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Grausamen, Die

Info

OT: 
I Crudeli
AT:

Los Despiadados (SP)

Jahr: I/SP 1967
R: Sergio Corbucci
B:
Alfredo Antonini (“Albert Band”), Ugo Liberatore, José Gutiérrez Maesso
K: Enzo Barboni
M: Ennio Morricone (“Leo Nichols”)
D: Joseph Cotten, Julian Mateos, Norma Bengell, Gino Pernice, Angel Aranda

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

Der Sezessionskrieg ist vorbei und es herrscht Frieden. Für alle? Nein: Ein kleiner Familienverband, bestehend aus Ex-Konföderierten-Colonel Jonas Morrison (Joseph Cotten) und seinen drei Söhnen Nat (Angel Aranda), Jeff (Gino Pernice) und Ben (Julian Mateos) spielt weiter Krieg. Und die Jungs pflegen keine halben Sachen zu machen. So auch beim Überfall auf einen Geldtransport der US-Army: Die Begleitmannschaft wird, obwohl recht kopfstark, komplett eingetütet; anschließend legen die Jungs ihre beiden Miet-Helferlein gleich mit um. Der Zaster wird in einen Sarg verfrachtet, um diesen getarnt als Überführung eines Gefallenen an den immer zahlreicher werdenden Häschern vorbei nach Mexiko zu schaffen.
Hier plant Morrison, eine neue Armee aus dem Boden zu stampfen, die dem untergegangenen Süden wieder zu altem Status verhilft. Um Patrouillen der Yankees und zivile Suchkommandos zu täuschen, haben die Morrisons einen gefälschten Passierschein im Handgepäck. Zudem wurde mit Kitty (Maria Martín) eine Dame engagiert, die die trauernde Witwe zu geben hat.
Aber die Dinge laufen alles andere als glatt: Kitty will mit dem Kies durchbrennen und wird vom neurotischen Jeff regelrecht geschlachtet. Nun muss Ersatz her, den der dafür zuständige Charmebolzen Ben in Gestalt der Zockerin Claire (Norma Bengell) im nächsten Saloon auftreibt. Nachdem diese mit Dollars und Androhung von Gewalt gefügig gemacht wurde, schlüpft sie in die Witwenrolle. Doch die Probleme der Morrisons reißen nicht ab. Da sind die Suchtrupps von Yankees und Sheriff (José Nieto) noch das geringste Übel, und auch Claire will es den gewalttätigen Nationalisten heimzahlen.

Zitate

Kitty: „Du siehst großartig in der Uniform aus, Liebling.“ – Jonas: „Es wäre besser, wenn du nicht soviel trinken würdest.“

Jonas: „Noch einen Schluck, und es war dein letzter, versoffenes Luder!“ (Da atmet dich wahre Wertschätzung an, siehe auch oben)

Jonas: „Hast du denn keine Achtung vor den Toten? Auch du musst die Toten ehren!“ – Tramp (Al Mulock): „Wo ich noch nicht mal Achtung habe vor den Lebenden?“ (Den guten Al interessiert der Morrison-Sarg als Transportbehälter für sein Diebesgut)

Ben: „Nat! Das kannst du nicht tun: Er ist dein Bruder!“ – Nat: „Was interessiert mich das? Mich interessiert nur das Geld, das im Sarg ist. Für eure dreckige Haut würde ich noch nicht mal einen Cent geben.“

Die Kritik des Gunslingers:

Corbucci beschreibt, wie Fanatismus und Starrsinn einer übermächtigen Vaterfigur zum endgültigen Zerfall der Familie führen. Damit fährt er in ähnlichem Fahrwasser wie "Die Trampler", bei denen wie hier auch Alfredo Antonini und Ugo Liberatore ihre Fingerchen im Spiel hatten. Während aber in ersterem Streifen vorher immerhin so etwas wie eine Familie existiert hat, so ist dies hier nicht der Fall: Das Wirken von Jonas hat schon eine kranke Gemeinschaft geschaffen, bevor es zum endgültigen Kollaps kommt. So sind Nat und Jeff völlig verkorkste Gestalten, denen es ausschließlich um den eigenen Vorteil geht, also das Benutzen von Frauen (Jeff) oder Kohle (Nat). Etwas außerhalb steht der junge Ben, ohnehin „nur“ Halbbruder, der sich Gewissen und eine gewisse Renitenz gegenüber dem Vater bewahrt hat, wenngleich er zu schwach ist, beides durchzusetzen.
Im Gegensatz zu den „Tramplern“ spielt hier wie im gesamten Genre auch Geld eine zentrale Rolle: Schön etwa die ironischen Aspekte, wenn etwa dem Zaster zu Ehren ein Gedenkgottesdienst abgehalten wird und dieser schlussendlich sogar in den Genuss eines militärischen Begräbnisses kommt, auch wenn beides natürlich eigentlich dem gefallenen Soldaten gilt.
Atmosphärisch hat sich Corbucci hier wieder kräftig dem US-Western angenähert, nachdem er ja mit „Django“ im Jahr zuvor eine stilprägende optische SW-Marke gesetzt hat. Dank der routinierten Kamera von Enzo Barboni, des sehr dezenten, aber mit einem schönen Trompetenthema und den obligatorischen Chören aufwartenden Morricone-Scores sowie einigen handelsüblichen Brutalitäten bleibt der Italowestern-Kontext jedoch auch hier immer gewahrt. Schauspielerisch gibt’s nichts zu mäkeln: Joseph Cotten zieht noch einmal seinen „Patriarchen mit rauer Schale und bretthartem Kern“ aus dem Stetson, und auch Pernice, Aranda und Mateos liefern differenzierte Darstellungen ab.

Rating: $$$$

Bodycount:

ca. 45 Gringos, 15 Mexikaner, 1e Frau

Explizite Brutalitäten:

  • Die Morrisons und ihre beiden Komplizen killen die gesamte Begleitmannschaft des Geldtransports mit offensichtlichem Spaß am Töten. Anschließend werden noch die Verwundeten und Kapitulationswilligen erledigt
  • Jeff würgt Kitty aufs Heftigste, bevor er ihr final ein Bajonett ins Gekröse rammt
  • Nat legt einen ahnungslosen, blinden Vet (Julio Peña) um, der dank alter Fotografien ihren Schwindel auffliegen lassen könnte

Liebe:

Kitty versucht’s wiederholt bei Jonas, doch der lässt sie brutal abblitzen
Claire steht trotz allem auf Ben
Alles in allem: mit viel Wohlwollen 2/10

Splatter:

2/10

 

 

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