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Info

OT: 
Lawman

Jahr: USA 1971
R: Michael Winner
B: Gerald Wilson
K: Robert Paynter
M: Jerry Fielding
D: Burt Lancaster, Robert Ryan, Lee J. Cobb, Richard Jordan

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

Nach einem ordentlichen Viehtrail geht’s auch erstmal ordentlich zur Sache: So lautet eine ungeschriebene Regel des Westens, und genau so halten’s die Jungs des Rinderzüchters Vince Bronson (Lee J. Cobb). Bei der trunkenen Bambule im Weiler Bannock erwischt es aber unbemerkt einen Unbeteiligten, den ein Querschläger niederstreckt.
Drei Monate später, Bronsons Truppe denkt schon gar nicht mehr an die Ereignisse, wird bei Cotton Ryan (Robert Ryan), Marshall ihrer Heimatgemeinde Sabbath, Bannocks Marshall Jared Maddox (Burt Lancaster) vorstellig. Maddox hat nicht nur schon mal einen Toten im Handgepäck, einen der Beteiligten an der fatalen Randale, sondern auch eine Liste mit dem Rest der Jungs. Die will er sich holen, lebendig oder notfalls halt tot. Er räumt den Gesuchten einen Tag ein, sich freiwillig zu stellen.
Sämtliche Versuche, sowohl Bronsons als auch von Maddox‘ Ex, Laura (Sheree North), die inzwischen mit einem der Sünder zusammen lebt, die Geschichte gütlich zu regeln, prallen am Lawman ab. Gesetz ist nun mal Gesetz, und wat mutt, dat mutt. Und auch der geballte Hass der Bevölkerung Sabbaths, die am Tropf Bronsons hängt, kann Maddox kein Jota von seinem einmal gefassten Vorhaben abbringen. So nehmen die Dinge also ihren vorgegebenen Lauf.

Zitate

Maddox: „Sie sind hier fürs Gesetz zuständig?“ – Ryan: „Ich bin für gar nichts zuständig. Ich sitze hier, weil Bronson sagt ‚Sitz‘.“ – „Aber Botendienste machen Sie doch?“

Bronson: „Ich mag keine Leute um mich, die sich vor Angst in die Hose scheißen.“

Ryan: „Überall, wo Maddox war, gibt’s Gräber von Männern, die schneller waren als er.“

Bronson: „Ein Mann hat einen Standpunkt zu haben.“


Maddox: „Man darf nicht gegen die Regeln verstoßen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Als Brite war Michael Winner sicher vertraut mit dem einen oder anderen Italowestern, die ein paar Jahre zuvor für eine kräftige Genrebelebung gesorgt hatten. Daher ist es wohl kein Zufall, dass einige der Elemente auch Eingang fanden in sein Hollywooddebüt, einem im Endergebnis feinen Spätwestern. Das wären etwa das recht explizite Gunplay, teilweise die Kameraarbeit oder auch Fiesimatenten, wie Fliehenden einfach in den Rücken zu schießen.
Der Streifen spielt 1887, also zu einer Zeit, in der sich der „Wilde Westen“ zunehmend von seiner zahmeren Seite zeigt. Banknote und Diplomatie ersetzen immer mehr den Peacemaker in der schwieligen Faust. Für die heraufdämmernde neue Zeit steht Viehbaron Bronson. Einst selbst mit der Knarre in der Hand unterwegs, um sein Imperium aufzubauen, hat er erkannt, dass der exzessive Gebrauch von Blei nicht mehr weiterbringt: Alle seine Brüder liegen inzwischen auf dem Boot’s Hill, die Zeit der Gunmen geht zu Ende. Demzufolge versucht er ganz nüchtern, das Problem Maddox mit einer Entschuldigung und Zaster zu lösen. Das ist durchaus glaubwürdig, denn erstens ist Bronson eine redliche Haut. Zweitens erfahren sämtliche Beteiligten erst bei Eintreffen des Marshalls von dem unheilvollen Kollateralschaden in jener Nacht.
Maddox hingegen ist wie eine Maschine, ein kompromissloser Repräsentant von „Law & Order“: Einmal in Marsch gesetzt, lässt er sich durch nichts aufhalten. Burt Lancaster spielt den Marshall als Loner, den die sich ändernden Zeiten nullo interessieren. Er exekutiert leidenschaftslos Regeln, deren Sinn oder Unsinn er nicht in Frage stellt. Ihm ist es beispielsweise herzlich wurscht, dass es sich bei fraglichem Vorfall offensichtlich um einen tragischen Unglücksfall gehandelt hatte. Dass die Beschuldigten einfache Cowboys sind und keine Killer, dass noch nicht einmal klar ist, wer für den Tod des Unglücksraben verantwortlich ist. Ohne zu zögern legt er jeden um, der sich nicht widerstandslos in Eisen legen lässt, peinlich darauf bedacht, niemals zuerst zu ziehen.
Er zieht seinen Job völlig emotionslos durch, hat in seiner streng korrekten Neutralität was Schicksalhaftes: Dadurch lässt er sich zwar nicht zu Brutalitäten hinreißen, auf der anderen Seite treffen sämtliche Appelle an Mitgefühl oder Vernunft auf Granit. Na ganz so stimmt’s dann auch wieder nicht: Gewalttätige Emotionen brechen bei ihm aus, als er beispielsweise den unbegründeten Verdacht hegt, der Cowboy Crowe (Richard Jordan) habe ihn in einen Hinterhalt locken wollen. Obwohl der seine Unschuld beteuert, kriegt er den Gewehrkolben in die Zähne. Einen seiner Listenkandidaten, der stiften gehen will, streckt Maddox nach einer überflüssigen Schießerei mit einem Schuss zwischen die Schulterblätter nieder. Dabei hatte er schon angekündigt, die Sache jetzt auf sich beruhen lassen zu wollen. Am Ende kennt Maddox‘ stures Beharren auf dem Gesetz nur Verlierer.
Feine Rolle auch für Western-Urgestein Robert Ryan, der den Marshall von Sabbath gibt. Der ist eine gebrochene Gestalt: Einst ein bekannter Gunman, haben ihm die Jahre und sein zunehmendes Nervenflattern zugesetzt. Inzwischen fristet er sein Dasein als verachteter „Gesetzeshüter“ von Bronsons Gnaden und hat sich selbst aufgegeben. So kann er weder Maddox noch Bronson auf Augenhöhe begegnen oder beispielsweise eine Vermittlerrolle übernehmen. Hin und wieder allerdings blitzt sein altes Ich nochmal durch, als er zum Beispiel den besoffenen Dekker (Ralph Waite) recht spektakulär verhaftet, der Maddox aus dem Hinterhalt umnieten wollte.

Rating: $$$$

Bodycount:

5 Gringos

Explizite Brutalitäten:

  • Maddox zieht Crowe mit dem Gewehrkolben eine fiese Scharte, obwohl der seine Unschuld beteuert
  • Dem fliehenden Hurd (J. D. Cannon) platziert Maddox ein Bleipflanzerl zwischen den Schulterblättern

Liebe:

Zwischen Laura und Maddox läuft noch Einiges: Der knallharte Marshall denkt sogar ans Aufhören: 2/10

Splatter:

Hier dürfen Schusswunden noch Schusswunden sein: 3/10