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Chatos Land

Info

OT:
Chato's Land

AT:

Chato el apache

Jahr: USA/E 1972
R: Michael Winner
B: Gerald Wilson
K: Robert Paynter
M: Jerry Fielding
D: Charles Bronson, Jack Palance, Simon Oakland, Ralph Waite, Roddy McMillan

Quelle: TV (Tele5)

 

Inhalt

Seine halb europäische, halb indianische Herkunft bringt Chato (Charles Bronson) immer wieder in die Bredouille. Als man ihm im Saloon keinen Whiskey servieren möchte, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit dem rassistischen Sheriff. In Notwehr verpasst er dem Blechsternträger eine tödliche Kugel und reitet zurück in Richtung Heimat. Unter der Führung des Mietstallbesitzers und ehemaligen Konföderierten-Captains Whitmore (Jack Palance) rottet sich derweil eine 12köpfige Posse zusammen. Übermütig und überheblich nehmen sie die Spur auf, doch Chato denkt nicht daran, sich aus dem Staub zu machen. Gezielt lockt er Whitmores Trupp in unwegsames Gelände und durch die Wüste, des Nächtens vernichtet er ihre Wasservorräte. Statt den Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen, reiten die Verfolger weiter. Die Stimmung wird stetig gereizter, vor allem zwischen den drei Hooker-Brüdern Jubal, Elias und Earl (Simon Oakland, Ralph Waite, Richard Jordan) und dem Grüppchen der Besonnenen um den Farmer Malechie (Roddy McMillan) kommt es immer wieder zu handfesten Diskussionen. Letztere beginnen an der Sinnhaftigkeit des Unternehmens zu zweifeln, während der Hass der Indianerfresser mit jeder Demütigung weiter steigt. Als die Posse zufällig das Gehöft von Chato entdeckt, eskaliert die Situation. Die Hookers vergewaltigen Chatos Frau; Whitmore verliert nun endgültig jegliche Autorität im Trupp, weil er das Verbrechen toleriert. Die Geschändete wird nackt als "Lockvogel" an einen Strauch gebunden. Chatos Sohn konnte dem Überfall entkommen und stöbert seinen Vater in den Bergen auf. Der lässt nun jeden passiven Widerstand fahren und geht seinerseits zum gnadenlosen Angriff über...

Die Kritik des Sargnagels:

