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Info

OT: 
Deadlock

Jahr: D 1970
R, B:
Roland Klick
K:
Robert van Ackeren
M:
The Can
D:
Mario Adorf, Anthony Dawson, Marquard Bohm, Mascha Elm-Rebben

Quelle: DVD (Filmgalerie 451)

 

Inhalt

Seit mehr als 20 Jahren lebt Charles Dump (Mario Adorf) in dem abgelegenen, inzwischen verlassenen Minennest Deadlock, irgendwo in einer amerikanischen Wüste. Mit ihm zusammen halten noch die Ex-Nutte Corinna (Betty Segal) und ihre gemeinsame Tochter, die stumme Jessy (Mascha Elm-Rebben), die elende Stellung. Die einzige Ablenkung ist Enzo (Sigurd Fritzek), der die Drei regelmäßig mit Lebensmitteln und Charles mit Pornobildern versorgt.
Als Charley mit seinem altersschwachen Army-Truck wieder mal durch die Wüste karriolt, scheint ihm das Glück das erste Mal im Leben hold: Er findet einen halbtoten Typen (Marquard Bohm) mit Metallkoffer und Maschinenpistole. Im Koffer befindet sich unter anderem ein Batzen Dollars, mehrere Millionen, die nach dem Zustand des Typen zu urteilen aus einem recht gewalttätigen Bubenstück stammen. Charles ist zwar eine Drecksau, aber mehr Dreck als Sau, und so nimmt er zwar den Koffer, schafft es aber erstmal nicht, dem Jungen den Rest zu geben. Was sich rächt: Als Charles zurückkehrt, um das Versäumte nachzuholen, überwältigt ihn der Gangster, und gemeinsam geht’s nach Deadlock.
Während sich hier allmählich eine Art unausgesprochener Waffenstillstand einpendelt – Dump hat Kid, so heißt der Bursche, zwischenzeitlich sogar die Kugel rausgesäbelt – trifft Sunshine (Anthony Dawson) ein, Kids Komplize. Nun setzt sich langsam die Maschine in Gang, die allein einer Gesetzmäßigkeit gehorcht: Die Pennunzen können nur einem gehören.

Zitate:

Dump: „Das ist Jessy. Gefällt sie dir? Mit der kannst du alles machen. Ganz die Mutter.“

Kid: „Macht es dir etwa Spaß, den alten Trottel noch lange zu quälen?“ – Sunshine: „Ja, es macht mir Spaß. Hast du etwa schlechte Nerven?“

Die Kritik des Gunslingers:

Regisseur Roland Klick war immer etwas einsam unter Deutschlands Filmemachern. Während viele Kollegen verschwurbeltes Kopfkino unter Ausschluss der Öffentlichkeit präferierten und sich das von der Filmförderung finanzieren ließen, vertrat Klick eher die Auffassung: Kino muss Spaß machen und sein Publikum erreichen. So war er auch einer der wenigen deutschen Regisseure, die etwas mit Genre-Kino anfangen konnten und wurde dafür entsprechend gedisst.
Mit dem inzwischen zum modernen Klassiker avancierten „Deadlock“ legte er einen Gangsterfilm vor, der von der Location, Kamera und Atmosphäre eher dem Italowestern verhaftet ist als dem Thriller oder Abenteuerfilm. Schon der geradezu psychedelische Anfang ist grandios: Marquard Bohm und der klassische Dreiklang – Geldkoffer, Kanone und Schusswunde – stolpern unter flirrender Sonne durch die steinige Wüstenei. Genauso flirrend sind die Bilder, kombiniert in schnellen Schnitten, während Can eher dezent und erstaunlich „gerade“ dazu scheppern. Kameramann Robert van Ackeren, der auch Klicks ersten Langfilm, „Bübchen“, fotografierte, und einer der gefragtesten Kameraleute des sogenannten Neuen Deutschen Films war, hat seinen Spaghettiwestern offensichtlich studiert: Totalen, die das Hoffnungslos-Grandiose der Szenerie einfangen – der Film entstand im Grenzland zwischen Israel und Jordanien – wechseln ab mit Close-Ups der Gesichter. Und wenn Sunshine in Staubmantel und Cowboy-Stiefeln, mit geschulterter Knarre Deadlock erreicht, oder Dump fast mit Kanone am Kürbis auf dem Friedhof nach dem mutmaßlich verscharrten Zaster buddeln muss, ist das beispielsweise Italowestern pur.
Der Film ist mit dem Protagonistentrio grandios besetzt. Insbesondere Mario Adorf zieht alle Register: Kichernd und weinend sitzt er über den Geldbündeln, macht auf harten, menschenverachtenden Hund, um später bei Sunshine um Gnade zu wurmen und zu schleimen. Überhaupt Anthony Dawson, der alte Schotte: Wie er als altes Sado-Schlachtross mit Mario Adorf spielt, ihn in ein brutales Wechselbad aus Hoffnung und Verzweiflung treibt, ist einfach genial.
Dass Kritiker und Kollegen Klicks Streifen vorwarfen, zu "kommerziell" zu sein, sollte uns Empfehlung genug sein ;-).

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10