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Kennwort 777

Info

OT: 
Call Northside 777

Jahr: USA 1948
R: Henry Hathaway
B: Jerome Cady, Jay Dratler
K: Joe MacDonald
M: Alfred Newman
D: James Stewart, Lee J. Cobb, Richard Conte, Helen Walker

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Eine Kleinanzeige erregt die Aufmerksamkeit von Brian Kelly (Lee J. Cobb), Chefredakteur der „Chicago Times“. In ihr bietet Tilly Wiecek (Kasia Orzazewski), Mutter des seit elf Jahren als Polizistenmörder einsitzenden Frank (Richard Conte), fünf Riesen für Hinweise, die den echten Killer ans Messer liefern. Denn Frank sei unschuldig.
Kelly setzt sein bestes Pferd in Marsch: den Reporter James McNeal (James Stewart), der Tilly mal auf den Zahn fühlen soll. McNeal übernimmt den Fall mit langen Zähnen, doch nötigt ihn Muttern Respekt ab, die sich jeden Cent von der ausgesetzten Belohnung als Putze vom Mund abgespart hat. So schraubt er sich eine rührselige, aber auflagensteigernde Geschichte raus, auch wenn er nach wie vor der Meinung ist, dass Frank genau das gekriegt hat, was er verdient.
Aber die Leser wollen mehr, und so besucht Mac unter sanftem Druck von Kelly auch Frank im Knast, später noch dessen Ex Helen (Joanne De Bergh). Allmählich erwachen in ihm echtes Interesse und erste Zweifel an Franks Schuld. Als dann auch noch Bullen und Behörden anfangen, weitere Recherchen zu erschweren, ist Franks Ehrgeiz endgültig geweckt. Zumal sich Hinweise verdichten, dass die Hauptbelastungszeugin (Betty Garde) im Prozess unter Polizeidruck Müll erzählt hat. Doch die ist spurlos verschwunden; andere Beteiligte liegen inzwischen unterm Torf. Die Zeit wird dazu knapp, da Mac bald gerichtsfeste Beweise für Franks Unschuld vorlegen muss.

Zitate

McNeal: „Wenn Sie Ihr Geld gut anlegen wollen, kaufen Sie Ihrem Sohn Zigaretten und Schokolade. Damit können Sie ihn glücklich machen.“ (… anstatt die Pennunzen für eine zweifelhafte Belohnung zu vergeuden (wink))

McNeal: „Er hat nicht lebenslänglich gekriegt, weil er die Schule geschwänzt hat.“

Frank: „Das habe ich nicht gesagt!“ – McNeal: „Ist doch wurscht. Ist ‘n guter Aufhänger.“

Gefängnisdirektor: „99 Jahre sind eine lange Zeit.“ – McNeal: „Elektrischer Stuhl wäre besser gewesen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Direkt im Anschluss an seinen Noir-Klassiker „Der Todeskuss“ ließ Henry Hathaway diesen Streifen folgen. Ein nach wahren Begebenheiten entstandenes Drama, das dokumentarische Elemente mit Noir-Stilmitteln verknüpft. Und die Rechnung geht auf, denn herausgekommen ist auch dank des großartigen James Stewart ein bis zum Schluss spannender Streifen, dem man kleinere Lässlichkeiten gerne verzeiht. So hätte mich beispielsweise interessiert, was mit Franks Kumpel Tomek (George Tyne) passiert ist, der ja ebenfalls unschuldig im Bau saß.
Brillant ist der Film, was seine technische Ausführung angeht, die Verschmelzung von Doku und Film noir. So entstand der Streifen soweit möglich an Originalschauplätzen in Chicago. Die Suche von Mac nach der nicht auffindbaren Augenzeugin, deren Aussage Frank ins Kittchen gebracht hatte, ist aufgezogen wie eine Life-Reportage. Am extremsten wird dieser dokumentarische Stil beispielsweise in der Lügendetektor-Sequenz. Diese ist nicht nur ein wenig fotografiert wie ein Lehrfilm, sondern auch mit entsprechenden Kommentaren zur Funktionsweise des Gerätes versehen. Lustigerweise gibt diese auch noch einer der Erfinder, Leonarde Keeler, himself, der sich selbst spielt.
Auf der anderen Seite verwendet der Streifen viele Stilmittel des Film noirs. Dies betrifft nicht nur den Einsatz von Rückblenden und gelegentlich eines Off-Erzählers. Auch die optische Gestaltung ist in weiten Teilen eher noir als Doku. So findet sich hier die klassische Lowkey-Beleuchtung genauso wie die typischen Schattenspiele.
Gar nicht noir dagegen ist der Cast, angeführt von einem in Hochform aufspielenden James Stewart. Wir lernen McNeal als erst einmal zynischen, aber im Kern aufrechten Typen kennen. Zwar knackt seine Begegnung mit der aufopferungsvoll kämpfenden Tilly diese Schale etwas auf. Doch bestärkt ihn diese nur in seiner Abneigung gegen Frank, den er für einen zurecht verurteilten Mörder hält, der seine arme alte Mutter skrupellos ausnutzt. Erst allmählich bekommt sein festgefügtes Bild Risse. Klasse gespielt. Der Rest des Casts bleibt recht farblos. Insbesondere Richard Conte bekommt keine Chance, sich zu profilieren, und Lee J. Cobb darf das Klischeebild des rauen Chefredakteurs mit Herz abgeben, inklusive mal kaltem, mal qualmendem Zigarrenstummel oder Pfeifenäquivalent.

Rating: $$$$$-

Splatter:

0/10

 

 

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