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Info

OT: 
Le Combat dans l'Ile

Jahr: F 1962
R, B: Alain Cavalier
B: Jean-Paul Rappeneau
K: Pierre Lhomme
M: Serge Nigg
D: Jean-Louis Trintignant, Romy Schneider, Henri Serre, Pierre Asso

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Aufbrausend und impulsiv, hat Clément Lesser (Jean-Louis Trintignant) nicht nur Probleme mit seiner stinkreichen Unternehmer-Familie, sondern zunehmend auch mit seiner Gattin Anna (Romy Schneider). Zudem hat er sich einer rechtsextremen Geheimorganisation angeschlossen, die zweimal monatlich ein erweitertes Pfadfinderlager mit Schießübungen und theoretischen Schulungen veranstaltet.
Chef der Gruppe ist Serge (Pierre Asso), der Clément zu einem politischen Attentat anstiftet. Opfer soll der Pariser Gewerkschaftsführer Louis Terrasse (Maurice Garrel) sein. Clément, der inzwischen total mit der Familie gebrochen hat, zieht den Job durch: Eine Bazooka-Rakete sorgt dabei für ordentlich Kleinholz. Bereits am nächsten Tag bescheidet ihm Serge unterzutauchen, da die Gruppe verraten worden sei.
Clément setzt sich mit Anna, mit er zur Abwechslung mal wieder versöhnt ist, zu seinem Jugendfreund Paul (Henri Serre) ab. Der lebt zufrieden und abgeschieden an der Seine, betreibt eine kleine Druckerei und empfängt die Beiden mit offenen Armen. Doch dann erfährt Clément aus dem Radio, dass Terrasse das Attentat unbeschadet überlebt hat, da ihn ein Unbekannter wiederholt vorher gewarnt habe. Aus der Tonbandaufzeichnung eines Warnanrufs ist klar, dass dieser Unbekannte Serge war, den ein Femegericht der Gruppe darauf zum Tode verurteilt.
Während sich Clément auf die Suche nach dem Verräter macht, um das Urteil zu vollstrecken, kommen sich Anna und Paul näher. So nahe, dass Anna schwanger wird. Damit ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Zitate

Clément: „Musst du dich überall benehmen wie eine Dirne?“

Anne: „Ich mag deinen Freund nicht. Er ist widerlich. Er ist der Teufel.“

Clément: „Was mich betrifft, habe ich nur einen Wunsch: dich zu töten.“

Die Kritik des Gunslingers:

In seinem Regiedebüt hatte sich Alain Cavalier eine Menge vorgenommen. Doch bei diesem Crossover zwischen Melodram und Politthriller knirscht’s im Gebälk, denn es fehlt der eigentliche, inhaltliche Kitt zwischen den Komponenten. So ist am Ende ein Werk herausgekommen, das man unter „Weder Fisch noch Fleisch“ einsortieren kann.
Anfang der 1960er-Jahre erlebte Frankreich eine Serie von Attentaten durch die OAS, eine rechte Organisation, die durch die Anschläge die Unabhängigkeit Algeriens zu verhindern suchte. Dies ließ Cavalier auch in seinen Streifen einfließen, wenngleich die Algerienbezüge wohl durch die Zensur verwischt wurden. Die eigentliche Zäsur des Streifens bildet das Attentat auf Terrasse. Bis dahin funktioniert die Melange eigentlich ziemlich gut. Ehe- und Familienprobleme, das zunehmende Abgleiten Cléments in den Extremismus greifen gut ineinander.
Wir erleben Clément als eigentlich nicht schlechten Menschen. Eher als Typen, der sich selbst im Wege steht, an seinem Naturell leidet, seine Identität finden will. Letzteres läuft nicht über das Jodeldiplom, sondern über die zunehmend enge Bindung an den ausgekochten Serge und seine Organisation. Er hält das Ehegespons aus diesen Aktivitäten weitgehend raus, verheimlicht auf Nachfragen allerdings nichts. Zwar lehnt die Gattin seine Aktivitäten rundherum ab. Doch den eigentlichen Sprengstoff in die Beziehung bringen Cléments Spießigkeit und Eifersucht. Wenn man die Partnerin in der Öffentlichkeit ohrfeigt, weil sie sich mit einem alten Bekannten unterhält und amüsiert, kommt das nicht wirklich gut.
Mit der Flucht aus Paris wird’s dann schwülstig: Mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der sich Clément und Anne voneinander entfremden, tritt Paul zunehmend in den Lebensmittelpunkt Annes. Künstlerisch angehaucht, verständnisvoll, ausgeglichen, sanft – ein echter Traumtyp halt. Puh.
Die Fotografie ist klasse; die zahlreichen kurzen, wortlosen Passagen erinnern an Streifen der Nouvelle Vague. Hinter der Kamera ebenfalls am Start war Louis Malle, bei dem Cavalier das Handwerk erlernt hatte. Seine Handschrift scheint besonders deutlich die Szene zu tragen, in der Clément durch das nächtliche Paris treibt. Für Romy Schneider, die hier neben Trintignant und Serre ebenfalls famos aufspielt, bedeutete der Streifen einen weiteren Schritt aus dem verhassten „Sissi“-Tal.

Rating: $$$+

Splatter:

1/10