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Ben und Charlie

Info

OT: 
Amico, stammi lontano almeno un Palmo

AT:
Zwei Himmelhunde im Wilden Westen
Zwei linke Hände in der rechten Tasche

Jahr: I 1972
R: Michele Lupo
B: Luigi Montefiori ("George Eastman"), Sergio Donati
K: Aristide Massaccesi ("Joe D'Amato")
M: Gianni Ferrio
D: Giuliano Gemma, "George Eastman", Vittorio Congia, Luciano Catenacci, Nello Pazzafini, Remo Capitani, Giacomo Rossi-Stuart, Marisa Mell

Quelle: DVD (e-m-s)

Poster, Lobbycards etc. von "Ben und Charlie"

 

Inhalt

Drei lange Jahre musste Ben (Giuliano Gemma) wegen eines verunglückten Viehdiebstahls im Kittchen schmoren. Am Tage der Entlassung wartet schon sein bester Spezi Charlie ("George Eastman") an der Knastpforte, aber nicht aus eherner Freundschaft, sondern um dem unverbesserlichen Hallodri ein paar Maulschellen zu verpassen, denn Ben verzockte beim missratenen Coup auch noch Charlies ehrlich malochte Ersparnisse.
Nach einer handfesten, reinigenden Auseinandersetzung beteuert Ben zwar seine Läuterung, aber für Charlie ist die Partnerschaft erst mal gegessen. Beide wollen ihres eigenen Weges ziehen, doch das Schicksal führt sie über Umwege immer wieder zusammen. Letztendlich lässt Charlie seine guten Vorsätze fahren und rippt mit seinem alten Kollegen wieder mehr oder minder erfolgreich Finanzinstitute; zu ihnen gesellt sich noch der ehemalige Bankkassierer Alan "Drei Prozent" Smith (Vittorio Congia), der für sie die Kohle beieinander hält.
Ihre Umtriebe werden allerdings nicht nur von Pinkerton-Detektiv Hawkins (Giacomo Rossi-Stuart) beachtet, auch bei kriminellen Elementen lassen sie aufhorchen. Nach einem fetten Raub drängen sich ihnen die drei Strauchdiebe Kurt (Luciano Catenacci), Butch (Nello Pazzafini) und Charro (Remo Capitani) auf, um gemeinsam Kasse zu machen. Während Ben sich nun als Chef einer ganzen Gang wähnt, reicht es Charlie vollends, und er schmeißt den Büttel endgültig  hin. Ohne seinen Kumpel hat es Ben zunehmend schwieriger, Kurt und Co. im Zaum zu halten; im gottverlassenen Weiler Silver Town zeigen die Neuzugänge dann ihr wahres Gesicht...

Zitate

Ben: "Unter Scherzen und Lachen ist es Mittag geworden..."

Charlie: "Hast du Idiot nicht gemerkt, dass ich den "Vier As"-Trick gespielt habe?" - Ben: "Doch, doch. Aber was kann ich dafür, wenn ich wirklich vier Asse bekomme?!"

Sheriff: "Tja, diese Kritzeleien sind aber leider keine Fotografien, sie ähneln jedem und keinem. Das kann zur Folge haben, dass wir einen Waggon Leichen frei Haus kriegen, die denen bloß ähnlich sehen." - Hawkins: "Hauptsache ist, dass die Kerle, die ich suche, auch dabei sind."

Die Kritik des Sargnagels:

Enzo Barbonis "Die rechte und die linke Hand des Teufels" gilt als großer Durchbruch für die Italowestern-Komödie, und spätestens ab 1970 versuchten etliche Produzenten die losgetretene Welle zu reiten. Inspiriert durch den massiven Erfolg von Barbonis SpencerHill-Vehikeln schrieb Italowestern-Quereinsteiger Luigi Montefiori (aka "George Eastman"), der sich innerhalb weniger Jahre vom schauspielerisch unerfahrenen Bleifänger zum ernstzunehmenden Hauptdarsteller hochgearbeitet hatte, ein eigenes Skript für einen Wildwest-Buddy-Movie. Nach der Überarbeitung durch Sergio Donati stand eine episodenhaft angelegte Kumpel-Komödie, die zwar das hohe Lied der Freundschaft preist, aber bei weitem nicht moralinsauer daher galoppiert und trotz aller Schmunzler auch deftig-letales Gunplay serviert. Eine richtige Handlung gibt es eigentlich gar nicht. Die Story beleuchtet eher episodenhaft einen Zeitabschnitt im Leben der beiden Freunde Ben und Charlie mitsamt der erlebten Abenteuer. Das aber gekonnt: Lupo versteht es, die Action mit beschreibendem Beiwerk und auflockernden Scherzereien zur rechten Zeit zu würzen.
Trotz der offensichtlichen Zitate und Zutaten aus erfolgreichen Vorgängern - augenzwinkernd dreist wurde z.B. Tucos Revolver-Bastelei aus "Zwei glorreiche Halunken" gemopst - gelang Regisseur Lupo ein recht eigenständiges Machwerk. Vor allem lebt es von den beiden großartigen Hauptakteuren Gemma und eben Montefiori, die den Charakteren mit viel Spielfreude Leben einhauchen. Auch der Rest des Casts ist nicht von Pappe und bis in die kleinste Sprechrolle mit Qualität besetzt.
Was allerdings den Streifen von den meisten anderen Klamotten abhebt, ist die absolut hochwertige und visuell überzeugende Inszenierung. Da wirkt jede Szene ins Detail ausgetüftelt, alleine schon das Intro ist schnitt- und kameratechnisch vom Feinsten aufgezogen. Und das zieht sich bis zum Schluss durch. Der Mann hinter der Linse hieß übrigens Aristide Massaccesi aka "Joe D'Amato" - und liefert hier mindestens drei Klassen besser ab als bei seinen vorhergegangenen Arbeiten für Fidani, eigentlich steht da kein Vergleich mehr. In der Kategorie "Kamera" gehört "Ben und Charlie" auf jeden Fall unter die Alltime-Top-10 des Genres.
Gianni Ferrios Score zündet und bietet vom melancholischen Titel-Thema bis zu den üblichen Saloon-Klimpereien ordentlichen Standard. Die deutsche Synchro ist fein ausgearbeitet, kommt völlig ohne die zeitgenössischen Schnoddrigkeiten aus und trifft den Nagel auf den Kopp.
Ohne rot zu werden gibt's für den durchweg runden Streifen gerechtfertigte

Rating: $$$$$-

Bodycount:

vier Gringos und ein unfreiwilliger Suizid

Splatter:

2/10

Liebe:

0/10 (Ben verfällt zwar der Wehmut, als er seine Ex Sarah (Marisa Mell als "Witwe McBain"-Lookalike ;-) ) wieder trifft, verdrückt sich dann aber nur ein Tränchen im Knopfloch und pumpt sich ein paar Kröten bei ihr)

 

 

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