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Kottan ermittelt

"Wir befinden uns im Jahr 1984 nach Christus. Auf der ganzen Welt wird Recht und Ordnung von Kriminellen bedroht. Die Polizisten haben überall ihren hoffnungslosen Kampf aufgegeben. Alle Polizisten? Hehe, nein, nein. Eine Handvoll unbeugsamer Kriminalbeamter im Wiener Sicherheitsbüro leistet dem Bösen unerbittlich Widerstand. Das Leben ist also nicht leicht für Kriminelle in Wien..." (Intro zur Folge "Genie und Zufall")
In der Tat, des Polizeipräsidenten Pilchs Mordkommission verzeichnet eine 100%ige Aufklärungsquote - was allerdings nicht an der Qualität der bemühten  Ermittler Kottan, Schremser und Schrammel liegt, sondern glücklichen Zufällen, unglaublichen Fügungen oder der Trotteligkeit der Bösewichter, die sich manchmal noch dümmer anstellen, als die Gendarmerie erlaubt...

Info

OT:
Kottan ermittelt

Serientyp: Reihe (7 TV-Spielfilme), Serie (2 Staffeln à 6 Episoden)
Jahr/Sender: 1976-1984 ORF
Dt. Erstausstrahlung: 1979 SWF, 1983 ZDF
Laufzeit je Episode: 90 min, Serie 60 min
Regie: Peter Patzak
Buch: Helmut Zenker
Hauptdarsteller:  Peter Vogel, Franz Buchrieser, Lukas Resetarits, Walter Davy, C. A. Tichy, Bibiana Zeller, Kurt Weinzierl, Carlo Böhm, Gusti Wolf
Besondere Personen & erwähnenswerte Gastauftritte: Eddie Arent (Folge 18,19), Eddie Constantine (Folge 12,13)

 

Hauptcharaktere:

Kottan I (Peter Vogel): Hält sich für den Einäugigen unter den Blinden, latscht mit seinem nicht ganz vorurteilsfreien Auge aber auch gerne mal ins Fettnäpfchen.  Zynisch grantelnd und ewig besserwisserisch findet Kottan I aber dennoch auch auf der falschen Fährte den Täter - oder erfährt die Lösung des Falls übers Telefon.

Kottan II (Franz Buchrieser): Jahrelanger Dienst im Sicherheitsbüro hat ihn lakonisch gemacht, aber nicht abgeschliffen - seine Konter sitzen. Mit "Columbo" verbindet ihn der Hang zum Trenchcoat und zu klapprigen Autos, weniger der messerscharfe Verstand. Er beobachtet eher das allgemeine Chaos um ihn herum, ist aber ebenfalls nicht vor falschen Schlüssen gefeit.

Kottan III (Lukas Resetarits): Latzhosenträger, Playback-Künstler mit eigener Kapelle und Behördenanarchist mit Hang zur Cholerik und verbaler Boshaftigkeit. Kann sich's aber leisten, denn Mutter Kottan löst ja die Fälle für ihn im Hintergrund, während er als Kugelfang für die Wiener Unterwelt durch die Bezirke flaniert und den Polizeipräsi Pilch zum Wahnsinn treibt.  

Dezernatsleiter/Polizeipräsident Pilch (Harald von Koeppelle, Kurt Weinzierl): Als Dezernatsleiter "nur" mit Neurosen wie seiner Abneigung gegenüber Stubenfliegen geplagt, erliegt Pilch als Präsident  dann völlig dem Wahn - Kottans derben Scherzen und einem Kaffee-Automaten mit Eigenleben sei Dank.

Schremser (Walter Davy): Ruhender Pol der Chaotentruppe, lässt sich auch durch Pilch und Kottan nicht aus der Fassung bringen. Allerhöchstens mal von Schrammel. Basser in "Kottans Kapelle".

Schrammel (Curth Anatol Tichy): Trottel der Kompanie, Vorbild: Mike Hammer. Rezitiert gerne aus Mickey Spillanes Werken und trägt großkalibrige Faustfeuerwaffen, die allerdings nur dann funktionieren, wenn er sie nicht in Händen hält. Drummer in "Kottans Kapelle".

