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Dreckige Dutzend, Das

Info

OT: 
The Dirty Dozen

Jahr: GB 1966
R: Robert Aldrich
B: Nunnally Johnson, Lukas Heller, E.M. Nathanson (Romanvorlage)
K: Frank De Vol
M: Edward Scaife
D: Lee Marvin, John Cassavetes, Donald Sutherland, Ernest Borgnine, Robert Ryan, Charles Bronson, Telly Savalas, George Kennedy

Quelle: TV (WDR)

 

Inhalt

Major Reisman (Lee Marvin) gilt bei den amerikanischen WW2-Streitkräften als renitent und fiel schon mehr als einmal wegen Konflikten mit seinen Vorgesetzten auf. Statt ihn unehrenhaft aus der Army zu schmeißen, betraut man ihn aber mit einem Himmelfahrtskommando: Er soll mit einer Spezialeinheit hinter den feindlichen Linien ein Schloß in Frankreich einnehmen und soviel wie möglich von den dort in rauhen Mengen anwesenden hohen SS- und Wehrmachtsoffiziere unter die Radieschen schicken. Die Crux an der Geschichte: Reismans Kommando soll nicht aus erprobten Frontsoldaten bestehen, sondern einem Haufen von Lebenslänglichen und Todessträflern aus dem Militärgefängnis, denen nach erfolgreicher Erledigung eine Amnestie in Aussicht gestellt werden soll. Um überhaupt eine fähige Truppe formen zu können und den wichtigen Zusammenhalt in der Mannschaft zu stärken, greift Reisman beim Drill wieder zu seinen unkonventionellen Methoden, was natürlich auf höchstes Unbehagen bei General Worden (Ernest Borgnine) und seinen Offizieren (u.a. Robert Ryan, Robert Webber, George Kennedy) stößt. Erst als sich die Rabauken bei einem Test-Manöver mit einem ausgeklügelten Plan und jeder Menge Spontaneität gegen eine Übermacht an Gegnern bewähren, geben die Verantwortlichen grünes Licht zur Geheimaktion. In Frankreich angekommen, schert jedoch einer aus der Truppe aus und gefährdet somit das gesamte Unternehmen...

Zitate

Reisman: "Sie haben gesagt, Sir, Sie wollen keinerlei Missverständnisse. Ich finde, die Sache ist durch und durch faul." - General Denton (Robert Webber): "Jetzt hab ich aber genug von Ihren Unverschämtheiten!" - "Ich halte es nicht für unverschämt, die Durchführung in Zweifel zu ziehen. Immerhin bin ich der Mann, der mit dieser Sache zwölf Teufelsbraten zu glücksstrahlenden Burschen machen soll." (Jo, Weltkrieg ist halt doch ein Ponyhof, nech?)

"Offiziere sind mir ein Brechmittel. Alle, ohne Ausnahme, und immer gewesen." (Wladislaw (Charles Bronson) hat's auch nicht so mit Hierarchien)

Reisman: "Wer von euch möchte mal General sein? ... Pinkley?!" - Pinkley: "Was für'n General denn, Sir?" - "Ein ganz gewöhnlicher, wohlwollender, gut gefrühstückt habender, amerikanischer General." - "Ich würde lieber ein Zivilist sein, Sir." (Pinkley (Donald Sutherland) hat den Krieg vollständig  kapiert.)

Die Kritik des Sargnagels:

