Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Info

OT: 
Brain Donors

Jahr:
USA 1992
R: Dennis Dugan
B: Pat Proft
K: David M. Walsh
M: Ira Newborn
D: John Turturro, Mel Smith, Bob Nelson, John Savident, George De La Pena, Nancy Marchand

Quelle: VHS (Paramount/CIC)

 

Inhalt

Der Firmenpatriarch und Philantrop Oscar Winterhafen Orgeltropfen hat das Zeitliche gesegnet. Zur Testamentsverkündung ist eigentlich der langjährige Freund und Anwalt der Familie Edmundo Lazlo (John Savident) vorgesehen, doch es trudelt auch der windige Winkeladvokat Roland T. Fleckflitzer (John Turturro) ein, der die Witwe Lilian Orgeltropfen (Nancy Marchand) einmal in einer schmierigen Angelegenheit vertreten hatte.
Einer der letzten Wünsche des Verstorbenen ist die Gründung eines klassischen Tanzballet-Ensembles, dessen Vorstandsgehalt mit 500.000$ fürstlich vergütet wird. Fleckflitzer kann sich sehr zum Missfallen von Lazlo auf den Posten des Co-Direktors süßholzraspeln. Schnell merkt er aber, dass der Job alleine nicht zu wuppen ist und engagiert den Taxifahrer Rocco Melonchek (Mel Smith) und das Multitalent Jacques (Bob Nelson) als Gehilfen.
Der Einstieg ins Ballet-Biz gestaltet sich für die Frischlinge schwer; mit dem  Versuch, den weltbekannten Tanzkünstler Roberto Volare (George De La Pena) ins Boot zu holen, floppen die Drei gewaltig, während Lazlo bei dem arroganten Schmalspur-Don Juan die richtige Ansprache trifft und ihn für's Ensemble gewinnen kann. Glücklicherweise findet man in der hübschen Hupfdohle Lisa (Juliana Donald) das passende weibliche, hochtalentierte Gegenstück und bekommt bei Witwe Lilian wieder den Fuß in die Tür.
Während der Vorbereitungen zur großen Premierenaufführung schüren Lazlo und Volare ein Komplott, um sich der Störenfriede endgültig zu entledigen. Doch die Drei haben neben einer Menge Chuzpe auch noch ein As im Ärmel...

Zitate

Roland T. Fleckflitzer: "Li La Lilian - wer ist dieser Mann???" - Lilian Orgeltropfen: "Oh Rolandus, das ist Mr. Edmundo Lazlo." - R.T.F.: "Eine Kleiderpuppe, der man vergessen hat, das Sprechen beizubringen. Er ist bestimmt nur hinter Ihrem sauer verdienten Geld her... aber ich war zuerst da!"

Roland T. Fleckflitzer: "Wir werden mit vielen innovativen Werbeaktionen viele neue Ballett-Freunde gewinnen. Hüpfen für Verdauungsgestörte, Schlammballette zum Mitmachen. Wir werden die ersten sein, die ein Ballet für Traktorfahrer aufführen. Die Ballerinas erscheinen in kettengetriebenen Gummistiefeln!"

Volare: "Mrs. Orgeltropfen, ich möchte was bekannt geben..." - R.T.F.: "... ist schon abgelehnt." - V.: "Ich habe prima Primaballerina gefunden, die liebreizende Mrs. Ballonbusen." - Rocco: "Und was ist mit Alan?" - V.: "Wie sollen ich mich drücken aus? Verdammt ungewöhnliche Technik. Hübsch für Schuhplattler und gehobene Backpfeifentruppen."

Die Kritik des Sargnagels:

Ende der 80er werkelten die Zucker-Brüder (u.a. "Top Secret", "Die nackte Kanone") an einer Slapstick-Hommage auf die Marx-Brothers-Streifen der '30/'40er. Paramount zog schon im Vorfeld eine riesige Marketing-Maschine auf - man erwartete einen ähnlichen Erfolg wie bei der "nackten Kanone" - bis sich die Zuckers aufgrund von Animositäten mit dem Studio aus dem Projekt zurück zogen. Das Zugpferd war perdü, und die Paramount fuhr die Chose auf Sparflamme herunter. Der Streifen kam dann mit geändertem Namen - das Vehikel hieß ursprünglich "Lame Ducks", was sich witzigerweise noch im deutschen Verleihtitel wiederspiegelt - in eine Handvoll US-Kinos; hierzulande landete das Dingens gleich in den Videotheken.
Was soll man sagen? Hier haben sich die Zuckers wie die Paramount gleichermaßen ins Knie geschossen, denn die "lahmen Enten" entpuppen sich nämlich als äußerst amüsante Dialog- und Slapstick-Komödie mit einem ganz eigenen Charme, die nur in Teilen und Details etwas Aufputz benötigt hätte. Die Gag-Dichte ist extrem hoch; darunter finden sich zwar auch einige Rohrkrepierer, aber größtenteils zünden die Scherze. Großes Augenmerk wurde auf die Slapstick-Szenen gesetzt, hier sitzt alles auf den Punkt und geht ohne Hakler ineinander über - das erfordert höchste Professionalität vor und hinter der Kamera.

Bei der Story hielt man sich grob an die Vorbilder der Marx-Brothers, vornehmlich an deren Meisterwerk "A Night at the Opera". Natürlich gibt's auch hier die Love-Story zwischen zwei jungen hübschen Talenten, der Schmalz wurde glücklicherweise auf's Minimum heruntergefahren.
Etwas zwiespältig gestaltet sich der Cast. Die Nebenrollen sind absolut top, das Zusammenspiel der drei Chaoten sitzt eigentlich auch perfekt aber leider passt mir Mel Smith überhaupt nicht in seine Rolle. Während bei John Turturro die totale Spielfreude herrscht und Bob Nelson in seinen Solo-Szenen zu überzeugen weiß, kommt der von mir hochgeschätzte Brite so gut wie nicht in die Pötte. Smith wurde in den 70/80ern in den englischen TV-Shows "Not the 9 O'Clock News" und "Alias Smith & Jones" bekannt und pflegte dort überzeugend eine deftig-schwarze Comedy-Kante; das amerikanische Mainstream-Humor-Korsett sitzt ihm aber merklich unbequem. Dennoch merkt man den Profi: Das Timing der gemeinsamen Slapstick-Szenen sitzt wie schon erwähnt punktgenau. Neben Turturro kann vor allem George De La Pena als blasierter Westentaschen-Casanova Volare glänzen, den die drei Hauptprotagonisten von einem Fettnäpfchen ins Nächste treiben.
Bei der Synchro fühlt man sich größtenteils an selige Rainer Brandt-Zeiten aus den 70ern erinnert. Überraschenderweise sind die Dialoge aber recht nah am Original, dort ist das Gelaber genauso verschwurbelt und albern (Zwinkern). Der einzige Kritikpunkt geht allerdings auch an die Synchroabteilung, die Mel Smith ein recht nerviges norddeutsches Pseudo-Platt verpasste.
Fazit: Der Streifen ist weitaus besser als der Ruf, der ihm vorauseilte. Ein saftiger Genußbrocken für Freunde klassischen Humors mit eingebauter Unterhaltungs-Garantie.

Rating: $$$$