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Cabinett des Dr. Caligari, Das

Info

OT:
Das Cabinett des Dr. Caligari
Jahr:
D 1920
R: Robert Wiene
B: Carl Mayer, Hans Janowitz
K: Willy Hameister
D: Werner Krauss, Conrad Veidt, Friedrich Feher, Lil Dagover

 Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Es ist um 1830 und Jahrmarkt im kleinen Weiler Holstenwall. Alle gehen hin. Auch die Freunde Francis (Friedrich Feher) und Alan (Hans Heinrich v. Twardowski) suchen hier Zerstreuung, wenngleich der Mord an einem Stadtbeamten, nachts zuvor, etwas Staub aufgewirbelt hat. Publikumsmagnet der Kirmes ist die Bude eines Dr. Caligari (Werner Krauss), der dem staunenden Volk Cesare (Conrad Veidt) präsentiert. Der ist seit seiner Geburt in einem Dauerschlaf gefangen, aus dem er sich nur durch den Dottore aufwecken lässt. Dann ist er aber in der Lage, wahrzusagen und Fragen aller Art zu beantworten.
Alan nun sticht der Hafer, und er fragt ihn ausgerechnet nach seiner Lebenserwartung, worauf ihm Cesare prompt das baldige Ableben prophezeit. In der gleichen Nacht ereilt Alan sein Schicksal, als ihn der Messermörder im Schlafzimmer mit kaltem Stahl beglückt. Francis betreibt nun auf eigene Faust Nachforschungen, denn er hat Caligari und sein schlummerndes Faktotum in Verdacht. Doch als die Polizei einen anderen Tatverdächtigen verhaftet, erlahmt sein Elan erstmal wieder.
Bis Jane (Lil Dagover) entführt wird, das hübsche Töchterlein des Medizinalrats Olfen (Rudolf Lettinger), dem sowohl Francis als auch Alan schöne Augen machten. Nicht dem Medizinalrat natürlich (wink). Jane, die kurze Zeit später völlig verwirrt wieder aufgegriffen wird, schwört Stein und Bein, dass Cesare sie entführt habe, was aber offensichtlich nicht stimmen kann. Francis nämlich hatte Caligari und Cesare zur gleichen Zeit über längere Zeit observiert und in ihrem Wohnwagen schlafend vorgefunden.
Doch dann fügen sich die Widersprüche schneller als erwartet zu einem stimmigen Gesamtbild, in dessen Zentrum die Irrenanstalt von Holstenwall steht.

Zitate

Alan: „Wie lange werde ich leben?“ – Cesare: „Bis zum Morgengrauen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Als der Streifen 1920 Premiere hatte, dachte wohl niemand, dass dieser Film einer der wohl einflussreichsten der Filmgeschichte werden sollte. Ursprünglich war Fritz Lang für die Inszenierung vorgesehen, der aber aufgrund eines anderen Projekts absagen musste. Mit Robert Wiene engagierte man dann einen Regisseur, der bis dahin Zeitzeugen zufolge eher unauffällige Lustspiele gedreht hatte. Demzufolge war Wienes Einfluss auf das Endprodukt von allen Beteiligten wohl am geringsten.
Es ist ein Film, dessen Ausrichtung bestimmt war von seinen beiden österreichischen Drehbuchautoren und vor allem durch die Maler Hermann Warm, den Expressionisten Walter Reimann und Walter Röhrig. Sie entwarfen das Konzept und fertigten die Kulissen an, die vor allem aus bemalten Leinwänden bestanden. Der Streifen war damit einer der ersten, der komplett als Studioproduktion entstand. Das wiederum spielte der produzierenden Berliner Decla Film, gegründet durch den legendären Erich Pommer und später Teil der UfA, in die Hände, denn so konnte man das Budget des Films denkbar gering halten.
Der Film ist eines der Werke, bei dem der Stempel „Style over Substance“ zutrifft. So ist die Handlung eigentlich nicht weiter der Rede wert, und auch der Schnitt wirkt nicht immer konsequent. Was aber den Film rockt, war die revolutionäre, avantgardistische Machart. Kulissen, Dekors. Alles verzerrt, in aberwitzigen Winkeln verzogen mit absurden Größenverhältnissen als Abbild eines Horror-Alptraums, einer im wahrsten Sinne aus den Fugen geratenen Welt nach Ende des Ersten Weltkriegs. Mittendrin agieren Werner Krauss und Conrad Veidt in bester expressionistischer Manier: Krauss in Gehrock und Zylinder als verzerrter, böser Repräsentant des Bürgertums; Veidt geradezu zombiegleich mit groteskem Augenmakeup als willenloses Subjekt unter Einfluss. Dazu passt die Rahmenhandlung, die in einer Irrenanstalt spielt und die gemachten Prämissen wieder umstülpt. Es gibt richtig großartige Szenen wie das Erwachen des Cesare im Jahrmarktszelt oder den Mord an Alan. Was den Gesamteindruck etwas schmälert: Der Rest der Darstellerriege agiert weitgehend naturalistisch, was das expressionistische Setting etwas ins rein Dekorative zieht. Ausgenommen bleibt Rudolf Klein-Rogge in seiner kleinen Nebenrolle als Bösewicht. Er sollte kurz darauf unter Fritz Lang als „Dr. Mabuse“ reüssieren. Alles in allem ist „Das Cabinett des Dr. Caligari“ sozusagen die Mutter aller Thriller und einer der Ahnen des Horrorfilms.

Rating: $$$$$ (inklusive eines „Bedeutsamkeits“-Dollars)

 

 

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