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Erbarmungslos

Info

OT: 
Unforgiven

Jahr: USA 1992
R, M: Clint Eastwood
B: David Webb Peoples
K: Jack Green
M: Lennie Niehaus
D: Clint Eastwood, Morgan Freeman, Gene Hackman, Jaimz Woolvett

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Im kleinen Nest Big Whisky geht alles seinen ruhigen Gang, bis sich eines Tages eine der Bordschweinschwalben im örtlichen Puff über den Spatz eines zu kurz gekommenen Kunden lustig macht. Da Strafe sein muss, greift der brave Mann zum Messer und zersäbelt der Gutsten das Gesicht, wobei ihn sein Kumpel von noch Schlimmerem abhält. Sheriff „Little“ Bill Daggett (Gene Hackman), der mit eiserner Hand für Ordnung sorgt, verdonnert die Beiden zu einer Strafe von acht Pferden, zahlbar an den Puffbetreiber, und lässt die Sache damit auf sich beruhen.
Aber die Nutten wollen die Sache nicht auf sich beruhen lassen: Sie sammeln 1000 Dollar Kopfgeld für denjenigen, der die Übeltäter zur Strecke bringt. Um die Sache anzukurbeln, schmücken sie die Geschichte mit erfundenen dramatischen Details aus: von abgeschnittenen Ohren bis zu ausgestochenen Augen. Als Sheriff Bill davon erfährt, hat er Sorge um die Ruhe in dem Gemeinwesen. Also lässt er fortan jedem Gunslinger, der im Verdacht steht, sich die Kohle verdienen zu wollen, eine gehörige Tracht Prügel verabreichen und aus der Stadt werfen.
Im entfernten Wyoming wird auch William Munny (Clint Eastwood), einst berüchtigter Revolverschwinger, jetzt desillusionierter Schweinefarmer, auf die Geschichte aufmerksam. Da er dringend Schotter benötigt, zieht er zusammen mit seinem alten Kumpel Ned Logan (Morgan Freeman) und dem stark kurzsichtigen und großspurigen Möchtegern-Revolverhelden Schofield Kid (Jaimz Woolvett) los, sich die Börse zu verdienen.

Zitate

Munny (zu Kid): „Er ist ausgelöscht: alles, was er war und alles, was er noch gewesen wäre.“ (Baut jemanden nicht gerade auf, der schwer an seinem ersten Opfer zu knacken hat).

Bill (zu seinem Deputy): „Schau nach, was er in der Tasche hat, aber pass' auf, dass du nicht nass wirst.“ (Der Betreffende hatte sich gerade eingenässt)

Munny: „Wer noch keine Lust zum Sterben hat, geht jetzt besser raus.“

Munny: „Ich habe eigentlich immer Glück mit dem Töten.“

Bill: „Das habe ich nicht verdient.“

Die Kritik des Gunslingers:

Im Westen begann sie, die Karriere von Clint Eastwood; in den Westen kehrte er immer wieder zurück. Hier nun spürt er den Mythen nach, die sich bei näherem Hinsehen als nichts weiter herausstellen als Legenden, die nur wenig mit der Wahrheit zu tun haben. Die Geschichten von knallharten Gunslingern und ihren Heldentaten fallen bei näherer Betrachtung in sich zusammen wie das sprichwörtliche Kartenhaus.
In Wahrheit schießen sich geltungssüchtige Verrückte mit betrunkenen Killern in Gefechten, bei denen hauptsächlich das Glück entscheidet, wer überlebt. Legendäre Duelle kollabieren so zu schäbigen Morden, aufgeblasen von „Augenzeugen“, die noch nicht mal dabei waren. Leute wie der Autor Beauchamp (Saul Rubinek) sind es, die das Bild des Westens prägen. Der saugt begierig die Worte von Revolverschützen wie „English Bob“ (Richard Harris) oder auch Bill Daggett als für bare Münze auf. Ein Handlanger, auf dessen Dienste man gerne zurückgreift, um an der eigenen Legende zu stricken.
Die Wirklichkeit des Westens ist ein karges Dasein ohne jeden Glamour. So fristet auch der geläuterte William Munny seine Tage, der nach dem Pockentod seiner Gattin für die beiden Kinder zu sorgen hat. Seine Schweinefarm wirft kaum das Nötigste ab, und zu allem Überfluss grassiert auch noch die Schweinepest. Der junge Schofield Kid wiederum ist besoffen von den zahllosen Geschichten, die sich um die legendären Gunmen ranken. Er will einer von ihnen sein, legt sich einen „Kriegsnamen“ zu – Schofield war ein Revolvermodell von Smith & Wesson – und prahlt mit angeblich begangenen Morden.
Während Schofield also auf der Suche nach Ruhm und Respekt und den alten Mythen ist, schließen sich die alten Gunmen Munny und Logan aus Geldmangel an. Sie wissen, was sie zu erwarten haben: keine glamourösen Shootouts, sondern einen schmutzigen, zweifelhaften Job, nur dünn gerechtfertigt durch die Schauergeschichten, die die Nutten zum Besten geben. Am Ende ist selbst das noch zu positiv gedacht, und es bleibt nicht viel mehr als Matsch und Regen. Und Schofield Kid ist endgültig geheilt vom Traum einer mörderischen Gunslinger-Karriere.
Der Streifen punktet mit einem starken Cast, einer feinen Kameraarbeit und der Atmo. Letztere orientiert sich unter anderem am Italowestern und am Film noir, was beispielsweise die Ausleuchtung angeht. Besonders Gene Hackman liefert einmal mehr eine Glanzleistung ab. Clint Eastwood als sein eigener Hauptdarsteller ist ebenso klasse als Gunslinger, an dem der Zahn der Zeit unübersehbar genagt hat. Das betrifft sowohl die Schieß- als auch die Reitkünste.

Rating: $$$$$

Bodycount:

8

Explizite Brutalitäten:

  • Die Messeraction gegen eine Prostituierte ist nicht gerade nett
  • Dagget vertrimmt erst English Bob und dann den grippekranken Munny aufs Derbste, um sie aus der Stadt zu vertreiben
  • Munny verpult Davey (Rob Campbell) einen Bauchschuss, an dem er stirbt
  • Daggett unterzieht Logan einer hochnotpeinlichen Befragung mit der Bullenpeitsche

Liebe:

Liebe gibt’s nur zwischen Munny und seiner verstorbenen Gattin. Dennoch 2/10

Splatter:

3/10


 

 

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