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Troublemaker, Die

Info

OT: 
Botte di Natale
AT:

Troublemakers
The Fight before Christmas
The Night before Christmas

Jahr: I/D/USA 1995
R: Mario Girotti ("Terence Hill")
B: Jess Hill
K: Carlo Tafani
M: Pino Donaggio
D: Mario Girotti ("Terence Hill"), Carlo Pedersoli ("Bud Spencer"), Boots Sutherland, Ruth Buzzi, Eva Haßmann, Anne Kasprik

Quelle: TV (Kabel1)

Weitere Daten und Infos zu "Die Troublemaker" in der SpencerHill-Datenbank.

 

Inhalt

Der Mutter (Ruth Buzzi) der beiden gealterten Western-Rauhbeine Moses (Carlo Pedersoli) und Travis (Mario Girotti) wird's auf ihre letzten Tage schwer ums Herz. Viel zu lange hat sie ihre verstrittenen Stammhalter nicht mehr gesehen und wünscht sich nichts sehnlicher, als die Söhne wieder mal zu Weihnachten zu Besuch zu haben. Weil Moses, den Muttchen vor Jahren wegen Pferdediebstahls angeschwärzt hatte, mit der Verwandschaft auf Kreuz steht, hofft sie, dass Bruder Travis ihn mit einer List an Heiligabend zu Mamas Schoß führen wird.
Moses hat inzwischen die kriminelle Karriere an den Nagel gehängt und verdingt sich mehr schlecht als recht als Kopfgeldjäger, um seine Frau und eine neunköpfige Kinderschar durchzufüttern. Travis schaut nun mal "ganz zufällig" bei ihm vorbei und macht den Vorschlag, gemeinsam den "ganz zufällig" in mütterlichen Gefilden wütenden Banditen Sam Stone (Boots Sutherland) aufzustöbern und lässig 4000$ einzustreichen. Moses hat alles andere als Bock, mit seinem Bruder wieder die Gäule zu satteln; angesichts dürftiger finanzieller Austattung, schlechter Aussichten für die nächsten Monate und einem ordentlichen Arschtritt seiner Frau willigt er aber dann doch ein. Das schlagfertige Gespann macht sich auf den letzten großen Ritt, eine Odyssee voller Beulen, Prellungen und Knochenbrüche...

Die Kritik des Sargnagels:

Mitte der 90er erinnerten sich nur noch Nostalgiker und unentwegte Fans an das Film-Duo Spencer und Hill. 1984 erschien ihr letzter großer Kassenknüller "Vier Fäuste gegen Rio", und schon kurz darauf war mit dem billigen wie halbgaren "Miami Cops" der Ofen für die über 18-jährige gemeinsame Schaffensperiode aus. Hill war inzwischen in Massachusetts, USA, ansässig und kurbelte danach Lucky Luke-Verfilmungen für Fernsehen und Video im Akkord herunter; Spencer verfiel immer mehr den Gaumenfreuden und hielt sich in italienischen Gefilden mit schwer verdaulichen TV-Krimi-Serien über Wasser.
Ob man ernsthaft gedacht hat, dass man mit "Troublemaker" nach zehn Jahren spürbarer Pause nochmals ein Comeback launchen könnte, sei dahin gestellt. Horst Wendlandt schien zumindest Gefallen daran zu haben und pumpte mit seiner Rialto nochmals Kohlen in eine Italowestern-Produktion, die offensichtlichst die beiden Barboni-Klassiker zum Vorbild hatte. Die ganze Chose geriet daraufhin zur Familienangelegenheit: Spencers Sohn Guiseppe produzierte zusammen mit Wendlandts Sohn Matthias, Hills Sohn Jess durfte das Script liefern, und der olle Terence kaperte gar den Regie-Sessel.
Die ABM-Maßnahmen schlugen sich leider allenthalben negativ durch, ohne dass die "jungen Kräfte" irgendeinen frischen Wind gebracht hätten. Terence Hill vermochte zwar noch als Darsteller seinen Charme für die inzwischen menopausierende weibliche Fanschar aufblitzen lassen, als Regisseur für eine Italowestern/SpencerHill-Hommage war er eindeutig fehlbesetzt. Schon in den 80ern fiel in seinem Solo-Schaffen ein gewisser Hang zu religiösen Motiven auf (z.B. in "Keiner haut wie Don Camillo", "Renegade"), der sich in der Weihnachts-Story für "Troublemaker" inhaltlich schwerwiegend Bahn brach. Von der Familie, für die Familie; keine anzüglichen Sprüche oder Albernheiten - schon gar nicht über die katholische Kirche - die in etlichen gemeinsamen Werken immanenter Bestandteil waren.
Seiner Arbeit entbehrt jeglichem Zynismus, der die damaligen Italowestern ausmachte. Hier liegt die große Crux: In den Spaghetti-Komödien der 70er arbeiteten Spencer und Hill erfolgreich gegen den grummelnden Sarkasmus des Genres an, nahmen die Ringos, Djangos, Sartanas usw. auf die Schippe, in "Troublemaker" gibt's sowas gar nicht. In dieser kastrierten und religiös angeschwängerten Atmo wirken die Reminiszenzen ans Genre (u.a. der von "Zwei glorreiche Halunken" gemopste "Galgenschuss") und die alten SpencerHill-Klassiker freud- und kraftlos. Ab Minute 25 quält man sich durch bis zum schmalzigen Ende. Bis dahin ist man aber dann eh schon ordentlich abgefettet.
Das Drehbuch und die Dialoge gerieten altbacken, auch die Inszenierung hatte kaum besseres TV-Niveau. Die Kamera ist unglaublich statisch, die Szenen sind allesamt undynamisch, selbst in den spärlichen Action-Sequenzen. Pino Donaggio ist als Komponist sicher nicht der Schlechteste, die Italowestern-Zeiten hat er jedoch nicht mehr mitgemacht und liefert dafür einen klassischen, leider schnarchigen, US-Western-Score. Wirkt alles zusammen wie 'ne zweitklassige Wildwest-Stuntshow: zäh wie Büffel-Gouda.

