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Gentlemen bitten zur Kasse, Die

Der Londoner Spitzel und Kleinganove Twinky (Horst Beck) gilt zwar als ausgemacht nervige Filzlaus, hat aber immer wieder mal einen guten Tipp auf Lager. So auch 1962, als er dem vorbestraften Friseurladen-Besitzer Archie Arrow (Günther Neutze) drückt, dass von Glasgow aus regelmäßig des Nächtens per Postzug alte, unregistrierte Geldscheine an die 'Bank of England' in London zur Vernichtung transferiert werden. Der Transport gilt zwar als personell stark bewacht - aber von unbewaffneten Postlern. Arrow trägt die Info an den Antiquitätenhändler Michael Donegan (Horst Tappert) weiter; der ehemalige Major der britischen Armee gilt als Mastermind der kriminellen Gesellschaft und ist Spezialist für die ganz großen Dinger.
Innerhalb eines Jahres stellt Donegan einen gewieften Plan auf, besorgt per Geldtransportüberfall die benötigten Geldmittel und rekrutiert die Fachleute (u.a. Karl-Heinz Hess, Hans Cossy, Rolf Nagel, Wolfried Lier) für den Ripp. Insgesamt sind 14 Personen in den Coup involviert, vom Elektriker über diverse Schläger bis zum renommierten Rechtsanwalt, der den Gentlemännern eine abgelegene Farm als Unterschlupf anmietet. Am 8. August 1963 schlägt die Gang wie am Schnürchen zu und erbeutet ohne größere Umstände mehr als 2,6 Mio. Pfund Sterling (Anmerkung der Red.: heute umgerechnet fast 50 Mio. Euronen!). Die Polente steht erstmal ziemlich dumm da. Doch schnell macht sich innerhalb der Räubergruppe Unmut breit, viele wollen ihren neuen Reichtum auch schnellstmöglich genießen und geben einen feuchten Kehrricht auf Donegans Rat, die Füsse erstmal still zu halten. Die Gang zerbricht, und einzelne Grüppchen gehen ihrer Wege. Es dauert dann auch nicht lange, bis die ersten Komplizen Aufmerksamkeit erregen und durch die unermüdliche Arbeit von Kommissar MacLeod (Siegfried Lowitz) in Untersuchungshaft sitzen. Doch Donegan und seine engsten Kumpanen haben sich vortrefflich abgesichert...

Info

OT:
Die Gentlemen bitten zur Kasse

Serientyp: Mehrteiler (Episoden: 3)
Jahr/Sender: D 1966
Dt. Erstausstrahlung: 1966
Laufzeit je Episode: ca. 80 min
R: John Olden, Claus Peter Witt
B: Henry Kolarz, Robert Muller
M: Heinz Funk
D: Horst Tappert, Günther Neutze, Hans Cossy, Karl-Heinz Hess, Wolfried Lier, Horst Beck, Siegfried Lowitz u.a.

 

Hauptcharaktere:

Michael Donegan (Horst Tappert):
Der Chef der Truppe, aber nicht bei allen als Autorität angesehen. Schuld daran sind Arroganz und Klugscheißertum (hat dabei aber meistens recht), was vor allem bei den niederen Chargen der Gang nicht gut ankommt. Dennoch: Der Major lässt niemanden hängen, und wenn er ihn aus dem Knast raus holen muss. 

Archie Arrow (Günther Neutze):
Der zweite Mann in der internen Rangliste. Große Klappe, aber nichts im Griff; versaubeutelt aus Geldgier später die Flucht, die er organisieren sollte.

Walter Lloyd (Wolfried Lier):
Wird von Donegans Leuten eingekauft, weil man einen erfahrenen Elektriker für die Gleis-Signale braucht. Holt noch seine beiden Spezln Walter Frost (Franz Mosthav) und Albert Finnegan (Kurt Conradi) ins Boot, aufgrund ihrer Herkunft die 'Fulham Boys' genannt. Wegen seiner Unbedarftheit auch der Erste, der den Behörden in die Maschen geht.

Kommissar MacLeod (Siegfried Lowitz):
Kommissar der alten englischen Schule, der fleischgewordene Scotland Yard. Freund von Fakten und Verächter der Vermutung. Wartet Pfeife rauchend die Fehler der Ganoven ab und fängt mit der Beharrlichkeit eines britischen Terriers den Großteil der Combo ein.

Zitate:

Twinky: "Is' kein Job für Kaninchendiebe. Das ist 'n Job für Leute wie Sie, Mr. Arrow."

Ronald Cameron (Günther Tabor): "Also ich weiß nicht, die Chose kommt mir ein bisschen zu kompliziert vor. Und wer kennt sich schon aus mit Zügen?" - Donegan: "Ich kenn mich aus." - Cameron: "Du???" - Thomas Webster (Hans Reiser): "Ja wer sonst schon. Jetzt kommen wieder die Kriegserinnerungen." - Arrow: "Die zigste Fortsetzung..."

Arrow: "Was gehen uns schon die Leute an..." - Donegan: "Wenn's zum Prozess kommt, eine ganze Menge."

