Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

10. Opfer, Das

Info

OT: 
La decima Vittima
AT:

La dixième Victime

Jahr: I/F 1965
R: Elio Petri
B: Elio Petri, Tonino Guerra, Giorgio Salvioni, Ennio Flaiano
K: Gianni Di Venanzo
M: Piero Piccioni
D: Marcello Mastroianni, Ursula Andress, Elsa Martinelli, Massimo Serato

Quelle: DVD (Bildstörung). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Um Aggressionen zu kanalisieren und Kriege überflüssig zu machen, hat sich die Menschheit in nicht allzu ferner Zukunft „Die große Jagd“ ersonnen. Ein „Spiel“, in dem jeder mitmachen kann, wenn er sich in der Genfer Zentrale registrieren lässt. Es geht darum, zehn Runden zu überleben – fünf als Jäger, fünf als Opfer - um schlussendlich eine Million Dollar und Starstatus zu gewinnen. Jäger und Opfer werden sich per Computer zugelost: Während der Jäger alles weiß über sein Opfer- also etwa Namen, Anschrift, Gewohnheiten – bekommt das Opfer nur eine dürre Mitteilung, dass die Jagd eröffnet ist.
Nachdem die Amerikanerin Catherine (Ursula Andress) ihren letzten Jäger (George Wang) in die ewigen Jagdgründe geschickt hat, fehlt ihr noch eine Runde für den Jackpot. Dafür muss sie den ihr zugelosten Italiener Marcello (Marcello Mastroianni) in Rom erledigen. Catherine schließt noch eben einen Werbevertrag mit „Ming Tee“, der Marcellos Tod vor laufender TV-Kamera vorsieht, und begibt sich mit dem Fernsehteam nach Rom. Hier ist die passende Location schnell gefunden: der Tempel der Venus, mit malerischem Blick aufs Colosseum, vor dem auch das Ming-Tee-TV-Ballett eine gute Figur macht. Jetzt muss Marcello nur noch angelockt werden: Getarnt als amerikanische TV-Journalistin, die den Gutsten zum Thema „Das sexuelle Verhalten italienischer Männer“ live interviewen möchte, macht sie sich an Marcello ran.
Aber der misstrauische und vorsichtige Lebemann riecht den Braten bald und bereitet seinerseits das Ableben Catherines vor: Ein Werbepartner ist in Form eines Softdrink-Herstellers schnell gefunden, und so soll die Jägerin mit Hilfe eines Krokodils in einem Swimmingpool ihr Ende finden. Live, versteht sich. Dabei soll Marcello deklamieren: „Mit Cola 80 gewinnt man immer.“ Das Spiel kann also beginnen.

Zitate

Jingle für „Die große Jagd“: „'Die große Jagd' wird Kriege überflüssig machen. Legalisieren Sie Ihre Morde. Weswegen Geburtenkontrolle, wenn wir die Abgänge erhöhen können? Ein Feind pro Tag erspart den Arzt.“

Reporter: „Warum haben Sie ein so brutales Mittel angewandt: Sprengstoff im Stiefel?“ - Marcello: „Solche Stiefel haben mich immer schon interessiert.“

Marcello:

„Ich habe schon immer gefunden, dass wir viel zu lange leben.“

„Du kannst mich nicht umbringen, Caroline: Ohne das Fernsehen wäre das sinnlos.“

Die Kritik des Gunslingers:

Elio Petris Streifen liegt eine Kurzgeschichte von Robert Sheckley zugrunde, der den Film wiederum als Inspiration nutzte für seinen ein Jahr später erschienenen Roman „Das 10. Opfer“. Ebenfalls nach einer Sheckley-Geschichte entstand im übrigen der thematisch ähnliche deutsche Fernsehfilm „Das Millionenspiel“. Filme, die wie auch „Running Man“ oder „Rollerball“ eine Action-Plattform hinstellten, um Medien- und Gesellschaftskritik zu formulieren.
Das tut Petri hier auch, und legt gleichzeitig eine Art Zustandsbeschreibung vor über die Gefühlskälte der modernen Gesellschaft. Alte werden abgeschoben und durch den Staat terminiert. Liebe ist nur ein Wort, und Kinder werden konsequenterweise in erster Linie in der Retorte gezeugt, wie Catherine auch. „Die große Jagd“ ist nur vordergründig ein Mittel zur Triebabfuhr, genauso dient sie dazu, gelangweilten Wohlstandsbürgern mit dem Thrill einen Lebenssinn zu geben, denen auch echte Gladiatorenkämpfe als Showprogramm im Club keinen Kick mehr verschaffen. Nach dem Motto „Ich habe Angst, also bin ich.“
Dabei schöpft Petri aus dem vollen Sixties-Kanon, um die eigenartig unterkühlte Stimmung zu erzeugen. Einrichtung, Ambiente, Klamotten, Acessoires, der Einsatz von Farbfiltern: alles zwar zeitgenössisch, aber indem sie dermaßen konzentriert auftauchen, verleihen sie dem Streifen tatsächlich einen futuristischen Look. Das erinnert mich ein wenig an Filme wie „Mon Oncle“ oder „Playtime“ von Jacques Tati, in denen er Hipstertum und Modernisierungswahnsinn der 50er- und 60er-Jahre auf die Schippe nimmt. Offensichtlich ließ sich Petri auch von einschlägigen Eurospy-Streifen inspirieren, denn immer wieder tauchen Gimmicks auf wie der schießende BH von Ursula Andress oder sprengstoffgefüllte Schuhe, die per Zusammenknallen der Hacken zur Explosion gebracht werden.
Der Score von Piccioni wird nicht jedermanns Sache sein mit seinen teilweise dissonanten Passagen. Allerdings dominieren eher loungige Klänge mit entsprechend gesetzten Bläsersektionen, Vibraphon und Orgel, über denen sich immer wieder eine Soundwords-intonierende Frauenstimme breit macht.
Der erblondete Mastroianni als personifizierter Mr. Pop stiehlt seinen Mitspielern inklusive Ursula Andress die Show: Coooool, müde und zynisch, ein ewig abgebrannter Phlegmatiker und eingeschworener Comic-Afficionado. My cup of tea, liebe Freunde.

Rating: $$$$+

Splatter:

1/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien