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Schrecken von Kung-Fu, Der


Info

OT: 
Lo Straniero di Silenzio

AT:
Der Fremde und der Samurai
The Silent Stranger (Int.)

Jahr: I 1968
R: Luigi Vanzi (aka "Vance Lewis")
B: Tony Anthony, Vincenzo Cerami, Giancarlo Ferrando
K: Mario Capriotti
M: Stelvio Cipriani
D: Tony Anthony, Lloyd Battista, Kenji Ohara, Rita Mura, Kyôichi Satô, Raf Baldassare

Quelle: DVD (Voulez Vous)

 

Inhalt

Klondike, 1884: Zufällig stolpert ein namenloser Gunslinger (Tony Anthony) in eine Schießerei zwischen einem Japaner und drei Strauchdieben. Er kann die Angreifer zwar überwältigen, aber der Asiate wurde schon tödlich getroffen. Mit dem letzten Lufthauch kann er dem Revolverschwinger noch ein japanisch beschriebenes Schriftröllchen in die Hand drücken, das, wenn er es in Osaka einem Typen namens Mutori übergibt, ein Sümmchen von 20.000 $ wert sein soll.
Für den ordentlichen Batzen Zaster nimmt der Namenlose auch eine Schiffahrt über den Pazifik in Kauf und lässt sich samt seines Gauls "Posey" nach Nippon einschiffen. Kaum angekommen, kleben ihm schon diverse Dunkelmänner an der Backe, die ihm das kleine Dokument abnehmen möchten. Dank seines Peacemakers herrscht jedoch schnell Tabularasa, von den überwältigten Verfolgern lässt er sich nach Osaka führen.
Dort angekommen klaren die Verhältnisse langsam auf: Die herrschenden Familien von Mutori und dessen Bruder Kuweita liegen seit Jahren im Clinch. Ein brüchiger Frieden wird nur durch die junge Prinzessin Otaka garantiert, die unter der Vormundschaft von Mutori steht. Der Gunslinger gibt die Schriftrolle wie aufgetragen bei Mutori ab und erhält dafür seinen Lohn in japanischer Währung ausbezahlt. Dazu noch einen lukrativen Folgeauftrag: Wenn er Kuweitu tötet, winkt ihm nochmal dieselbe Summe.
Doch schnell stellt sich heraus, dass Mutori ihn mit Kleingeld beschissen hat. Um den Auslandstrip dennoch finanziell erfolgreich zu gestalten, versucht er nun die Familien gegeneinander auszuspielen, um bei Beiden zu kassieren...

Zitate

Bonmots des Strangers:

"Wir haben das gleiche Problem: Wir versuchen schnell an viel Geld zu kommen." (Eine der Italowestern-Quintessenzen)

"Zwei Dingen kann man nicht entkommen: dem Tod und den Steuern." (Ein Lichtlein, das auch Uli Hoeneß aufging)

"Wenn's um die Moneten geht, isses hier wie bei uns drüben." (Die völkerverbindende Kraft des Geldes)

Die Kritik des Sargnagels:

Hossa! - aller guten Dinge sind überraschenderweise doch mal drei. Hier haben wir es in der Tat mit einem cineastischen Kuriosum zu tun. Waren schon "Ein Dollar zwischen den Zähnen" und "Western Jack" mehr oder minder inoffizielle Remakes von Leones "Für eine Handvoll Dollar", welcher ja zu allem Überfluss auch noch auf Kurosawas "Yojimbo" basiert, schaffte es das Gespann Luigi Vanzi und Tony Anthony endlich, mit ihrer dritten (Italowesternweit gesehen x-sten) Verwurstung der damals schon altbackenen Story in die richtige Kerbe zu schlagen. Der Kunstgriff, die Handlung wieder in das Mutterland der ursprünglichen Geschichte zu transferieren, erweist sich nämlich als Volltreffer. Nebenher entstand dabei sogar noch der erste Italo-Eastern-Western-Crossover, und IMO gleich einer der besten überhaupt.
Woran lag's? Da kann man nur spekulieren. Offensichtlich ist zumindest, dass sich Tony Anthony immer mehr in die Trilogie miteinbrachte. War er im ersten Teil nur Hauptdarsteller, fuhrwerkte er beim zweiten schon am Drehbuch mit herum, und beim Dritten stieg er zudem auch noch in die Produktion ein.
Darstellerisch zeigt sich der Gutste allerdings wie üblich auf Normal-Niveau; als Schauspieler etwas beschränkt, als Action-Darsteller jedoch agil wie Ilja Rogoff. Sein Spezi Lloyd Battista gibt seinen ersten charismatischen Auftritt in einem Italowestern, auch der Rest des Casts - überwiegend japanische Darsteller, die ich nicht kenne und leider nicht ihren Rollen zuordnen kann - weiß vortrefflich zu gefallen und fällt um einiges positiver auf, als viele der gecasteten Chinesen aus den späteren Italowestern-Crossovers mit Hongkong. 
Und das witzigerweise ohne ein Wort von ihnen zu verstehen. Die japanischen Dialoge wurden weder gedubbt noch untertitelt, der Zuschauer bleibt dabei genauso ahnungslos wie der Stranger selbst. Damit dieser in der Story dennoch etwas vorankommt, hat man ihm pro Familie einen englisch (respektive deutsch) sprechenden Gesprächspartner eingebaut. Die Funktion nimmt für die Mutoris die kleine Prinzessin Otaka ein, bei den Kuweitas sorgt Lloyd Battista als dessen rechte Hand, genannt der "Amerikaner", für inhaltliche Stütze und Gesprächsmöglichkeiten. Ansonsten ist der Streifen eh recht dialogarm und wird, wenn's nicht anders geht, von des Strangers Stimme aus dem Off mitgetragen.
Im Gegensatz zu den Vorgängern, die als herkömmliche Italowestern umgesetzt wurden und schon deshalb wie Kopien von Leone-Werken wirken, entfaltet das Japan-Setting einen eigenen Reiz und sorgt dabei auch für Spannungsmomente. Der Stranger ist dort wirklich ein Fremder, der weder die Sprache spricht noch sonstige Verhaltenscodes der Einheimischen drauf hat, was für ihn und den Zuschauer immer wieder für Überraschungen sorgt und weitaus ernsthafter wirkt, als später z.B. bei den albernen "Kung-Fu-Wemser mischt den wilden Westen auf"-Produktionen "In meiner Wut wieg ich vier Zentner" oder "Fäuste, Bohnen und Karate".
Freunden der Martial Arts werden knackige, aber nicht allzu ausgedehnte Schwertkampfszenen serviert; der Stranger setzt seinen Peacemaker dezent, die modifizierte Donnerbüchse umso exzessiver ein. Da stimmt der Mix aus fernöstlichem Kampfsport, westlichem Gunplay und weltüberspannender Klopperei; die Action kommt immer zum passenden Zeitpunkt uns sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Alles sauber, wenn auch nicht gerade experimentell inszeniert.
Stelvio Cipirianis jazziger Score wirkt anfangs noch ziemlich deplaziert - das hätte zu einem Eurospy eher gepasst - entwickelt sich aber mit der Spielzeit mit dunkler werdender Notation immer besser zur Story. Grade nochmal die Kurve gekriegt ;-)
Nicht missverstehen: in die Regionen eines Leone oder Corbucci sind Vanzi/Anthony mit dem Streifen nicht aufgestiegen, aber die kontinuierliche Steigerung gegenüber den Vorgängern ist anzumerken. Trotz der abgeschmackten Story ist hier wirklich mal Eigenständigkeit bei der Umsetzung zu spüren, was sich Anthony für seine folgenden Kollaborationen mit Ferdinando Baldi wohl im Hinterkopp behielt.
Btw: Hier haben wir es mal mit einem der ganz seltenen Fälle zu tun, bei dem ein späterer Verleihtitel ("Der Fremde und der Samurai") passender ist als der deutsche Kino-Titel. Denn mit Kung-Fu habenses in Japan nicht so (wink)

Rating: $$$$

Bodycount:

ca. 50, das ist beim Einsatz von Gatling Guns nicht immer so eindeutig zu erfassen

Explizite Brutalitäten:

  • Der Stranger bekommt ein Daikatana in seinen Handrücken gerammt und wird dann als Vogelscheuche ins Reisfeld gehängt
  • Der "Amerikaner" metzelt mit seiner Gatling Gun ein paar Steuerflüchtlinge nieder

Spezialitäten:

  • Der Stranger modifiziert eine alte Deko-Muskete zur abgesägten Donnerbüchse

Liebe:

0/10

Splatter:

4/10

 

 

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