Die Kritik des Sargnagels:

Der real stattgefundene englische Postraub von 1963 galt zum damaligen Zeitpunkt als der fetteste Coup der neueren Kriminalgeschichte und schlug weltweit Wellen. Nicht nur wegen dem erbeuteten Rekord-Sümmchen, sondern auch, weil der Ripp wie bei einem gut gemachten Caper-Movie bis ins Detail professionell durchgezogen wurde und dabei niemand ernsthaft körperlich zu Schaden kam, von der Gehirnerschütterung des Lokführers mal abgesehen. Ein ausgebufftes Schelmenstück also, dass die staatlichen Behörden von Post und Polente mit heruntergelassenen Hosen blamierte. Die besten Geschichten schreibt halt doch immer noch das Leben ;-)
Stern-Reporter Henry Kolarz, beim Hamburger Magazin Spezialist fürs Kriminalistische, begleitete die Ermittlungen mit einer Artikel-Serie. Die schrieb er später dann im pseudodokumentarischen Stil und mit knochentrockener Humor-Note zum Drehbuch für die "Gentlemen" um (für den späteren Straßenfeger "Das Millionending" verfuhr Kolarz auf die gleiche Weise). Aufgrund der laufenden Ermittlungen konnte er nicht alle Originalnamen der Täter verwenden, so wurde z.B. aus Ronald Biggs - wegen seiner spektakulären Flucht nach Brasilien und darauf folgender Exklusiv-Interviews der Bekannteste der Posträuber -  der Charakter Albert Finnegan und Mastermind Bruce Reynolds bekam das Synonym Michael Donegan verpasst. Nixdestotrotz hielt sich Kolarz soweit es ging an die ermittelten realen Handlungsabläufe, fabulierte vielleicht noch etwas aus dramaturgischen Gründen dazu. Die Story hatte Fleisch für insgesamt drei 80-Minüter, gegliedert in die Episoden "Der Plan", "Der Überfall", "Die Flucht", die allesamt völlig ohne Längen auskommen und immer stramm am Gas hängen.
Ziemlich erstaunlich, denn auf dem Regiesessel gab's leider einen höchst unbeabsichtigten Besetzungswechsel. John Olden, Ehemann von Inge Meysel, kurbelte 2/3 des Materials ab und verschied mitten in den Dreharbeiten; Claus Peter Witt übernahm für den Rest der Produktion. Man merkt allerdings überhaupt keine Zäsur, der Dreiteiler wirkt wie aus einem Guss und kann sich mit den besten Wallace-Streifen der Kino-Konkurrenz messen.
Gedreht wurde - wie bei fast allen deutschen 60er Jahre Produktionen, die storytechnisch im Ausland spielen - auf der heimischen Wiese. Im Nordhessischen fand man eine geeignete Eisenbahnbrücke für die Nachstellung des Ripps, eine abgelegene Villa im Hamburger Speckgürtel diente als Woodland Farm. Für einen TV-Dreiteiler war das Budget üppig, vergleicht man die "Gentlemen" z.B. mit den Durbridge'schen Gassenhauern jener Zeit, die mehr oder weniger als Kammerspiel inszeniert wurden. Zwar dominieren auch hier die Indoor-Studioszenen, die werden aber immer wieder flockig mit Außenaufnahmen unterbrochen. Drehgenehmigungen für die Originalschauplätze in England wurden nicht erteilt, so filmte man einfach "schwarz" ein paar Atmo-Shots auf der Insel. Für's Flair ;-)
Neben der packenden Story ist das Ensemble der große Pfund. Bis in die Nebenrollen (u.a. der von mir hochgeschätzte Günter Meisner) tummelt sich die Créme der damaligen TV-Darsteller. Horst Tappert ist Top als der souverän-arrogante Boss, an dem sich ein nicht minder auftrumpfender Günther Neutze - zuerst noch unterordnend, später lamentierend und intrigierend - abarbeitet. Großartig das verbale Duell im dritten Teil, dass dann in der Trennung der gesamten Gruppe mündet. Der Rest des Casts bekommt Dialog und Screentime schön paritätisch aufgeteilt; Hans Cossy als ruhiger Mittler zwischen den beiden Alpha-Tieren, TV-Urgestein Wolfried Lier als "Bruder Leichtfuß" Walter Lloyd und Horst Beck als schmieriger, wankelmütiger Kleinganove Twinky seien wohlwollend hervorzuheben. Siegfried Lowitz gibt mit seinem Pfeife nuckelnden Kommissar MacLeod schon eine Blaupause seines späteren "Alten" ab, irgendwo zwischen Wallace'scher Ermittler-Schule und Maigret.
Heinz Funks jazziger, Bläser-dominierter Score ist treibend und kann sich locker mit den Werken eines Peter Thomas messen.

Rating: $$$$$-

Spezialitäten & Kurioses:

  • In voller Pracht wird man den Dreiteiler trotz leistungsfähiger Abtast-Technik und HD-Medien leider nicht mehr in der Glotze sehen - Anfang der 80er wurden die Original-Negative zerstört, weil man der irrigen Meinung war, ein 1-Zoll-MAZ-Band würde zur Archivierung reichen. Dieses hat über die Jahre nun auch gelitten und wurde dann auf Beta SP mit den üblichen Folgeerscheinungen kopiert...
  • Die "Gentlemen" wurden sogar im Kino mit einer 110minütigen Schnittfassung verwertet. Kann ich mir nur ziemlich dünn vorstellen.

Intro/Auschnitte:

Trailer

Intro-Theme

Screenshots

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