 Ilse Kottan (Bibiana Zeller): Muss zu Beginn noch stoisch die Launen ihres geliebten Gatten aushalten, emanzipiert sich aber im Laufe der Serie und setzt ihn auch mal resolut vor die Tür.

Mutter Kottan (Gusti Wolf): Das eigentliche kriminalistische Hirn der Familie, das wandelnde Lexikon des Verbrechens. Im Rosenkrieg der Kottans auf der Seite ihrer Schwiegertochter, beruflich greift sie ihrem Sohnemann aber trotzdem - grundsätzlich ungefragt - unter die Arme.

Erwin Drballa (Carlo Böhm): Der Sandler ist der Seuchenvogel - er findet grundsätzlich alle Ermordeten auf. War vor seiner Straßenkarriere Weltklasse-Schwimmer, Wasserball-Torhüter ("Der Panther von Vernals") und Speedway-Legende. Zumindest seiner Aussage nach.

Die Kritik des Sargnagels:

Mitte der 70er Jahre hatte das österreichische Fernsehen einen lichten Moment und war auf der Suche nach jungen Drehbuchschreibern, die zeitgemäßere Formate auf den Bildschirm zaubern sollten. Der talentierte Frühzwanziger Helmut Zenker, der schon mit seinen gesellschaftskritischen Romanen "Wer hier die Fremden sind" und "Kassbach" Achtungserfolge verzeichnen konnte, bastelte auf Basis einer seiner Kurzgeschichten das Exposée zu einem TV-Krimi namens "Hartlgasse 16a" zusammen und überzeugte damit die Redakteure beim ORF, die sich nicht mal von Zenkers KPÖ-Mitgliedschaft beunruhigen liessen. Als Regisseur verpflichtete man den Quereinsteiger Peter Patzak, einen schon renommierten Kunstmaler und -fotographen, der sich Anfang der 70er dem Filmgeschäft zuwand. Patzak befand sich Ende der 60er in den USA und brachte aus der führenden TV-Industrie frische Ideen mit, vor Kottan inszenierte er z.B. schon den Episoden-Horror " Parapsycho - Spektrum der Angst".
1976 ging der Streifen beim ORF on Air und schlug ein wie eine Bombe. Der Wiener Polizei-Major Kottan hatte rein gar nichts von den damals üblichen Kriminalern im "Maigret"- oder "Franz Josef Wanninger"-Gewande, sondern war ein Spiegelbild seiner Zeit: grantig, überheblich, latent ausländerfeindlich. Der "Anti-Held" spaltete die Zuschauer, tausende Beschwerdebriefe trudelten beim ORF ein, die konservative Presse zeriss sich das Maul. Doch auf jede Schmähung kam auch ein Lob, und die Quote war riesig. So rang sich die Sendeanstalt zum Nachfolger "Der Geburtstag" durch, der ebenfalls zum Erfolg geriet.
"Kottan" hatte sich im österreichischen TV einen Namen gemacht, Gelder für drei weitere TV-Spielfilme wurden freigegeben. Peter Vogel wurde durch Franz Buchrieser ersetzt und das Team Zenker/Patzak erweiterte das "Kottan-Universum" sukzessive um weitere feste Charaktere wie z.B. Pilch und Drballa und lockerten mit Slapstick und Running Gags die ob der Handlung teils trostlose Atmo auf. Mit dem Wechsel des Hauptdarstellers änderte sich auch der Charakter des Majors, Buchrieser brachte eine fatalistische Lässigkeit, auf die teils ausländerfeindlichen Entgleisungen verzichtete man - ab nun war eine positive Identifikation, vor allem beim jüngeren Publikum, möglich.  Erstmals wurden die Filme auch in Deutschland in den dritten Programmen ausgestrahlt.
1979 wanderte die Polizeimarke von Buchrieser zum jungen Kabarettisten Lukas Resetarits, der frechsten Schnauze Österreichs. Und auch hier wandelten sich der Charakter und die inhaltliche Ausrichtung. Kottan war nun zynischer Anarcho und verhinderter Superheld, und dabei noch eine völlig übersteigerte Parodie auf die angesagten US-Cops und -Detektive von "Dirty Harry" bis "Rockford".
Nach zwei weiteren 90-Minütern mit Resetarits folgte 1983 die nächste Zäsur: Das deutsche ZDF stieg in die Produktion mit ein, aus der Spielfilm-Reihe wurde die Serie "Kottan ermittelt", die ersten sechs 60-minütigen Episoden wurden Freitag abend im Wechsel mit "Derrick", "Der Alte" und "Aktenzeichen XY" ausgestrahlt. Ein regelrechter Schock für die deutsche Fernsehlandschaft; der Shitstorm, der seit sieben Jahren über den ORF fegte, erreichte nun den Lerchenberg in Mainz. Aber wie in Österreich traf "Kottan" auch in Deutschland den Zeitgeist und wurde schnell zum Hit. Zenker und Patzak hatten die Schrauben weiter in Richtung Satire angezogen und waren nun der größtmögliche Kontrast zu den deutschen TV-Ermittlern auf dem selben Programmplatz, die auch noch durch die Blume veralbert wurden. Der eigentliche Krimi-Aspekt war nun nur noch Aufhänger für gesellschaftskritische Seitenhiebe und Mediensatire, die das Zeitgeschehen aufarbeitete. Es folgte 1984 die zweite Staffel unter Beteiligung diverser Gaststars (u.a. die beiden Eddies, Constantine und Arent), und mit der geplanten dritten Staffel sollte eigentlich abgeschlossen werden. Doch Patzak und Zenker hatten einmal zu oft den eigenen Geldgeber dem öffentlichen Spott ausgesetzt und "Kottan" wurde eine Woche vor Drehbeginn vom damaligen ORF-Vorsitzenden höchstpersönlich in die Tonne gekloppt. Der Nachlass firmiert heute völlig zurecht unter "deutschsprachige TV-Legende"; ein ähnlich gelagertes Konzept hat's seit 30 Jahren nicht mehr gegeben. Wobei: Die Verfilmungen von Wolf Haas' Simon Brenner-Romanen könnten sich dahin entwickeln.
Ins Kino hat's der Major dennoch - sogar zweimal - gepackt: 1982 in der östereichisch-amerikanischen Co-Produktion "Den Tüchtigen gehört die Welt" und 2010 in "Kottan - Rién ne vas plus".

