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Info

OT: 
Heaven's Gate

AT:
Heaven's Gate – Das Tor zum Himmel


Jahr: USA 1980
R, B:
Michael Cimino
K: Vilmos Zsigmond
M: David Mansfield
D: Kris Kristofferson, Isabell Huppert, Christopher Walken, Sam Waterston, Jeff Bridges

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

James Averill (Kris Kristofferson) ist Bezirksmarshall in Wyoming und muss mit ansehen, wie gerade ein Rieseneimer Scheiße aufzukochen beginnt. Im gesamten County treffen immer mehr bitterarme Einwanderer aus Osteuropa ein, die sich hier eine bessere Zukunft erhoffen. Da ist der Konflikt mit den ansässigen, mächtigen Rinderbaronen vorprogrammiert, zumal die Neuankömmlinge sich hin und wieder „schwarz“ bei den Viehherden bedienen.
Averill bleibt eher in der Beobachterposition, während Wyomings Rinderzüchtervereinigung vor Ort auf harte Abschreckung setzt, die ein paar Mietschläger vollstrecken. Doch Frank Canton (Sam Waterston), Chef der Kuhbauern, will endlich finale Ergebnisse, und zwar presto. Also lässt er eine Todesliste mit 125 Namen erstellen und etliche Revolverschwinger aus Texas anheuern, um die Liste abzuarbeiten: Für jeden verbrieften Kill gibt’s 50 Piepen plus fünf Dollar Spesen am Tag.
Averill kriegt die Liste in die Finger und warnt die Siedler, hat aber ansonsten private Probleme: Sein Gspusi, die Bordellchefin Ellen Watson (Isabell Huppert), hat sich nämlich seinem alten Spezl Nate Champion (Christopher Walken) zugewandt, der als Scherge für die Viehzüchter arbeitet. So verspürt er wenig Lust, angesichts der aufziehenden Kalamitäten die Rübe hinzuhalten und kündigt. Zumal die Viehzüchter die offizielle Rückendeckung des Gouverneurs haben.
Doch als dann der Zug mit den texanischen Söldnern eintrifft, heißt es auch für Averill, dabei zu sein beim großen Showdown. Außerdem steht Ellas Namen ebenfalls auf Cantons Todesliste.

Zitate

Irvine: „Denkst du noch manchmal an die unbeschwerten alten Tage?“ - James: „Umso öfter, je länger sie zurückliegen.“

Irvine (John Hurt): „Letztes Jahr um die Zeit war ich in Paris.“ (betrunken und belagert (Zwinkern))

Die Kritik des Gunslingers:

Gleich eingangs vorausgeschickt: Auch der von mir gesichtete „Director's Cut“ verlangt ordentlich Sitzfleisch, obwohl er mit einer Laufzeit von etwa dreieinhalb Stunden lockere zwei Stündchen kürzer ist als die Urfassung des Streifens. Der Film floppte 1980 gnadenlos: Die bei einem Budget von rund 440 Millionen Dollar eingespielten 3,5 Millionen bescheren dem Werk einen Spitzenplatz unter den größten Pleiten der Filmgeschichte. Für Cimino bedeutete das nicht nur die „Goldene Himbeere“ als schlechtester Regisseur, sondern auch fast das Ende der Karriere. Das produzierende Studio „United Artists“ wurde an MGM verkauft.
Meiner Meinung nach ist der Film ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man schon während der Dreharbeiten komplett den Überblick verlieren kann. Ein anderer prominenter Vertreter dürfte „Apocalypse now“ sein. Doch während bei letzterem wohl eher der ungezügelte Konsum von Erfrischungen ursächlich war, dürfte es bei ersterem die außer Kontrolle geratene Detailverliebtheit gewesen sein .
Der Streifen hat sich das Prädikat „opulent“ redlich verdient: ein wahrer Overkill an Ausstattung und Statisterie. Gleichzeitig zerdehnt er einzelne Szenen, die maximal atmosphärische Bedeutung haben, ins kaum Erträgliche. So dauert der Auftakt zu einer großen Feier der Siedler in Johns (Jeff Bridges) titelgebender Rollschuhhalle „Heaven’s Gate“ fast gnadenlose zehn Minuten. Zehn Minuten, in denen nicht viel mehr passiert, als dass ein rollschuhlaufender Geigenspieler vor der klatschenden Menge seine Dönekes abzieht. Und auch die Abschlussfeier von Averill und Irvine in Harvard, rund 20 Jahren vor den Ereignissen, ist bombastisch geraten, spielt für den weiteren Verlauf des Streifens aber so gut wie keine Rolle. Andererseits sorgen Szenen wie diese für die schwelgerische Atmo des Films, die letztlich fast sowas wie ein detailliertes, ungeschöntes Sittenbild des Westens im ausgehenden 19. Jahrhundert erstehen lässt.
Vorbild für den hier geschilderten Konflikt war der in den USA berühmte Weidekrieg von Johnson County, in dem sich Rancher und kleine Bauern bis 1892 eine blutige Fehde lieferten. Dieser verlief allerdings anders, als hier geschildert. Mit der Auswandererthematik hat Cimino einen zusätzlichen Schlenker eingebracht und auf einen von Beginn an verankerten Widerspruch in der Geschichte der USA verwiesen: Schmelztiegel auf der einen Seite, extreme Abschottungstendenzen auf der anderen. Historisch belegt sind auch die vier Hauptcharaktere, wenngleich sie für den Film auf links gedreht wurden. Willem Dafoe hatte hier übrigens seine erste kleine Filmrolle, wurde allerdings von Cimino noch während der Dreharbeiten gefeuert. Dennoch wurde sein Part als Hahnenkämpfer nicht herausgeschnitten.

Rating: $$$$+

Bodycount:

unzählbar

Explizite Brutalitäten:

  • Nate Champion erschießt einen des Viehdiebstahls verdächtigten, unbewaffneten Siedler
  • diverse Misshandlungen von Auswanderern durch die Schläger der Viehzüchter
  • Die Texaner legen Averills Kumpel Cully (Richard Masur) aus Daffke stückweise um
  • Canton exekutiert eigenhändig einen gefesselten Siedler
  • Nate Champion wird im wahrsten Sinne mit Blei vollgepumpt, nachdem er die Seiten gewechselt hat

Liebe:

Ellen steht zwischen James und Nate: 4/10

Splatter:

4/10