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Fremder ohne Namen, Ein

Info

OT: 
High Plains Drifter

Jahr:
USA 1973
R: Clint Eastwood
B: Ernest Tidyman, Dean Riesner
K: Bruce Surtees
M: Dee Barton
D: Clint Eastwood, Mitchell Ryan, Jack Ging, Ted Hartley, Geoffrey Lewis, Anthony James, Dan Vadis, Billy Curtis, Verna Bloom, Walter Barnes

Quelle: DVD (Universal)

 

Inhalt

Das abgelegene, verstaubte Minenkaff Lago ist nicht gerade ein Hort der Willkommenskultur. Als ein namenloser Fremder (Clint Eastwood) in die Stadt einreitet, sieht er sich stantepede mit drei üblen Gunslingern konfrontiert, die er allerdings ohne großes Federlesen dem Sargmacher zubringt. Der Rest der Bevölkerung (u.a. Mitchell Ryan, Jack Ging, Ted Hartley) zeigt sich zwar nicht so gewalttätig, aber verschlossen bis ablehnend.
Der Grund für die latente Fremdenfeindlichkeit ist in der florierenden Mine begründet: die liegt nämlich nicht auf Stadt-, sondern Indianergebiet. Lange genug konnte man die tolerante Grenzauslegung geheim halten und den Rahm selbst abschöpfen, bis ein Marshall dem Betrug auf die Schliche kam. Man heuerte daraufhin den psychotischen Stacey Bridges (Geoffrey Lewis) und die Carlin-Brüder (Anthony James, Dan Vadis) an, um den Gesetzeshüter mundtot zu machen. Bridges und Co. zogen den Mordauftrag eiskalt durch, fingen danach aber an, die Stadtbewohner zu terrorisieren. Die wiederum schwärzten die Mietkiller wegen diverser Kleindelikte bei den Behörden an, was Bridges und die Carlins ein Jahr im Knast bescherte.
Nun steht der Tag der Entlassung von Bridges an, dementsprechend nervös werden die Stadtoberen. Blöderweise hat auch noch der Fremde die frisch angeheuerte Schutztruppe eingesargt (s.o.); aufgrund des Zeitmangels und der sofortigen Verfügbarkeit macht man dem Mann mit dem schnellen Colt ein äußerst lukratives Angebot mit der Zusage, ihm alles zur Verfügung zu stellen. Eine Entscheidung, die die Städter schnell bitter bereuen...

Zitate

Callie Travers (Marianne Hill): "Ich werde Ihnen mal was verraten! Aus der Entfernung könnte man sie fast für 'nen Mann halten. Aber so aus der Nähe sehen sie eher wie 'n Blindgänger aus." - Fremder: "Nur ihre Füße, Madam, sind noch größer als Ihr Mund. Prost."

Hobart (Stefan Gierasch): "Ich fürchte, wir haben gar keine andere Chance. Schon deswegen nicht, weil die Zeit nicht ausreicht, um irgendwo her Hilfe zu besorgen. Und ferner, weil wir einen Sheriff haben, der ungefähr so nützlich ist, wie Titten an einem Bullen."

Callie Travers: "Hier gibt es doch nur Scheißer! Nicht einen einzigen Mann, der noch einen kompletten Satz Eier im Sack hat!"

Bridges: "Und wo sind unsere Pferde? Wir sind mit drei guten Pferden hierher gekommen." - Gefängniswärter: "Was glaubt ihr, was ihr hier gefressen habt in der ganzen Zeit?"