Rating: $$$$$

Spezialitäten & Kurioses:

  • Running Gags ziehen sich durch alle Folgen hindurch: Dezernatsleiter Pilch hat eine ausgewachsene Stubenfliegen-Neurose, Präsident Pilch wird regelmäßiges Opfer eines höhnischen Kaffee-Automaten, Kaffee wird grundsätzlich sehr heiß serviert - schließlich muss man ihn ja auch kochen, Autotüren liegen meistens im Kofferraum statt montiert an der Karosse
  • Kottan fährt privat nur alte Rostkalleschen, beruflich allerdings vom Mofa über die Harley bis zum Fiaker alles, was Räder hat
  • In der Folge "Kansas City" wird der Fall ausnahmsweise mal kriminalistisch anstandslos geklärt. Zum Leid aller auch noch vom depperten Schrammel.
  • Peter Vogel und Franz Buchrieser hatten nach ihren Kottan-Engagements auch noch Gastauftritte in späteren Episoden, allerdings nicht als Major
  • Weder die Spielfilme noch die Serienepisoden haben ein klassisches Serien-Intro, erst in der letzten Staffel wird mit einem Offsprecher (der Radio-Legende Günther "Howdy" Schifter, Thx to A.H. für die Info!) und einer drehenden Weltkugel eingeleitet
  • Musikalisch begleitet wurden die Stories mit dem Musik-Geschmack von Zenker und Patzak, der sich von Paul Anka über Country und Rock bis zu Morricones Italowestern-Themes erstreckte. Im ersten Film "Hartlgasse 16a" sorgte Georg Danzer durchgehend für den Soundtrack.
  • In den Wohnzimmer-Schrankwänden stehen die Fotos früherer Kottans

Intro/Auschnitte:

Spiel mir das Lied vom Tod - Franz Buchrieser fordert zum finalen Duell

Intro der Episode "Fühlt wie du"

Running Gag der frühen Spielfilme: der heiße Kaffee

Screenshots

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