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Timerider - Die Abenteuer des Lyle Swann

Info

OT: 
Timerider - The Adventures of Lyle Swann

Jahr: USA 1982
R: William Dear
B: William Dear, Michael Nesmith
K: Larry Pizer
M: Michael Nesmith
D: Fred Ward, Belinda Bauer, Peter Coyote, Ed Lauter, L.Q. Jones, Tracey Walter, Richard Masur

Quelle: Video (VMP)

 

Inhalt

Lyle Swann (Fred Ward) gilt bei der "Baja 1000", der weltbekannten Wüsten-Rallye in Südkalifornien, als Topfavorit in der Motorrad-Wertung. Dank seines Hi-Tech-Equipments liegt er zwar schon meilenweit in Führung, sein Navi führt ihn aber nach einiger Zeit auf abseitige Pfade mitten in ein geheimes Zeitreise-Projekt. Eigentlich wollen die Wissenschaftler "nur" ein kleines Gibbon-Äffchen in die Vergangenheit und wieder zurück schicken, doch auch Swann durchfährt den Versuchsaufbau, weil er ihn mit einem Streckenmarkierungspunkt verwechselt, und landet mit dem Primaten im Jahr 1877. Während der Affe aber wieder zurückgebeamt werden kann, ist Swann, der von seiner Reise ins 19. Jahrhundert nichts bemerkt hat, schon längst weiter gebrettert und hat den Zeitsprung-Korridor verlassen.
Völlig orientierungslos kreuzt er die Wege von Porter Reese (Peter Coyote) und den Dorsett-Brüdern Claude und Carl (Richard Masur, Tracey Walter); drei Strauchdiebe, die sich nach einem mißglückten Ripp gerade auf der Flucht vor dem gefürchteten US-Marshall Ben Potter (L.Q. Jones) befinden. Der "Culture Clash" verläuft ziemlich suboptimal, Swann muss vor dem Bleihagel der bis ins Mark geschockten Gang flüchten. Nachdem der erste Pulverdampf verraucht ist, dämmert's den drei Genossen, dass sie es mitnichten mit einem Geist, sondern einem Mann mit einer außergewöhnlichen Maschine zu tun hatten und nehmen die Verfolgung auf, um sich den Hobel unter den Nagel zu reißen.
Doch die Episode blieb nicht unbemerkt, die zufällig anwesende Claire Cygne (Belinda Bauer) konnte ebenfalls den wundersamen Mann aus dem Gebüsch beobachten. Schnurstracks reitet sie gen San Marco, wo sie mit dem zwielichtigen Priester Quint (Ed Lauter) einen nicht ganz legalen "Import/Export-Handel" betreibt. Ein paar Augenblicke später treffen auch Swann und die Reese-Gang in San Marco ein, Claire und Quint verstecken den sonderbaren Fremden und schlagen die Verfolger in die Flucht.
Die geben sich aber noch lange nicht geschlagen und können kurz darauf Claire, die inzwischen mit dem Fremden ein heißes Techtelmechtel begonnen hat, und die Enduro in das Banditendorf "Swallows Camp" entführen. Zusammen mit Marshall Potter machen sich Quint und Swann auf, die Gutsten zu befreien. Parallel dazu werkeln die Wissenschaftler in der Zukunft hektisch daran, den zeitreisenden Motocrosser wieder zurückzuholen...

Zitate

Quint: "Lieber Himmel! Wo hast du denn die Karte her?" - Swann: "Hmm, vonner Esso-Tankstelle."

Swann: "Gehört ihr Leute irgend 'ner Sekte an? Irgendwas Religiöses? Du weißt schon, lange Haare, Hare Krishna." - Claire: "Nein." - S: "Naja, es sieht hier aber so aus. Ich mein, ich war lang nicht mehr in Mexiko, aber sowas wie das hier hab ich noch nicht gesehen."

Swann: "Wo sind denn hier die Fußrasten???" (Anmerkung der Red.: Er sitzt auf einem Gaul (wink) )

Die Kritik des Sargnagels:

In den späten 70ern wandte sich das Multitalent Michael Nesmith den bewegten Bildern zu. Nach seiner Karriere als Chef der 60ies-Teenie-Ikone "The Monkees" und einem Rückzug in die gemächlichere Country-Rock-Szene, arbeitete er sich erfolgreich über Musik-Videos (er gilt z.B. als der Erfinder des Videoclip-Senders; er produzierte Testsendungen für Nickelodeon, die später Grundlage für die Gründung von MTV waren) zu Projekten auf der großen Leinwand vor. Für "Timerider" ging er dann auch 1982 mit Herzblut in die Vollen: Er produzierte den Streifen, schrieb am Drebuch mit, sorgte für den Score und spielte auch in der Soundtrack-Combo Gitarre. Sogar einen kleinen Cameo zu Beginn des Films gönnte er sich. Als Regisseur verpflichtete man William Dear, der schon bei Nesmiths Grammy-prämierten Video-Projekt "Elephant Parts" die Fäden zog, bis auf einen Bikerstreifen namens "Das Northville Massaker" aus den 70ern aber keine größere Feature-Film-Erfahrung mitbrachte.
Inhaltlich geht es für einen Zeitreisetrip ziemlich straight voran, was vor allem daran liegt, dass jegliche Logik dahinter zwischen Hammer und Amboss auf Linie gedroschen wurde. Das Hauptaugenmerk aller Beteiligten liegt auf Swanns Enduro-Maschine, und da der nichts von seinem Zeitsprung mitbekommen hat, ist die eigentliche Rettung aus der Vergangenheit nur reine Rahmenhandlung ohne größere Verbindung zum Rest. Swann schnallt erst zum Ende hin, dass er 105 Jahre zurück katapultiert wurde und den Gestalten der Vergangenheit dünkt ebenfalls nicht, dass der Motorradler vielleicht aus der Zukunft kommt. Kommt in Dialogen mal die Problematik auf, wird nie richtig nachgehakt, die 1877er nehmen den grünen Leuchtstift genauso stoisch zur Kenntnis wie die Erwähnung der Esso-Tankstelle oder eines Radios. So hat man es denn auch die meiste Zeit mit einem Western zu tun, in dem halt ein recht sonderbarer Charakter drin herum springt.
Prunkstück des Streifens sind sicherlich die ausgewählt guten Darsteller, die die Scharte der Handlungsschwächen auswetzen. Die olle Knautschfresse Fred Ward hat bei mir eh ein Stein im Brett, und auch hier gibt er sich trotz o.g. Problematik keine Blöße und überspielt die logischen Hänger seines Charakters. (Anmerkung am Rande: Ward, vor seiner Schauspielkarriere Alles-Jobber und Weltenbummler, hatte seine ersten Film-Jobs Anfang der 70er in Italien als Komparse bei Roberto Rosselini und als Synchro-Sprecher für... Italowestern (wink). Der Gutste dürfte also auf ein paar US-VÖs zu hören sein, da müsste man mal tiefer hachhaken.) Belinda Bauer, australisches Ex-Model, kann nicht nur mit optischen Reizen aufwarten (uiuiui...), sondern zeigt auch einiges Talent. Den selbstbewussten weiblichen Outlaw nimmt man ihr ohne überflüssiges Overacting ab und ihr Schusswaffengebrauch ist alles andere als feminin, die hatte nicht zum ersten Mal eine Knarre in der Hand. In den weiteren Rollen lag man mit den B-Movie-Granden Peter Coyote, Ed Lauter und der Western-Legende L.Q. Jones sowieso auf der sicheren Seite, und die Kollegen fühlten sich im passenden Setting offensichtlich wohl.
Und dabei geht's - nach etwas zähflüssigem Beginn mit endlosen Motocross-Szenen in der Wüste - recht deftig zur Sache: Nasen werden weggeballert, Männer per Draht enthauptet, Leute von hinten mit Schrotladungen erschossen usw.. Nicht gerade die feine amerikanische Western-Art, auch atmosphärisch fühlt man sich bei "Timerider" dank fieser Fressen, mexikanischem Grenzland-Setting, zwielichtigen Mitstreitern, sadistischen Bösewichten und sattem Gunplay eher wie in einer Pferdeoper all'italiana aufgehoben.
Die beiden Videoclip-Pioniere Nesmith und Dear legten großen Wert auf Visuelles, dementsprechend wurde der Streifen auch fein fotografiert, flott geschnitten und mit ein paar Gimmicks aufgebrezelt. Das eingeblendete "Head Up Display" mit Zoom & Nachtsicht-Funktion in Swanns Helm wirkt selbst nach 30 Jahren noch nicht antiquiert. Nur beim Anfang hat man wie schon erwähnt ein bissle übertrieben, wohl um den Nesmith-Soundtrack zu featuren. Minutenlang sieht man Ward auf seiner Maschine, zugegeben mit rasanten Einstellungen gefilmt, durch die kärgliche Steppenlandschaft brettern, unterlegt von einem gniedeligen Synthie-Rock-Score. Freunde von AOR-Combos wie "Foreigner" oder "REO Speedwagon" werden da vielleicht ihre Freude dran haben, mir geht's auf die Klöten. Mit dem Schwenk ins vorige Jahrhundert bessert sich der Score allerdings merklich, ab dann dominieren passenderweise Aku-Klampfe und Saloon-Klavier.
So richtig an der Kasse gezündet hat der actionreiche Zeitreise-Western-Mix letztendlich nicht, mir sind trotz der erkennbaren Schwächen aber saubere ehrliche Schauspieler-Arbeit, investiertes Herzblut und 90min gute Unterhaltung definitiv eine Glotzempfehlung wert.

Rating: $$$$-

Bodycount:

ca. 20 Gringos

Explizite Brutalitäten:

  • Carl Dorsett wird von Claire die Nase weggeschossen
  • Marshall Potter tötet lautlos per Drahtschlinge. Und die ist so scharf, dass sie auch menschliche Knochen durchtrennt.

Spezialitäten:

  • Swann bringt aus der Zukunft ein paar nützliche Spezereien mit: seinen Superhelm, Leuchtstäbe, Energieriegel und natürlich seine Cross-Maschine

Splatter:

4/10

Liebe:

4/10 (Swann und Claire lassen's ordentlich knattern. BTW: Claires Nachname "Cygne" bedeutet übrigens im Französischen "Schwan" (wink) )

 

 

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