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Harry mit den langen Fingern

Info

OT: 
Harry in your Pocket

Jahr: USA 1973
R: Bruce Geller
B: James David Buchanan, Ronald Austin
K: Fred Kroenekamp
M: Lalo Schifrin
D: James Coburn, Michael Sarrazin, Trish van Devere, Walter Pidgeon

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Taschendieb Ray (Michael Sarrazin) ist noch blutiger Anfänger im Metier. So ist es kein Wunder, dass ihn die junge Sandy (Trish van Devere) ertappt, als er ihr im Bahnhof von Seattle die Uhr klaut. Die kriegt sie zwar zurück, doch zum Ausgleich verschwindet im Verlauf des Disputs mit Ray ihr gesamtes Gepäck. Letzterer fühlt sich nun verpflichtet, ihr aus der Patsche zu helfen und versucht, sein dürftiges Diebesgut an seinen Hehler (Michael C. Gwynne) zu verhökern.
Es springen dabei zwar nur lächerliche 45 Piepen raus, dafür aber ein geldwerter Tipp: Die beiden legendären Profi-Taschendiebe Harry (James Coburn) und Casey (Walter Pidgeon) suchen Handlanger-Verstärkung für ihr kleines Team. Nach einem kurzen Vorstellungsgespräch heuern Sandy und Ray tatsächlich an. Harrys massive Bedenken gegen den aus seiner Sicht ungeeigneten Ray wischen Harrys Hormone beiseite (wink). Die ersten gemeinsamen Unternehmungen verlaufen dann auch alles andere als lukrativ. Insbesondere Ray vermasselt einige vielversprechende Gelegenheiten und darf nur an Bord bleiben, weil Harry inzwischen ernsthaft ein Auge auf Sandy geworfen hat.
Zwar agiert das Team dann doch bald zunehmend erfolgreicher, aber der Spaltpilz hat sich bereits eingenistet: Nicht nur der Gockelkampf zwischen Ray und Harry um Sandy setzt der Gemeinschaft zu. Auch Rays wachsende Ambitionen, in der Teamhierarchie aufzusteigen, was ihm Harry verweigert, tragen nicht zur Stärkung des Wir-Gefühls bei. Zumal Casey dem Jungen gegen Harrys ausdrücklichen Willen heimlich doch ein paar Kniffe und Grundlagen in Sachen Menschenkenntnis aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz vermittelt. Nicht gut.

Zitate

Casey: „Meine kleine Schwäche ist Kokain, und Harrys Schwäche bin ich.“

Harry: „Erste Regel: keine krummen Dinger; zweite Regel: keine Drogen, kein Marihuana oder so ‘n Zeugs. Trinken ist OK. In Maßen.“

Harry: „Harry hält nicht.“ (Harrys dritte Regel: die Beute nie länger als maximal zehn Sekunden am Mann haben)

Ray zu Harry: „Entschuldigung. Ich wusste nicht, dass du so gut bist.“

Casey: „Ich habe meine Hände schon in den Taschen vieler eleganter Anzügen gehabt. Und dann habe ich sie wieder rausgezogen. Und ich sage dir: ekelhaft.“

Die Kritik des Gunslingers:

Gleich vorausgeschickt: Der Titel des Streifens führt doch etwas in die Irre, denn wer hier eine flotte 70s-Gaunerkomödie erwartet, könnte enttäuscht werden. Zwar sind Komödienelemente durchaus vorhanden wie etwa in den verschiedenen, sehr schön inszenierten und fotografierten Teamaktionen, wenn’s betuchten Mitbürgern ans Portemonnaie geht. Oder wenn wir Ray bei seinen eher frustrierenden, amateurhaften Gehversuchen im Bahnhof von Seattle beobachten. Hier ist der größte Erfolg der lüstern-verschwörerische Blick eines Typen, dem Ray die Geldbörse aus der Gesäßtasche grabbeln möchte.
Weitaus stärker und mit deutlichen Molltönen unterlegt betrachtet der Film die Beziehungen innerhalb der Gaunergemeinschaft. im Zentrum steht dabei ein Generationenkonflikt, bei dem die Protagonisten klar sind. Während aber Casey nicht ohne Melancholie erkennt, dass seine Zeit allmählich abläuft und seine Kenntnisse daher heimlich an Ray weitergibt, neidet Harry Ray und Sandy ihre Jugend. Er kleidet und gibt sich cool, smart und überlegen, was er Ray und Sandy spüren lässt: Sandy, indem er ihr eindeutige Avancen macht; Ray in Form von Geringschätzung und Abweisung. Nicht zu vergessen, die sympathische, humane Botschaft des Streifens, die Casey Ray angedeihen lässt: Beurteile nie einen Apfel nach seiner Schale oder so ähnlich (wink).
Der Streifen funktioniert auch dank der klasse Besetzung aus meiner Sicht viel besser als Drama denn als Komödie. Für letzteres ist er zu lahm, und abgesehen von Casey sind die Protagonisten zu unsympathisch. Ein echter Pluspunkt neben dem Cast ist auch der coole Score von Lalo Schifrin.
Regisseur Bruce Geller hat mit „Harry …“ nur einen Kinofilm in seinem Werksverzeichnis. Viel bekannter war er zum Beispiel als Schöpfer und Produzent von TV-Serien wie „Mission: Impossible!“ und „Mannix“. Für beide schrieb übrigens auch Schifrin die Musik.

Rating: $$$$-

Splatter:

0/10

 

 

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