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An seinen Stiefeln klebte Blut

Info

OT: 
Navajo Joe
AT:
Joe, el Implacable (SP)
Kopfgeld – Ein Dollar

Jahr: I/SP 1966
R:
Sergio Corbucci
B:
Piero Regnoli (“Dean Craig”), Fernando di Leo
K:
Silvano Ippoliti
M:
Ennio Morricone (“Leo Nichols”)
D:
Burt Reynolds, Aldo Sambrell, Nicoletta Machiavelli, Pierre Cressoy (“Peter Cross”)

Quelle: DVD (Koch) Dank fürs Rezi-Exemplar!

Poster, Lobbycards etc. von "An seinen Stiefeln klebte Blut"

 

An seinen Stiefeln klebte Blut

Inhalt

Als Sohn einer Indianerin und eines Weißen hat Mervin „Vee“ Duncan (Aldo Sambrell) schon immer heftig Dunst gekriegt von seinen Mitmenschen. Nun ist er ein böser, hasserfüllter Junge und zusammen mit seinem Halbbruder Jeffrey (Lucio Rosato) Anführer einer Bande von Skalpjägern und Mördern. Doch die Zeit der bezahlten Skalpjagd, ein Dollar pro Kopfputz, neigt sich dem Ende entgegen: Die Gang wird die letzte Rutsche Skalps gar nicht mehr los. Darüber hinaus sind die Duncan-Brüder inzwischen steckbrieflich gesucht, da sie auch friedliche Indianer rücksichtslos abschlachten und frisieren.
Im Zuge der sich also abzeichnende Firmenpleite ist Duncan froh, als ihm Chester Lynne (Pierre Cressoy), ein inzwischen als Arzt und Banker „ehrbar“ gewordenes ehemaliges Gang-Mitglied, eine neue Geschäftsidee anträgt: den Überfall auf einen schwer bewachten Zug, der 500.000 Dollar in einem Panzerschrank transportiert. Doch die Duncan-Gang ist seit ihrem letzten Indianer-Massaker an einem Navajo-Stamm nicht mehr allein, denn „Joe“ (Burt Reynolds), einziger Überlebender des Blutbads, hängt an ihren Fersen und dezimiert die Truppe langsam, aber kontinuierlich.
Zwar gelingt der Zug-Ripp in gewohnter Brutalo-Manier, doch kann Joe der Truppe den Zug wieder abjagen und zumindest den Zaster heil im Bestimmungsort Esperanza abliefern. Nun haben die braven Bürger bei aller Freude über den unversehrten Tresor die Hosen gestrichen voll, denn die Duncan’sche Vergeltungsaktion wird so sicher kommen wie das Amen in der Kirche. Joe bietet seine Hilfe an: Einen Dollar verlangt er von jedem Bürger für jeden erlegten Banditen plus die Kopfgelder für die Duncan-Brüder.
Nach langem Zaudern bleibt den Pfeffersäcken nichts anderes übrig: Zähneknirschend schlagen sie ein. Zudem macht sich der „dreckige Indianer“ auch noch zum Sheriff des Weilers, bevor der Spaß mit der Duncan-Gang richtig los geht.

Zitate

Pfarrer (Fernando Rey): „Wir in Esperanza sind friedliche Leute. Wir haben keine Waffen.“ – Bürgermeister (Mario Lanfranchi): „Das ist kein Grund, sich jetzt darüber zu freuen.“

Barbara (Franca Polesello): „Was jammert ihr? Den einzigen Mann, der euch helfen konnte, habt ihr weggejagt.“„Das war nur ein dreckiger Indianer.“ (Das gesunde Volksempfinden hebt sein Haupt)

Vee: „Meine Mutter war eine Indianerin. Darum hasse ich die Indianer. Und ich hasse die Weißen, weil mein Vater einer war. Er war ein protestantischer Priester … so wie du. Er starb nur leider zu früh: Es ist mir einer zuvor gekommen, sonst hätte ich ihn eines Tages umgebracht.“

Die Kritik des Gunslingers:

