Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Millionending, Das

Heinz Brehmer (Helmut Wildt) ist nicht Stammgast in Ritz oder Adlon, sondern in den Haftanstalten der westdeutschen Nachkriegsrepublik. Nun soll’s nochmal richtig zur Sache gehen: Brehmer versammelt um sich eine kleine Truppe, um den Tresor der Ostberliner Eisenbahnverkehrskasse (EVK) zu leeren. Hier lagern unter anderem die Pennunzen, die die Reichsbahn im Westsektor Berlins verdient. Mucho Westkohle also. Finanziert wird die Nummer vom zwielichtigen Geschäftsmann Oskar Klett (Peter Schiff) aus Ostberlin.
Das Unterfangen, über die Betondecke in den Tresorraum zu kommen, schlägt ob eines lärmenden Pressluftbohrers erstmal fehl. Die aufgeschreckten Maulwürfe können ihre Spuren aber noch soweit verwischen. Damit bleibt das eigentliche Vorhaben dem ermittelnden Kriminalrat Walther Köppke (Walter Jokisch) verborgen. Doch wird der Bande ein zweiter hastiger Tresorripp zum Verhängnis, mit dem sich die verhinderten Millionenräuber Zaster zum Untertauchen verschaffen wollen. Gier und die durchtriebene Ermittlungsarbeit Köppkes sorgen schnell dafür, dass bald nur noch Brehmer frei rumläuft.
Aber der hat mitnichten seinen eigentlichen Plan aufgegeben: Mit Hilfe des abgebrochenen Jura-Studenten Werner „Doktor“ Possel (Horst Bollmann) stellt er ein neues Team auf. Und hat Erfolg: Nach schweißtreibenden Nächten ist der EVK-Tresor endlich geknackt und spuckt rund 1,2 Millionen Westmark aus. Aber nun läuft Köppke erst richtig warm. Auch die Kontakte zu seinem alten Kumpel Willi Schadewitz (Paul Esser), der jetzt in Ostberlin ein hohes Tier bei der Volkspolizei ist, kommen ihm jetzt zugute.

Info

OT:
Das Millionending

AT:
Das Millionending - Rififi in Berlin

Serientyp: Mehrteiler (Episoden: 2)
Jahr: D 1966
Dt. Erstausstrahlung: 1966/ZDF
Laufzeit je Episode: ca. 70 Min.
R: Helmuth Ashley
B: Henry Kolarz, Answald Krüger, Maria Matray
K: Franz X. Lederle
M: Martin Böttcher
D: Helmut Wildt, Horst Bollmann, Walter Jokisch, Gerhard Hartig

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Hauptcharaktere:

Heinz Brehmer:
Brehmer ist Gewohnheitsverbrecher und erfahrener Knastologe. Eine der coolsten Säue von Berlin, dessen Markenzeichen seine Lederjacke ist. Aber auch im guten Zwirn macht er eine gute Figur. Natürliche Authorität, gepaart mit körperlicher Fitness. Chef vonz Janzen. Leitete auch den allerersten Versuch, über einen Tunnel in den Tresorraum zu kommen, der wegen Grundwassers zu den Akten gelegt werden musste.

Werner Possel:
Possel fliegt nach vier Semestern Jura von der Uni, da er sich mit finsterem Gelichter eingelassen hat. Seitdem verfolgt er eine Karriere als Safeknacker. Ausgebildet hat ihn der legendäre Paul Stramka (Ewald Wenck), Mitglied in Brehmers erstem Team, der nach dem missglückten Auftakt ausgestiegen ist. Über Stramka kommt Possel in Kontakt mit Brehmer, dem er beim Aufbau der zweiten Mannschaft hilft. Possel wird ob seiner „Akademikerlaufbahn“ in der Szene nur „Doktor“ genannt. Hält sich für einen Humanisten und Lebemann und hat alle Nase lang ein lateinisches Bonmot auf den Lippen.