Die Kritik des Sargnagels:

Nach seinem Regiedebüt "Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten" wandte sich Clint Eastwood bei seinem Zweitling dem Western zu. Die Rückkehr auf bewährtes Terrain, auf dem er als Schauspieler zum Weltstar reifte, gab auch dem Regisseur Eastwood die notwendige Stütze. Im Gegensatz zu seiner ersten Fingerübung wirkt der "Fremde" viel kompakter: keine Längen, keine Überflüssigkeiten und keine Experimente stören die durchgängig fiese Atmo und den stetigen Spannungsaufbau des Streifens. Die Einflüsse seines Lehrmeisters Leone kann man schwerlich unterm Teppich halten, allzu offensichtlich winkt der Clint mit dem Zaunpfahl. Schon beim Intro schickt er ein freundliches Hallo an den alten Sergio, der "Man with no Name" wird konsequent von den Klamotten bis zum Habitus übernommen. Auch inhaltlich findet man eher Ansatzpunkte beim italienischen Western, Ernest Tidymans Script und Eastwoods Umsetzung haben mehr mit Questis "Töte, Django", Garrones "Django und die Bande der Bluthunde" und Corbuccis "Fahrt zur Hölle, ihr Halunken" gemein als mit den damals zeitgenössischen US-Produktionen.
Eastwood trieb seinem Namenlosen jeglichen Humor aus, er ist gnadenlos und hat keine Empathien mehr, so sind z.B. seine Geschenke an die Indianer keine Wohltat, sondern eine Provokation für den rassistischen Ladenbesitzer, genauso wie die Ernennung des zwergwüchsigen Mordecai zum Bürgermeister und Sheriff. Der Fremde ist unnahbar, unverletzlich, ein übermystifizierter, fast schon biblischer Racheengel und bietet keinen Ansatzpunkt zur Identifikation. Er verhält sich keinen Deut besser als der Rest der Gunslinger, unter seinem "Schutz" herrscht derselbe willkürliche Terror. Dabei lässt er dennoch den Bewohnern von Lago ein Hintertürchen, die Chance zur Läuterung, offen: immer wieder plädiert er an deren Zivilcourage, fordert sie geradezu ein. Doch statt den Schatten aus Angst, Schuld und Gier zu überwinden, bleiben die Lagoer bis zum bitteren Ende in ihren alten Mustern hängen, wollen die Fassade wahren, während das Lügengemäuer schon längst verrottet ist.
Eastwood steht eindeutig im Zentrum des Geschehens, der Rest des Casts ist genau genommen nicht gerade überfordert, liefert aber routiniert ab. Tiefgang, Charakterentwicklung und größere Dialogsequenzen waren nicht vorgesehen. Herauspicken kann man noch Billy Curtis als zwergwüchsigen Mordecai und Verna Bloom als desillusionierte Hoteliers-Gattin, die neben den ganzen stereotypen Opportunisten die tranig funzelnden Lichtlein des Anstands darstellen. Aber auch Geoffrey Lewis, Anthony James und Dan Vadis geben einen schicken Haufen von brutalen Psychoten ab, die neben Italo-Referenzen wie Frederico Boido und Luciano Rossi nicht rot zu werden brauchen.
Obwohl der "Fremde" zu einer seiner ersten Arbeiten als hauptamtlicher Kameramann ist, wirkt die Arbeit von Eastwood-Spezi Bruce Surtees sehr erfahren. Er bringt eine Vielfalt an visuellen Elementen und Spezereien unter, ohne dass der Streifen dadurch uneinheitlich wirkt. Surtees reizt das Breitbildformat ordentlich aus und schafft schöne Kompositionen; insgesamt eher ruhig geschnitten, sind die Szenen intensiv. Passend dazu der Score von Dee Barton, der zwar nicht in Morricone-Höhen schwebt, aber solide instrumentiert daher kommt: stimmig zum Szenentempo und der Atmosphäre äußerst dienlich.
Klar, mit seinem Zweitling hatte Eastwood zwar noch nicht seinen Zenith der Schaffenskraft erreicht, dafür ist der Streifen einfach nicht originär genug. Unter den Western der 70er Jahre findet sich der "Fremde" aber trotzdem ganz weit oben.

Rating: $$$$+

Bodycount:

ca. 25

Explizite Brutalitäten:

  • der Marshall wird von der Bridges-Gang zu Tode gepeitscht
  • der Fremde vergewaltigt das Dorfflittchen Callie Travers

Liebe:

*hust

 

 

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