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Schneller als 1000 Colts

Info

OT: 
Thompson 1880

Jahr: I/SP 1966
R: Guido Zurli
B: Jesus Balacazar, Lorenzo Gicca Palli („Enzo Gicca“)
K: Victor Monreal (Franco Villa, nur als 2nd-Unit-Director kreditiert)
M: Marcello Gigante
D: Francisco Martinez Celeiro („George Martin“), Gia Sandri, Pasquale Basile („Pat Basil“), José Bódalo

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Der eigentlich beschauliche Weiler Desert Springs könnte auch ein solcher sein, wenn es ebendort nicht den ausgebufften Geschäftsmann Brady (Paul Müller) gäbe. Mithilfe seiner rechten Hand Lucky (Pasquale Basile) und einem Trupp handverlesener Schläger schneidet er die Konkurrenz vom Warennachschub ab, indem er sämtliche Lieferungen mit einem wenig Druck selbst aufkauft. Das schönste: Da das Ganze auf Treiben Bradys gewaltfrei und eigentlich legal abläuft, kann der Tunichtgut unbehelligt seinen Geschäften nachgehen und als Monopolist die Preise bestimmen. Da zudem nahezu sämtliche Mörder und Strauchdiebe als Gangmitglieder unter Kontrolle Bradys stehen, entspricht auch die Kriminalitätsrate der eines Musterstädtles.
Dann reitet ein so abgerissener wie abgebrannter Fremder („George Martin“) auf einem Muli in Desert Springs ein. Ray, wie er sich nennt, ist Waffenspezialist, der allerdings selbst weder bewaffnet ist noch schießen kann. Recht flott gerät er ob der herrschenden Wucherpreise in Konflikt mit den Bradys und heuert als Warenfahrer bei den O'Connors an, die einen Kramladen betreiben. Besonders Töchterchen Sheila (Gia Sandri) legt's immer wieder darauf an, Brady zu reizen und ist froh über den wenn auch schussschwachen Verbündeten. Als die ersten Lieferungen unbehelligt bei O'Connor eintreffen und damit das Wirtschaftsleben wieder aufflackert, verabschiedet sich Brady von seinem Dogma der Gewaltlosigkeit und will den nervenden Fremden mit allen Mitteln loswerden.

Zitate

„Wenn man laufend Wolle haben will, dann soll man sich eine Schafherde halten und die Tiere regelmäßig scheren, aber doch nicht lebend abhäuten.“ (Bradys Geschäftscredo)

„Von euch kann ja niemand eine Hypothenuse von einem Eselsarsch unterscheiden." (Lennox (José Bódalo) gibt eine Billard-Lektion)

Die Kritik des Gunslingers:

Guido Zurlis zweite Regiearbeit ist vom Setting her noch eine eher amerikanisch inspirierte Angelegenheit, in der die Seiten klar abgesteckt und die Charaktere entsprechend zugeordnet sind. Trotzdem enthält er einen gute Portion Italo, etwa in der sehr schön ausgearbeiteten Anfangssequenz: Ein Fremder beschwert sich im Saloon über die unverschämten Bierpreise und weigert sich zu zahlen. Geschäftsführer Lucky bietet ihm äußerst höflich eine gewaltfreie Lösung an und schickt ihn zum Sheriff. Kaum hat er den Saloon verlasse, ballert ihm die Brady-Truppe ein paar Unzen Blei zwischen die Schulterblätter. Während der schon im Hintergrund wartende Totengräber heranstürzt, schwenkt die Kamera auf das Ortsschild „Welcome to Desert Springs“, und der Vorspann läuft.
Obwohl eine italienisch-spanische Koproduktion, wurde vor den Toren Roms gedreht, was man in einigen Teilen auch merkt. Allerdings muss man zugute halten, dass die Kameraarbeit des bewährten Teams Franco Villa / Aristide Massaccesi den Streifen atmosphärisch dennoch überwiegend gut aussehen lässt. Dazu bieten sie gerade in den Schlägereien ein paar schöne Shots an. Zwar ist Villa nicht explizit für die Kamera kreditiert, war aber dennoch verantwortlicher Bildgestalter: Der Spanier Monreal stand nur aus produktionstechnischen Gründen im Vorspann, war aber de facto noch nicht mal am Set anwesend. Als Berater in Sachen Atmo befindet sich übrigens auch Demofilo Fidani auf der Payroll.
Von der Handlung her ist der Streifen ungewöhnlich und hat wenig mit den üblichen Rache-/Dollar-Stories des Genres zu tun, was ihn per se schon mal heraushebt aus der Masse. Zwar enthält er eine Reihe von Szenen oder Figuren, die man komödiantisch nennen könnte, wie etwa die Gerichtsverhandlung am Billard-Tisch oder den Klassiker rezitierenden, versoffenen Richter Lennox. Doch relativiert sich das im Kontext, so dass sich das Lachen zumeist erübrigt: Es geht vor allem um Demütigung und Erniedrigung. Schauspielerisch ist der Streifen überdurchschnittlich. José Bodalo gibt eine großartige Performance als gefallener, tragisch-komischer Richter, den einst ein Fehlurteil aus der Bahn warf; Gordon Mitchell absolviert einen schönen Kurzauftritt als Gunslinger mit verkrüppelten Händen, und auch „Georg Martin“ kommt gut als schlagkräftiger und geschickter Waffenbastler. Im Hintergrund tummelt sich zudem ein Grundstock an soliden Darstellern: von Osiride Pevarello bis zu Ignazio Spalla.
Der Score ist zwar nicht umwerfend, aber hörenswert dank exzessiven Trompeteneinsatzes ;-). Und: Regisseur Zurli erhebt für sich den Anspruch, die Gatling hier in den Italowestern eingeführt zu haben.

Rating: $$$+

Bodycount:

ca. 21

Explizite Brutalitäten:

  • Ein Gast will den überhöhten Bierpreis im Saloon nicht zahlen und wird letztlich wegen eines Dollars umgelegt
  • Ray holt sich ob seines Taschenigels ebenfalls eine gepfefferte Abreibung durch Bradys Leute
  • Richter Lennox kriegt Hiebe, als er nicht gemäß Bradys Vorstellungen urteilt
  • Nach Rays Flucht aus dem Bau muss dies der alte O'Connor ausbaden

Liebe:

Nada

Splatter

1/10

Spezialitäten

  • Ray kann zwar nicht schießen, ist aber ein versierter Waffenbastler. So fertigt er beispielsweise für den gehandicappten Sheppherd (Gordon Mitchell) eine behindertengerechte Kanone
  • Zermörserte Kaliumchlorat-Halstabletten plus Zucker ergeben eine funktionsfähiges Knallpulver
  • Eine Mini-Gatling sorgt am Ende für die Entscheidung

 

 

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