Walther Köppke:
Kriminalrat, ausgebildet noch vor dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit seinem Spezi Willi Schadewitz. Nach dem Krieg landet Köppke im Westen, Schadewitz im Osten. Da es noch keine Mauer gibt, arbeiten die Beiden inoffiziell weiterhin eng zusammen. Köppke wirkt zwar wie ein netter Biedermann, ist aber ein ausgebufftes Schlitzohr mit dem richtigen Bauchgefühl. Mit seiner Art kann er Verdächtige leicht einlullen. 1a, wie er einem geschnappten Ganoven in einer beiläufigen Plauderei wichtige Infos aus dem Kreuz leiert, ohne dass dieser das überhaupt bemerkt.

Die Kritik des Gunslingers:

Während der im gleichen Jahr erschienene Dreiteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ heute nahezu Kultstatus genießt, ist „Das Millionending“ fast unbekannt. Für die Verfilmung beider Bubenstücke dienten im Übrigen Reportagen respektive Tatsachenberichte als Vorlage, die der Journalist Henry Kolarz im "Stern" veröffentlicht hatte. Letzterer, also Kolarz und nicht der "Stern" (wink), wirkte konsequenterweise dann auch an den Skripten mit.
„Das Millionending“ fußt auf einem wahren Fall, der sich 1951 in Berlin ereignete. Hauptakteur war der gelernte Schneider Walther Pannewitz, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Nähnadel rasch gegen das Leben auf der dunklen Seite eintauschte. Mit ein paar Komplizen räumte er in einem spektakulären Bruch den Tresor der EVK aus. Die Beute betrug allerdings in erster Linie Ostmark, und zwar 1,7 Millionen. Hinzu kamen 20.000 Märker Westknete. Pannewitz landete rasch dort, wo er sich am besten auskannte: statt Goldkante feinste, stabile Schwedenware. Bis heute ist übrigens ein Teil der Beute immer noch verschwunden. Später diente der Fall auch als Blaupause für den Streifen „Der Bruch“ mit Götz George.
Wie auch in den „Gentlemen“ verpasste das Skript den Filmfiguren neue Namen. Außerdem wurde die Handlung aus Budgetgründen in die frühen Sechziger verlegt, vor dem Mauerbau. Der Zweiteiler sackt vom Tempo her zwar manchmal etwas durch, ist aber überzeugend umgesetzt. So drehte man beispielsweise nicht nur im Studio, sondern auch an Außenlocations in Berlin, was viel Authentizität reinspült. Die Bruchszenen sind klasse und brauchen sich hinter internationalen Kinoproduktionen nicht zu verstecken. Der superanstrengende Durchstoß durch extrem harten und armierten Spezialbeton, das Aufschweißen der Schatzkiste unter Zeitdruck. Sehr dichte Atmo mit einer Kamera, die den Akteuren bis auf Zentimeter auf die Pelle rückt.
Dazu bleibt auch immer noch ein Platz für einen kleinen Scherz, wenn auch mit etwas dramatischen Akzenten. So bleibt der „Doktor“ als designierter Schränker des Teams quiekend im Durchbruch zum Tresorraum hängen. Zu fett und dann noch die Reste des Stahlgitters – ouch. So muss Brehmer selbst den Tresor knacken, obwohl er das Schweißgerät nur dilettantisch zu benutzen weiß. Die Darsteller sind allesamt große Klasse. Allen voran – rollenbedingt – der auf harte Hunde abonnierte Helmut Wildt und Horst Bollmann als charmanter Bonvivant.
Die Kamera führte Franz Xaver Lederle, der mit dem Österreicher Helmuth Ashley mehrmals zusammenarbeitete. Lederle fotografierte beispielsweise alle Filme der „Jerry-Cotton“-Reihe. Darüberhinaus bediente er unter anderem regelmäßig die Kamera für Rolf Olsen („Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“, „Blutiger Freitag“). Später gründelte er dann häufig in Softsex-Komödien-Produktionen. Musikalisch ist hier das Thema aus „Das Ungeheuer von London“ zu hören. Ein Streifen nach Bryan Edgar Wallace, der zwei Jahre früher entstanden war. Recycling ist halt oft budgetschonender. Während übrigens Horst Wendlandt mit Rialto die Edgar-Wallace-Streifen produzierte, waren Atze Brauner und CCC bei Bryan Edgar Wallace am Start.

Rating: $$$$$- (inklusive eines Liebhaber-Dollars)

Intro/Auschnitte:

Trailer

Screenshots

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien