Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Lucky Johnny - Der Fluch der Klapperschlange

Ausschnitt

Info

OT: 
Lucky Johnny
AT:

Arde, Baby, arde (MEX)
Il Serpente a Sonagli (I)
Dead Aim (Int.) 

Jahr: MEX/I 1973
R: José Antonio Bolaños
B: Pedro Miret, Tony Monaco
K: Alex Philips
M: Luchi de Jesus
D: Glen Lee, James Westerfield, Venetia Venello, Evaristo Márquez

Quelle: VHS (Toppic)

 

Inhalt

Als Deeks (Carlos East) Perle Sarah (Barbara Angely) mitsamt kleinem Sohn sowie Lover Sonny (Sonny Vandeusen) das Weite sucht, macht sich der Gehörnte an die Verfolgung. Mit fatalem Ausgang: Deek und Sonny sterben bleihalber, während Sarah in der Wüste die Dörrpflaume gibt. Einzig der Kleine überlebt, indem ihn zufällig der reisende Totengräber John Applebee (James Westerfield) aufliest, der ihn der Einfachheit halber ebenfalls John nennt.
Zum Manne gereift, bereist Johnny (Glen Lee) mit seinem Ziehvater immer noch die Wüste und greift ihm beim Tagesgeschäft kräftig unter die Arme. Wenn trotz des Bürgerkriegs in der entvölkerten Umgebung die Leichen knapp werden, sorgt Johnny, ein Psycho vor dem Herrn, mit seinem flinken Colt für Nachschub.
Beide träumen von höherem: einem eigenen Beerdigungsinstitut im Norden. Während Applebee dieses auf legalem Wege erreichen will und auf eine Glückssträhne hofft, will Johnny lieber auf die Schnelle eine Bank klarmachen. Aber dann scheint ihnen das Glück tatsächlich hold zu sein: Als sie eines nachts in der Provinzhauptstadt ankommen, um dem dortigen Puff einen Entspannungsbesuch abzustatten, hatten die Yankees eine ähnliche Idee und brennen den Weiler gerade nieder. Nachdem Johnny bei einem seiner üblichen Gewaltanfälle im Getümmel einen Mann aufgeschlitzt hat, finden sie bei diesem ein erklecklich Sümmlein Gold.
Die Zeichen stehen also gut, dem elenden Dasein Adios zu sagen, aber unglücklicherweise hat sich Johnny inzwischen unsterblich in Maria (Venetia Venello) verliebt, die er allerdings nur aus der Ferne und von einer Steckbriefzeichnung „kennt“. Ex-Hure Maria und ihr Liebhaber Jack (Virgil Frye) versuchen nämlich - in letzter Zeit zunehmend erfolglos - Banken auszunehmen, die aufgrund des Bürgerkrieges aber kaum noch Einlagen besitzen. Und die unerreichbare Maria ist es, die Johnnies Träume immer stärker in Beschlag nimmt.

Zitate

Applebee: „Bevor wir losgehen, werden wir erstmal deine Mutter begraben. So, wie sich das gehört.“ (Applebee liest den kleinen Johnny in der Wüste auf)

Maria: „Woher kommst du eigentlich?“ – Lucius (Evaristo Márquez): „Ich komme aus einem Krieg zwischen Hurensöhnen und Hurensöhnen. Wir Schwarzen sind nicht einmal für den Krieg gut genug. Darum bin ich desertiert.“

Applebee: „Was wir hier haben, ist ein Berg, ein Berg aus Gold. Wie sollen wir die bloß alle auf unserem Wagen unterkriegen. Das bedeutet viele, viele Fahrten. Ist das nicht wundervoll?“ (Die Totengräber stoßen auf die körperlichen Hinterlassenschaften eines Massakers)

Applebee: „Zu dumm, dass er jetzt nicht mehr die Empfangsbestätigung für seine eigene Leiche unterschreiben kann.“ (Johnny hat gerade die letzten Regierungsvertreter Blei fressen lassen)

Die Kritik des Gunslingers:

Sehr ungewöhnlicher und hierzulande recht unbekannter Streifen, der unter mexikanischer Federführung ebendort entstand. Phasenweise wirkt der Film aufgrund seines weitgehend meditativen Spätwestern-Roadmovie-Charakters und der äußerst lockeren Plot-Führung, als hätte das Team bei den Dreharbeiten kräftig den landestypischen fungiformen Erfrischungen zugesprochen. Nicht schlecht, also.
Streng genommen sind’s drei Handlungsstränge, die hier erzählt werden und die erst ganz am Ende doch irgendwie zusammenlaufen: die Totengräber-Geschichte, der Strang um Jack und Maria sowie schließlich ein kurzer Exkurs zum schwarzen Yankee-Deserteur Lucius. Das kann über weite Strecken irritierend sein, weil nicht klar wird, auf was die Geschichte überhaupt hinauslaufen soll. Hat man derartige Sinn-Hinterfragungen hinter sich gebracht oder diese hinreichend erfrischt gar nicht erst anstellen brauchen, zeigt sich der eigentliche Kern des Streifens: Atmosphäre, liebe Freunde.
Ort des Geschehens ist ausschließlich die Wüste: Die Ortschaften sind verwahrlost und menschenarm, die Menschen selbst völlig von der Rolle: moralisch verludert und respektlos. Materieller Besitz ist das einzige was zählt, und da dieser nicht mehr vorhanden oder zu erlangen ist, zählt gar nichts mehr. Die beiden Totengräber beerdigen auf Kredit, genauer gesagt auf Zahlscheine einer Autorität, die es nicht gibt. Für sie sind Menschen erst dann etwas wert, wenn sie in den Wüstensand gebissen haben. Johnny selbst verspürt dank seines frühkindlichen Traumas immer wieder den Drang zu töten, dem er ausnahmslos und ohne Gefühlsregung nachgibt. Obskure Regierungsvertreter – Soldaten – sind kurz davor, Maria zu vergewaltigen, die sie eigentlich nur als Zeugin befragen sollen, und können nur durch ihre Flinte davon abgehalten werden; andere - ein Commissioner (Jorge Russek) - beteiligen sich auf eigene Kappe an der rohen Jagd auf „Nigger“ und "Gesetzlose". Tolle Endzeitstimmung ohne Hoffnung auf Besserung, und letztlich erweist sich auch der Titel des Streifens als Euphemismus.
Der Score ist ebenfalls recht bizarr: Mit seinen Wah-Wah-Effekten, Streichern und Bläsern oder Pianopassagen hat er mich eher an einen 70er-Jahre-Krimi erinnert, denn an einen Western. Ich denke, man wird den Film hassen oder lieben, was ihn in eine Reihe stellt mit funkelnden Werken wie „Willkommen in der Hölle“. Von mir gibt’s selbstredend: Daumen hoch!

Rating: $$$$+

Bodycount:

ca. 16, 2 Frauen

Explizite Brutalitäten:

Der Commissioner und sein Gehilfe (Tony Monaco) genießen das Schauspiel, als sich Lucius und ein weißer Mitgefangener (Billy Joe Rouck) im Gefängniswagen ein Duell auf Leben und Tod liefern.

Liebe:

Johnny himmelt Maria an, aber die Beiden begegnen sich nicht wirklich: 0/10

Splatter:

4/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien