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Theater des Grauens

Info

OT: 
Theatre of Blood

Jahr: GB 1973
R: Douglas Hickox
B: Anthony Greville-Bell, Stanley Mann, John Kohn
K: Wolfgang Suschitzky
M: Michael J. Lewis
D: Vincent Price, Diana Rigg, Ian Hendry, Harry Andrews, Jack Hawkins, Michael Hordern, Robert Morley

Quelle: DVD (MGM)

 

Inhalt

George William Maxwell (Michael Hordern), Chef der Londoner Baubehörde und passionierter Theaterkritiker, wird von zwei unechten Polizisten zu einer Abrissbude gelockt und dort grausam von einem Häuflein Obdachloser abgemetzelt. Die Tat scheint ins Detail geplant, Inspektor Boot (Milo O'Shea) tappt allerdings ohne konkreten Ermittlungsansatz und ohne Motiv im Dunkeln. Kurz darauf erwischt es mit Hector Snipe (Dennis Price) einen weiteren Kritiker; er wird mit einer Lanze durchbohrt, hinter einen Gaul gebunden und auf die Beerdigung seines befreundeten Maxwell getrieben. Das vollständig anwesende Feuilleton (u.a. Ian Hendry, Robert Morley) ist schockiert, einen echten Reim kann sich aber niemand darauf machen.  
Hinter den Morden steckt der Shakespeare-Darsteller Edward Lionheart (Vincent Price), der sich mithilfe seiner Tochter Edwina (Diana Rigg) an der hochnäsigen Kritiker-Elite rächt, die ihm Jahre zuvor eine wichtige Auszeichnung verwehrte. Lionheart stürzte sich damals von der Jury zutiefst gedemütigt aus einem Appartement-Hochhaus in die Themse; seine Leiche wurde zwar nie gefunden, man erklärte ihn dennoch für tot.
Lionheart überlebte jedoch den Sturz und wurde von einem Grüppchen alkoholsüchtiger Straßenpenner kurz vor dem Ertrinken gerettet. Mit seinem neuen "Ensemble" und Edwina inszeniert der Geschmähte nun klassische Mordszenen aus Shakespeares Werken, immer mit einem Jury-Mitglied als Opfer und einem ausnahmslos tödlichem Ende.
Nachdem ein Großteil der Kritiker auf hochliterarische Weise ihr Leben ließen, dünkt auch den Verbliebenen und der Polizei, wer hinter den Exekutionen stehen könnte. Über Edwina, die als Maskenbildnerin beim Film arbeitet, versucht man Lionheart auf die Fersen zu kommen...

Zitate

Inspektor Boot: "Ich bin seit 20 Jahren bei der Polizei, aber eine so zerfetzte Leiche hab ich noch nie gesehen." - Assistent: "Ich auch nicht. Und das war nur der Kopf!" (Beim ersten Mal tut's noch weh)

Devlin (Ian Hendry): "Die gesamte Londoner Polizei wird doch in der Lage sein, uns vor diesem Wahnsinnigen zu schützen!" - Inspektor Boot: "Hoffentlich, Mr. Devlin... hoffentlich." (So weckt man Vertrauen in der Bevölkerung)

"Am liebsten würde ich ja was ganz was Irres mit ihrer Farbe machen, Schätzchen. Wie wärs z.B. mit flammendem Goldblond und aschfahlen Strähnen?" ("Coiffeur" Lionheart arbeitet dabei nicht mit der üblichen Chemie zum Färben, sondern vertraut nur auf die Kraft der elektrischen Trockenhaube...)

Die Kritik des Sargnagels:

Nach dem Erfolg des Vincent Price-Vehikels "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" entschloß sich die kurzlebige englische Produktionsfirma "Harbour Productions" (die übrigens ihre Penunzen auch in den ein Jahr zuvor entstandenen "Asylum - Irrgarten des Schreckens" steckte), mit dem altgedienten Grusel-König einen Rip-Off des bewährten Stoffs zu drehen. Die Formel blieb die Gleiche: Ein Totgeglaubter führt mithilfe einer ergebenen Assistentin einen Rachefeldzug gegen ein Grüppchen ausgewählter Personen, die ihm das Leben unwert gemacht haben, und meuchelt die Schuldigen, einen nach dem anderen, in bizarrer Weise nach "klassischem" Vorbild. Letztendlich wurden nur die Parameter geändert. Statt alttestamentarischer Plagen liefert hier das umfangreiche wie blutrünstige Werk von William Shakespeare die Vorlage für die episodenhaft inzenierten Morde; das Rachemotiv ist hier nicht der Tod der Liebsten, sondern die Schmähung einer Lebensleistung.
Shakespeares Texte stellten offenbar eine besondere Herausforderung für Price, den britischsten aller Amerikaner, dar. Er lässt sich dabei zu keiner Zeit lumpen und bietet feinste Schauspielkunst, ob nun im historischem Gewande als Shylock, als tuntiger Damenfriseur mit Afro-Matte oder als überkandidelter Sternekoch. Man merkt regelrecht die Inbrunst seiner Performance, aber auch sein Schmunzeln beim absichtlichen Overacting. Für das Ensemble der Kritiker engagierte man eine Reihe britischer Alt-Mimen, allesamt bühnenerfahren wie z.B. die grandios aufspielenden Harry Andrews, Jack Hawkins und Robert Morley, denen aber naturalmente nur eine geringe Screentime zur Verfügung stand. Dagegen fallen die jüngeren Darsteller Ian Hendry und Diana Rigg, beide bekannt aus der TV-Erfolgsserie "Mit Schirme, Charme und Melone", gegenüber der geballten Schauspielkompetenz ab. Hendry wirkt aufgrund des Altersunterschieds in der Runde der rüstigen Kritiker etwas deplaziert; Riggs Rolle war vom Buch her einfach zu dünn ausgelegt, der Figur konnte sie schwerlich eigene Akzente geben. Schade, denn die Beiden tragen eigentlich die Übergangssequenzen zwischen den einzelnen Mordepisoden. Da hätte man mehr Spannung zwischen diesen beiden Charakteren aufbauen können.
Der Streifen ist hervorragend und detailliert von Regisseur Douglas Hickox inszeniert. Hickox, der lange Jahre als Second Unit Regisseur aktiv war, stieg Anfang der 60er auf den Chefsessel bei diversen Kleinproduktionen auf, mit seiner routinierten Arbeit bei "Theater des Grauens" als Visitenkarte konnte er dann sogar in Hollywood aufhorchen lassen und durfte daraufhin internationale Produktionen mit John Wayne, James Coburn und oder Lancaster umsetzen. Hapern tut's definitiv an der Handlung, der Kitt zwischen den einzelnen Sequenzen ist bröckelig (s.o.), und es tun sich auch etliche Fragwürdigkeiten auf. Die Polente benimmt sich blöder als sie es sich normalerweise selbst erlaubt, und die Opfer erkennen den unverkennbaren Lionheart auch immer erst dann, wenn es für sie zu spät ist - und das obwohl ihnen inzwischen der Mörder schon bekannt ist.
Sieht man von diesen Ungereimtheiten mal ab, bleibt dennoch immer noch ein sehr vergnüglicher Grusel mit einer ordentlichen Portion britischen Humors  übrig. Feine Sache, nicht nur für Price-Fans, für die aber ganz besonders.

Rating: $$$$+

Splatter:

5/10

 

 

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