Robert Aldrich arbeitete sich im Hollywood-Biz vom Produktionshelfer über diverse Assistenten-Jobs bis zum Regisseur hoch, und die Ochsentour merkt man auch dem Großteil seiner Filme an. Zwar galt er in den 50ern nicht als "Nestbeschmutzer", doch strebte er mit seiner eigenen Produktionsfirma schon früh nach Eigenständigkeit, ließ sich ungern ins Werk pfuschen und zeigte sich meist auch für die Skripte seiner Streifen zuständig, die vielmals eigenwillige und aufmüpfige Hauptcharaktere beinhalteten.
Und beim "Dreckigen Dutzend" gibt's davon sogar noch mehr als Zwölfe. Der Haufen ist bis in die Nebenrollen gespickt mit Charakterschädeln, von denen einige davon selbst einschlägige Kriegserfahrungen hatten. Aldrich schaffte es dennoch, allen auch eine prägende Szene zu spendieren und sie nicht als Stichwortgeber zu verschwenden. Über allem steht aber eindeutig Lee Marvin, der das Ensemble zusammenhält und dabei seine Gegenüber nicht an die Wand spielt, sondern sie gütig glänzen lässt. Marvin mochte übrigens den Film an sich nicht besonders, er fand ihn als ehemaliger Marine zu unrealistisch, hatte aber nach eigener Aussage sehr viel Spaß eim Dreh. Dabei war er nur zweite Wahl, ursprünglich sollte John Wayne den Reisman spielen, lehnte aber wegen des Drehbuchs ab und filmte stattdessen das Vietnam Propaganda-Vehikel "Die grünen Teufel".
Hervorragendst klappt das Zusammenspiel mit dem bestens aufgelegten John Cassavetes, zwischen dem und Marvin regelrecht die Funken in den Dialogen fliegen, und auch mit Donald Sutherland, der hier eine Geschmacksprobe des Hippies in Uniform gibt, den er in "M.A.S.H." und vor allem "Stoßtrupp Gold" weiter kultivierte. Erwähnt seien noch Charles Bronson, der aus "Die glorreichen Sieben" und "Gesprengte Ketten" Erfahrungen mit Ensemble-Streifen mitbrachte, sowie Robert Ryan, der mit Marvin und Borgnine schon in "Stadt in Angst" unter John Sturges zusammen arbeitete und sich auch hier nicht zu schade ist, einen ausgemachten Unsympathen darzustellen. Zwei der Darsteller, der Profi-Footballer Jim Brown und der Schnulzen-Rocker Trini Lopez, kamen durch die verlängerten Dreharbeiten in zeitliche Schwulitäten mit ihren eigentlichen Tätigkeiten. Während Brown auf dem Höhepunkt seiner Footballer-Karriere ebendiese für eine als Schauspieler cancelte (übrigens auch ziemlich erfolgreich), reiste Lopez vorzeitig ab und verstirbt somit ungesehen wie unspektakulär als erster des Haufens beim Fallschirm-Absprung.
Und nicht nur bei der Auswahl des Ensembles orientierte sich Aldrich bei Sturges, auch die stringente Grundstruktur des Streifens - das "Casting" (die Einführung der Protagonisten) -> Training/Vorbereitung -> Einsatz - war ebenfalls beim Kollegen abgeschaut (siehe die erwähnten "Glorreichen" und "Ketten"). Dennoch ist das "Dutzend" alles andere als ein Rip-Off, hier sind nämlich die Parameter völlig anders gesetzt. Der vordergründige Feind, sprich: die Nazis, sind durchweg alle namenlos, da trägt kein einziger die Handlung mit. Der eigentliche Konflikt besteht zwischen Reismans Truppe und dem Generalstab der Amerikaner. Während die ordenbehangenen Großkopferten einen Scheiß auf Menschenleben in den eigenen Reihen geben und Konformität als höchstes Kriegs-Gut ansehen, geht es den Outlaws bis zum Schluss nur um den eigenen blanken Arsch.
Das übliche Hohelied auf die USA und die Freiheit fehlt hier vollständig; eher wird es noch auf die Schippe genommen, wie z.B. in der Szene, als Sutherland einen General mimen soll und einen strammstehenden, unschuldigen Rekruten veralbert. Insgesamt ist der Film sowieso mit einer ordentlichen Portion Humor gewürzt, was während der Dauer von 150 Minuten immer wieder für Auflockerungen sorgt. Aldrich hatte ein Händchen dafür, während der epischen Länge immer wieder kleine Spitzen zur rechten Zeit einzubauen, Langatmigkeiten kommen deswegen keine auf.

Handwerklich ist der Streifen absolut top, schön fotografiert und passend musikalisch untermalt - die Atmo stimmt immer. Vor allem das Set-Design kann's einem antun; das französische Schloss samt Park und Anlagen wurde zwar als Fassade hingebastelt, geriet aber so schwer und detailliert, dass es unmöglich war, das Dingens zum Schluss vollständig zu sprengen. 
Für einen absolut rundes Machwerk ohne Makel auf diesem Niveau kann es dementsprechend nur eine Wertung geben. Unzählige Epigonen und Pseudo-Remakes sprechen hier ein deutliches Wort.

Rating: $$$$$

Splatter:

4/10

 

 

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