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Info

OT: 
Cristiada

AT:
For Greater Glory

Jahr: MEX 2012
R: Dean Wright
B: Michael James Love
K: Eduardo Martinez Solares
M: James Horner
D: Andy Garcia, Eva Longoria, Ruben Blades, Peter O’Toole, Santiago Cabrera, Mauricio Kuri, Oscar Isaac

Quelle: DVD (Pandastorm)

 

Inhalt

Mexiko 1926: Präsident Calles (Ruben Blades) geht daran, mit harter Hand die Errungenschaften von "la revolucion" politisch durchzusetzen. Und weil die katholische Kirche ja noch nie ein Hort des gesellschaftlichen Fortschritts war, soll es auch ihr nun ordentlich an den Kragen gehen. Glockengeläut, öffentliche Prozessionen, Priestertalare - alles das soll im postrevolutionären Mexiko endgültig der Vergangenheit angehören.
Der zunächst noch friedliche Widerstand gegen die antiklerikalen Gesetze wird landestypisch durch massiven Militäreinsatz und standrechtliche Erschießungen beantwortet. Sogar der um Ausgleich und Frieden bemühte Pater Christopher (Peter O’Toole) endet vor dem Exekutionskommando. So etwas macht los Mexicanos natürlich äußerst ungehalten, und so stehen die Zeiger mal wieder auf Revolution.
Im ganzen Land greifen nun die sogenannten „Cristeros“ zu den Waffen. Was diesen revolutionären Gotteskriegern aber fehlt, ist ein professioneller Feldherr. Daher wird der ehemalige Revolutionsgeneral Gorostieta (Andy Garcia) angeheuert, aus dem zusammenwürfelten Häufchen aus Peones, Pfaffen und Pistoleros eine halbwegs schlagkräftige Armee zu formen. Der hat zwar mit Religion nicht allzu viel am Sombrero, möchte sich aber nach Jahren des langweiligen Friedens die Chance auf ein militärisches Comeback nicht entgehen lassen. Die Freundschaft mit dem Priester Padre Vega (Santiago Cabrera), das spannungsgeladene Verhältnis zu dem Bandenchef El Catorce (Oscar Isaac) und die väterliche Beziehung zu dem Jungen Jose Sanchez (Mauricio Kuri) führen beim Atheisten Gorostieta allmählich zu einem Sinneswandel.

Zitate

„Viva Cristo Rey!“ (Schlachtruf der Cristeros)

Die Kritik des Aasgeiers:

Als Fan von Revolutionswestern freute sich der Aasgeier zunächst riesig, dass dieses Subgenre wieder Zuwachs bekommen hat. Doch leider überlebte die Vorfreude den Abspann nicht. Zwar gibt es handwerklich nicht viel zu meckern: Der Film kann ein Staraufgebot (Peter O’Toole, Andy Garcia, Eva Longoria, um nur einige zu nennen) aufwarten. Die großen Mimen machen ihre Sache ja auch ganz gut, und James Horner liefert durchaus auch einen passablen Soundtrack. Prinzipiell ist es ja auch toll, dass sich ein Film mal des Cristero-Aufstands (1926-1929) annimmt, ein außerhalb Mittelamerikas kaum bekanntes Stück mexikanischer Geschichte. Schließlich ist die 1910er-Revolution ja eh schon zur Genüge durchgekaut worden. Allerdings gibt es einige Punkte, die das Vergnügen mehr als bloß trüben - und die Wertung ordentlich nach unten schrauben. 
Der Film hält sich relativ genau an die historischen Ereignisse, was ja normalerweise eher für die Qualität eines Streifens spricht. Aber hier scheint es, als wollten die Macher mit aller Gewalt so viel Historie wie möglich in den Streifen reinstopfen, jeden Aspekt des Cristeroaufstands schildern und jede der handelnden Personen auftreten lassen. Viele verschiedene Handlungsstränge, Nebenplots, Nebencharaktere lassen immer wieder den roten Faden verlieren, bremsen das Tempo des Film ordentlich ein und sorgen für Längen. Weniger wäre hier echt mehr gewesen. Und der ständige Wechsel zwischen Wildwestschießereien und politisch/theologisch/philosophischen Dialogszenen wirkt stellenweise, als hätte man willkürlich Szenen eines Spaghettiwesterns und Spielfilmsequenzen einer Guido-Knopp-Doku aneinander geschnipselt - und das Machwerk noch mit der Tonspur eines Bibelfilms synchronisiert.
Denn erschwerend hinzu kommt die moralinsaure (pseudo-)christliche Botschaft, die der Film vermitteln möchte. Einerseits die Standhaftigkeit Jose Sanchez‘ im Glauben trotz Folter und Hinrichtung, andererseits die Bekehrungsgeschichte Gorostietas vom Atheisten zum gläubigen Katholiken, der am Ende (Achtung, Spoiler!) nach Beichte und Absolution mit dem Segen der Kirche in den Heldentod reiten darf. Da ist kein Platz für Ironie, kritische Zwischentöne oder schwarzen Humor, wie sie klassische Revolutionswestern wie Quien Sabe oder Mercenario ausmachten. Schade, was hätten ein Solima oder ein Corbucci aus diesem Stoff alles herausholen können!
Auch aus religiöser und politischer Sicht hinterlässt der Streifen einen sehr bitteren Nachgeschmack. Dass er sich klar auf die Seite der Aufständischen stellt, ist an sich ja nicht verkehrt, das tun Revolutionswestern eben.  Allerdings halte ich es für sehr bedenklich, ausgerechnet in Zeiten von ISIS und Al Kaida einen Film zu drehen, der Leute verherrlicht, die ihr Heimatland aus religiösen Gründen in einen Bürgerkrieg stürzten. Außerdem ist es äußerst befremdlich bis verstörend, wenn das Killen von Bürgerkriegsgegnern als Weg zum Glauben an Gott präsentiert wird.
Fazit: Hardcorefans des Zapata-Westerns und religiöse Fanatiker könnten an diesem Film möglicherweise sogar ihre Freude haben, beim restlichen Publikum wird der Streifen ein eher maues Gefühl zurücklassen.

Rating: $$+

Bodycount:

Es ist Mexiko, es ist Revolution, das treibt den Bodycount schnell in den dreistelligen Bereich.

Explizite Brutalitäten:

  • Jede Menge Folterungen und standrechtliche Hinrichtungen; aber sowas gehört im revolutionären Mexiko eh zum guten Ton (Zwinkern)
  • Die Regierungstruppen metzeln eine versammelte Kirchengemeinde während des Gottesdienstes nieder und nehmen dabei keine Rücksicht auf Frauen und Kinder.
  • Die Cristeros jagen einen Zug in die Luft, mitsamt der Passagiere.
  • Die Regierungstruppen nehmen nicht einmal davon Abstand, Kinder in Gefängnis zu stecken und aufzuhängen.
  •  Jose Sanchez wird, obwohl noch ein Kind, aufs brutalste gefoltert und hingerichtet.

Liebe:

Nicht mal auf die christliche Nächstenliebe ist hier Verlass; 0/10