Anno 1972 kamen Michael Winner und seine spätere "Muse" Charles Bronson zum ersten mal beruflich zusammen und kurbelten gemeinsam den Revenge-Western rund um die Wüste von Tabernas in Spanien ab.
Wie auch "Lawman" handelt Winners zweiter (und letzter) Western von Recht, Gerechtigkeit und Schuld, zudem hat er noch mit einigen Allegorien auf den Vietnamkrieg gewürzt (der unsichtbare Feind, Überschätzung der eigenen Streitkräfte, Massaker an Zivilisten usw.). Inhaltlich wurde das Thema aber völlig auf links gedreht, mehr oder minder jedes Vorzeichen umgepolt. Statt einem unempathischen, gnadenlosen Gesetzeshüter auf der Pirsch ist der Protagonist dieses mal ein zum Outlaw gebrandmarkter Halbindianer, der gejagt wird. Auf der Gegenseite stehen die "braven" Bürger. Auch hier ist das Setting um 180° verschoben: werden sie bei Lawman von Tätern immer mehr zu Opfern des eiskalten Sheriff Maddox, wandeln sich die Kleinbauern, Städter und Kriegsveteranen bei "Chato" zu vorsätzlichen Gewaltverbrechern. Stand beim Vorgänger noch der Protagonist im Zentrum der Konflikte, ist es nun die Posse, die sich mit Moral und Ethik herumkloppen muss.
Hier liegt ironischerweise die Krux des Streifens: die eigentliche Handlung wird nicht vom namensgebenden Chato vorangetrieben, sondern vom Sidecast um Jack Palance.
Charles Bronson sagt im gesamten Film nur eine Handvoll Sätze, davon sind gerade mal zwei verständlich, die restlichen in irgendeinem zurechtgepfriemelten Indianerkauderwelsch. Dagegen war "Harmonica" geradezu 'ne Quasselstrippe. Ansonsten sieht man ihn in den ersten zwei Dritteln vor allem relaxt durch die Landschaft traben und bedeutungsschwanger mit eisigem Blick den Verfolgern hinterherzuglotzen. Da bleibt sogar Zeit, für den Filius eine Klapperschlangenrassel zu basteln. Mit der Vergewaltigung von Chatos Frau wird dann das Schlussdrittel eingeleutet und kaum hat Charly seinen ledernen Lendenschurz angelegt, geht auch bei ihm endich die Post ab. Bis dahin gilt die Aufmerksamkeit dem Verfolgertrupp. Da ist schnell klar, dass der von Palance verkörperte Whitmore keine Führungsgestalt darstellt, sondern einen in der Vergangenheit verhafteten Loser, dem nur noch die Rangabzeichen aus einem längst vergessenen Krieg geblieben sind. Für exquisiten Dauerzunder sorgen die drei US-Charakterbolzen Simon Oakland, Richard Morgan und Ralph "Walton" Waite als Hooker-Boys. Sie sind dem Mob mit der Aussicht auf einen "legalen Abschuss" beigetreten. Als die Sache anstrengender wird als gedacht und die Jungs nicht triggerhappy werden, rücken zuerst der mexikanische Scout, dann die friedfertigeren Kameraden und zuletzt Whitmore in den Fokus ihrer Frustrationen. Der Rest des Trupps, der sich aus rechtsstaatlichen und solidarischen Gründen angeschlossen hat, bekommt mit jeder Minute mehr zu spüren, dass der Feind nicht in den Bergen sitzt, sondern in den eigenen Reihen. Irgendwann sehen sie sogar selbst ein, dass sie sich wegen ihrer Passivität die Suppe selbst eingebrockt haben. Interessant ist hier übrigens die Rollenbesetzung: während die Krawallbrüder mit amerikanischen TV-Schauspielern (u.a. noch William Watson und Victor French) besetzt wurden, castete Winner für die Gruppe der "Friedfertigen" größtenteils britische Landsleute wie Roddy McMillan, Paul Young, Lee Patterson u.a.. Sollte das von Winner geplant gewesen sein, um in der Darstelleriege etwas förderliche Spannung zu erzeugen, dann ist's ihm vortrefflich gelungen.
Offenbar war's Anfang der 70er wirklich günstiger, einen ganzen Haufen Amis und Briten nach Spanien zu karren, statt irgendwo in den kalifornischen Bergen die Chose durchzunudeln. Auch bei den Schlüsselposten des technischen Stabs griff man auf amerikanisch/britische Kräfte zurück; der spanische Produktionsbeitrag belief sich ähnlich wie bei "Leise weht der Wind des Todes" auf das Stellen der Infrastruktur und ein paar Assistenten. Die Kameraarbeit von Robert Paynter ist bieder bis solide. Verkackt hat er's nicht, aber da gabs schon Aufregenderes im Genre zu sehen. "Amerikanische Nächte" präsentierte uns auch ein gewisser Sergio Leone in seinen Frühwerken, hier aber wurde bunt durchgemixt. Neben den gefilterten Tageslichtszenen gibts auch echte Nachtaufnahmen, leider beschissen ausgeleuchtet. Da wirkt ein Lagerfeuerchen manchmal wie ein Flakscheinwerfer. Der sparsame Score von Maestro Jerry Fielding gehört nun auch nicht zu seinen besten Werken, ist aber effektiv und selbst ein Durchschnitts-Fielding steckt noch Einiges in die Tasche. Unter den Stuntmen befand sich übrigens ein gewisser John Landis, der in anderer Position einige Jahre später noch von sich hören machen sollte. ;-)
Alles in allem gibt's ein paar Schönheitsflecken, aber keine besonders störenden Makel. Sie lassen halt den Streifen billiger wirken, was dem größtenteils spielfreudigen Cast nicht ganz gerecht wird. Das Fazit lautet daher: Routinejob auf gehobenem Niveau.

Rating: $$$$-

Bodycount:

14 Gringos,1 Indianer

Explizite Brutalitäten:

  • Chatos Frau muss eine Gruppenvergewaltigung erleiden
  • Die Hooker-Boys hängen Chatos halbtoten Freund kopfüber an einen Galgen und zünden unter ihm ein Feuer an
  • Chato ist bei seinem Rachefeldzug äußerst vielseitig, da wird klassisch erschossen, erstochen und skalpiert. Allerdings hat er auch besondere Spezereien für seine "guten Freunde", denen er zu Weilen auch mal ein Lagerfeuerchen in der Lendengegend spendiert.

Liebe:

Für ca. 30 Sekunden sieht man eine indianische Familienidylle, sprich: 0/10

Splatter

Trotz der vielen deftigen Abgänge bleibt das eigentliche Geschehen meist im Off: 4/10

 

 

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