Direkt nach „Django“ nahm Sergio Corbucci „Navajo Joe“ in Angriff, von dem er anfangs gar nicht mal überzeugt war. Doch konnte ihm Produzent Dino de Laurentiis die ungewöhnliche Geschichte mit dem rächenden Indianer als Protagonisten dann doch schmackhaft machen. Heraus kam schließlich ein Streifen, der zwar nicht ganz in die Spitzenliga des Corbucci-Oeuvres vorstößt, aber nah dran ist.
Corbucci spart hier nicht mit dezenter Kritik am Vorgehen der Weißen gegen die nordamerikanischen Indianer als Bürger zweiter Klasse. Damit meine ich gar nicht mal drastische Metzeleien, von denen die Kamera nur einzelne Schlaglichter einfängt wie das Skalpieren einer zuvor hinterrücks erschossenen jungen Frau durch Vee Duncan. Eine Schlüsselszene ist meiner Meinung nach der Dialog, den Joe mit dem Sheriff (Gianni di Stolfo) von Esperanza führt, der ihm seinen Stern aushändigen soll. Der Sheriff , der einwirft, nur „echte Amerikaner“ dürften das Amt einnehmen, muss kurz darauf einräumen, dass sein eigener Vater aus Schottland zugewandert sei. Joes Familie hingegen ist oder besser war hier seit Generationen ansässig und damit ist klar, wer den Stern führen darf …
Auch der Fetisch „Geld“ kriegt wieder sein Fett weg: Als Joe den leeren Zug nach Esperanza führt, gilt das Interesse der Bürger ausschließlich der Unversehrtheit des Tresors; für das Schicksal der Passagiere und Wachmannschaft, die Duncan allesamt ermorden ließ, interessiert sich niemand. Am Ende trabt Joes Pferd, beladen mit dem Geld, mutterseelenallein zurück in die Stadt. Auf die Frage, wo Joe sei, entgegnet der Bürgermeister: „Ist doch egal, Hauptsache, unser Geld ist wieder da.“ Selbstredend tun die Bürger, die fast durch die Bank auf Indianer als minderwertig herabschauen, keinen Handschlag, um Joe bei der Verteidigung ihrer Stadt zu unterstützen und verkaufen ihre Feigheit gar noch als Friedfertigkeit. Sie verkörpern die borniert-kleingeistige, rassistische Einstellung, die Typen wie Vee Duncan hervorbringt, der die erlittenen Erniedrigungen als vielfach potenzierten Hass zurückgibt. Was Mut bewirken kann, zeigen Banjo-Spieler Chuck (Nino Imparato) und seine Saloon-Ladies, denen es gelingt, ihre Ängste zu überwinden und Joe aus den Fängen der Banditen zu befreien.
Schauspielerisch sticht vor allem Aldo Sambrell hervor, der eine schöne Leistung abliefert in der Darstellung des getriebenen Bösewichts, der nicht verzeihen kann. Burt Reynolds hat dagegen nicht allzu viel zu tun, außer seine Qualitäten als Stuntman auszuspielen und möglichst auszusehen wie ein milder Marlon Brando, den de Laurentiis eigentlich für die Rolle haben wollte. Zwar hat der Streifen im Vergleich zu „Django“ und anderen Corbucci-Werken die Brutalitäten etwas gedrosselt, doch wird auch hier dem Connaisseur noch einiges geboten. Das Gunplay ist opulent und durch die solide Kamera-Arbeit adäquat gewürdigt.
Klasse ist der Score von Ennio Morricone: sehr getragen, sehr breitwandig, mit einem eingängigen Titelthema, das auf Chören, E-Gitarre und fast schon hypnotischer Perkussion fußt, unterlegt mit süßen Streichern. Entgegen meiner bisherigen Hör-Erfahrung mit Morricone sind hier ganze Passagen vokaldominiert und maximal mit Perkussion unterlegt.

Rating: $$$$+

Bodycount:

ca. 80 Gringos, Mexikaner, Indianer

Explizite Brutalitäten:

  • Vee Duncan lächelt einer Squaw zu, bevor er sie hinterrücks erschießt und skalpiert
  • Nach erfolgreichem Zugüberfall legen die Banditen alle Überlebenden um
  • Die Duncan-Gang verabreicht Joe einen heftigen Einlauf, damit er das Versteck des verschwundenen Zasters ausspuckt. Doch ein wahrer Indianer kennt ja bekanntlich keinen Schmerz
  • Als das Geld nicht termingerecht wieder auftaucht, gehen die obligatorischen Geiselerschießungen los. Unter anderem bringen die Banditen auch die klassische „Spiegel-Nummer“ ;-)
  • Joe ritzt einem verletzten Banditen sein Totem in die Fleischkappe, bevor er ihn mit einem Stein erschlägt
  • Joe vermacht Vee heftigst mit einem Gewehrkolben

Liebe:

Hm. Hier ist der Film eher schwach aufgestellt ;-): 0/10

Splatter:

2/10

Spezialitäten:

  • Der Protagonist ist Indianer und beherrscht alle entsprechenden Tricks und Waffen
  • Chuck benutzt wahlweise ein Banjo oder eine Steinschleuder als Bogen


 

 

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