Am tragischsten wirkt bei der ganzen Nummer Altstar Carlo Pedersoli. "Il grande Spencer" dürfte anno 1995 seine 150 Kilo auf die Waage gebracht haben, was keinem Zossen nördlich des Pecos zuzumuten war. Statt eines Gauls zuckelt er nun Rentner-like per Kutschbock durch die Gegend. Ob der massiven Körperfülle sieht man den Kollegen zu etwa 70% sitzen, zu 20% stehen und zu 10% sogar in Bewegung.
Einen Großteil der Nebendarsteller-Riege und des technischen Stabs brachte augenscheinlich Hill mit in die Ehe, der mit Einigen schon seine o.g. Lucky Luke-Klamotten umsetzte. Und auch hier bleibt's bei biederer Fernsehware.
Wendlandt schickte zudem mit Eva Haßmann und Anne Kasprik zwei deutsche Starlets ins Rennen. Während Kasprik - die zu Vorwende-Zeiten in der DDR eine ordentliche Ausbildung als Schauspielerin genoss - im Rahmen ihrer von Hill gegebenen Möglichkeiten noch das Optimale rausholt und als eine der ganz wenigen so etwas wie professionelle Qualität darstellt, blickt Frau Haßmann ins Nirgendwo und liest ihren Stichwort-Text ab. Wenn ich nun eine böse Lästerzunge wäre und erwähnen würde, dass die damals als Schauspielerin noch nicht aufgefallene Haßmann kurz vor Drehbeginn das Rialto-Zugpferd und engen Wendlandt-Spezi Otto Waalkes geehelicht hat... ach lassen wir das... ;-)
Als Italowestern- UND SpencerHill-Fan ist das Machwerk für mich einfach nur schmerzhaft, überflüssig wie ein Kropf - ein echter "Sargnagel" eben. Wäre das Ding anno '70 rausgekommen, hätte es die italienischen Landesgrenzen nicht verlassen. Im selben Jahr 1995 drehte übrigens Enzo Barboni mit "Trinity und Babyface - Vier Fäuste geh'n zum Teufel" ebenfalls eine Reminiszenz an die glorreichen "Vier Fäuste"-Zeiten - allerdings ohne Pedersoli und Girotti, dafür aber um einiges ansehlicher als der Troublemaker-Grusel.
Mit ganz penibler Rosinenpickerei komme ich grade noch auf eine Gnadenwertung, knapp an der Kiesgrube vorbei geschrammt.

Rating: $$-

Bodycount:

zero

Explizite Brutalitäten:

keine - Hey, es ist Weihnachten...

Liebe:

7/10 - Terence lässt immer noch die Schlüpfer glühen und die Knie schwach werden, zudem herrscht ja 90min lang die "Nächstenliebe"

 

 

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