 1971
R, B:
Harry Kümel
B:
Pierre Drouot, Jean Ferry
K:
Eduard van der Enden
M:
Francois de Roubaix
D:
Delphine Seyrig, John Karlen, Danielle Ouimet, Andrea Rau

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Frisch vermählt rauschen Valerie (Danielle Ouimet) und Stefan (John Karlen) per Zug in Richtung des belgischen Seebads Ostende. Hier wollen sie die Fähre nehmen, um Stefans in England lebender Mutter, die vom glücklichen Ereignis noch nix weiß, ihre Aufwartung zu machen. Doch aufgrund einer Panne verpassen die Flitterwöchner ihr Schiff und müssen in Ostende unplanmäßig Zwischenstation einschieben.
Glücklicherweise ist’s Jahresende und der Ort wie leergefegt: So hat das Paar keine Probleme, in einem noblen Hotel am Meeresstrand Logis zu beziehen, in dem sie die einzigen Gäste sind. Des nachts treffen zwei weitere Besucherinnen ein: die wasserstoffblonde ungarische Gräfin Bathory (Delphine Seyrig) und ihre schmolllippige „Sekretärin“ Ilona (Andrea Rau). Das sorgt erst einmal bei Pierre (Paul Esser), dem einsamen Portier, für Irritationen: Er ist felsenfest davon überzeugt, dass die Gräfin bereits 40 Jahre zuvor Gast im Haus gewesen und – potztausend, gnädige Frau – vom Zahn der Zeit gänzlich unbenagt geblieben ist.
Stefan, der wie sich für Valerie leidvoll herausstellt, gerne Frauen haut und fasziniert ist von Mord und Totschlag, steht auch auf die Gräfin. Genauer gesagt, auf ihre blutige Vergangenheit: Schließlich ist die geheimnisvolle Aristokratin Nachfahre der legendären „Blutgräfin“, die im zu Beginn des 17. Jahrhundert einige hundert Mädchen hat aufs Übelste über die Klinge springen lassen, um sich mit deren Blut zu salben. Nun ja, Valerie jedenfalls ist zutiefst abgestoßen von den sich auftuenden Abgründen und sucht das Weite. Damit beschleunigt sie allerdings nur den Strudel aus Blut und Sex, der sich bereits in Gang gesetzt hat.

Zitate:

Valerie: „Then you must have a secret. Every woman would sell her soul to stay young.“ – Gräfin: “Oh, it’s very simple: a strict diet, lots of sleep.”

Die Kritik des Gunslingers:

Vampirstreifen des belgischen Regisseurs Harry Kümel, der Vampirismus allerdings nicht in Form scharfer Eckhauer an zarten Gurgeln darstellt, sondern als ewig unstillbare Sehnsucht interpretiert. So sind vampirische Akte kaum zu sehen. Sowohl die Gräfin als auch ihre abhängige Zofe fiebern lediglich der Klimax entgegen, ergehen sich in Schwärmereien über das „vollkommene“ Paar, und drücken sich als Höchstmaß von Annäherung die hübschen Näschen an den Balkonfenstern der Suite von Valerie und Stefan platt. Auch als die Gräfin Valerie schließlich handfester umgarnt, passiert alles nur andeutungsweise, bis am Ende doch noch ein eher dezentes Lutschen an aufgeschlitzten Armvenen stattfindet.
Wesentlich handfester präsent ist dagegen Erotik als anerkannt wichtiger Beipack zum amtlichen Blutsaugertum. So geizt der Streifen nicht mit nackter Haut, und als sich Stefan und die Gräfin mit Schilderungen der Foltereien der ollen Blutgräfin in Stimmung bringen, ist dies fast so wie ein vollzogener Akt, ums mal etwas klinisch auszudrücken *Lach*. Ansonsten triumphiert allerdings die gleichgeschlechtliche Frauenliebe.
Auch wenn eigentlich nicht viel passiert, ist Kümel, der im gleichen Jahr den schönen „Malpertuis“ vorlegte, ein stimmungsvoller Streifen gelungen, der meiner Meinung nach ziemlich genau den Kern des Vampirismus erfasst. Und dies gelingt komplett ohne Transsylvanien und sogar fast ohne Blutsaugerei. Schauspielerisch dominiert den Film natürlich die französische Actrice Delphine Seyrig, deren Gräfin sogar fast sympathisch und dabei verdammt erotisch ist.
Was mir den Film etwas madig gemacht hat, war, dass er einige ausgelegte Handlungsstränge einfach hat abreißen lassen. Was es mit dem wirklich strangen Vater Stefans (Fons Rademakers), der sich mit „Mutter“ anreden lässt, und der Beziehung zu seinem Sohn auf sich hat, bleibt genauso ungesagt und ungeklärt wie das Geheimnis um den pensionierten Polizisten (Georges Jamin), der als junger Bulle bereits mit Mordfällen zu tun hatte, in die die Gräfin möglicher- und andeutungsweise verwickelt war.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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