Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Mit Schirm, Charme und Melone - The New Avengers

Der dauerschwelende Ost/West-Konflikt und Hi-Tech in den Händen von Superbösewichten stellen für England akute Bedrohungen dar. John Steed ist die Allzweckwaffe des britischen Geheimdiensts für die ganz speziellen Fälle wie Spionageabwehr und internationaler Terrorismus. Ihm zur Seite stehen der aktionsfreudige Mike Gambit und die selbstbewusste Purdey. Gemeinsam decken sie im Namen der Krone staatsgefährdende Intrigen, tödliche Mordpläne und weltbedrohende Gefahren auf und verbringen die Hintermänner in den Knast oder gleich in die Grube.

Info

OT:
The New Avengers
Serientyp: Serie (Staffeln: 2, Episoden: insg. 26)
Jahr/Sender:  76-77 / ITV (GB)
Dt. Erstausstrahlung:  12.1.1978
Laufzeit je Episode:  ca. 50 min
Intro-Theme:  Laurie Johnson
Hauptdarsteller:  Patrick Macnee, Joanna Lumley, Gareth Hunt

 

Hauptcharaktere:

John Steed::
In wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen und in Eton ausgebildet (dort allerdings aufgrund einiger pikanter Fehltritte heraus geschmissen worden), kam er während des Zweiten Weltkriegs über die Armee zum Geheimdienst. Der hoch intelligente Steed ist die Inkarnation des englischen Gentlemans. Sein Upper Class-Style ist jeder Situation angemessen; Unverkennbare Markenzeichen sind sein Bowler und der unentbehrliche Schirm. Auf Waffengebrauch verzichtet Steed so gut wie möglich, dafür ist er ein Großmeister im Fallenstellen. Steed arbeitet ohne übergeordnete Behörde, für seine beiden Assistenten ist er ein absolut vertrauenswürdiger Mentor. 

Purdey:
Nachdem die begabte Ballerina aufgrund ihrer Körpergröße das "Royal Ballet" verlassen musste, wandte sich Purdey mit ihren körperlichen Fähigkeiten den Kampfkünsten zu und wurde vom Geheimdienst engagiert. Sie reagiert selbstbewusst und souverän auch ohne Rückendeckung durch ihre Partner und bringt sich mit weitaus mehr als nur ihren weiblichen Reizen ein - die sie aber auch einzusetzen weiß.

Mike Gambit:
Der ehemalige Fallschirmjäger hatte eine kurzzeitige Rennfahrerkarriere, bevor er zu Steed stieß. Vertraut mit Vehikeln und Schusswaffen aller Art, ist er der "Muskel" der Gruppe. Der Charmebolzen ist jedem Flirt aufgeschlossen und versucht es auch immer wieder bei Purdey, die ihn aber regelmäßig abblitzen lässt.

Die Kritik des Sargnagels:

Mit "Mit Schirm, Charme und Melone" aka "The Avengers" landete der britische TV-Produzent und Autor Brian Clemens eine der erfolgreichsten internationalen Serien der '60er, die im europäischen Ausland und auch den USA mit besten Quoten lief. Nach einigen Besetzungswechseln und über 160 Folgen war der leckere Drops aber 1969 ausgelutscht; immer schwerer fiel es, die Frische der früheren Episoden aufrecht zu erhalten, und auch Hauptakteur Patrick Macnee war der Rolle überdrüssig. Nichtsdestotrotz lief die Serie nach der Einstellung in der Wiederholung noch bestens, derweil fiel Macnee in ein leichtes Karriereloch, und auch Clemens konnte den Erfolg mit anderen Serien (noch) nicht wiederholen. Clemens' Produktionsfirma "Mark One" - an der übrigens auch die englische Filmkomponisten-Legende Laurie Johnson beteiligt war - entschloss sich daher Mitte der '70er zu einem Revival, nachdem man vom unverzichtbaren Macnee grünes Licht bekam.
Inhaltlich blieb man beim bunten Potpourri aus Krimi, SciFi, Thriller und Eurospy, die Grundstruktur wurde 1:1 übernommen. Clemens wilderte für seine schrägen Stories wie schon bei den Ur-Avengers im großen B-Movie-Fundus. Da krabbeln dann wieder Alt-Nazis aus der Gruft, die Hitlers Leiche wiederbeleben wollen; Wissenschaftler entdecken ein Isotop, das organisches Material in Rekordzeit wachsen lässt und kippen aus Versehen die Suppe in den Gulli; ein durchgeknallter Professor kann mit einer Spezialflöte Vögel manipulieren und jagt das Federvieh auf die Konkurrenz. Daneben gibt's noch klassische Agenten-Ware, bei der die Avengers ins Visier feindlicher Geheimdienste geraten oder Supergangstern beim Abkochen die Suppe versalzen.
Tja, auch wenn man größtenteils auf Bewährtes setzte, das größte Problem für die Neuauflage war der gewandelte Zeitgeist. Die vorpreschenden Swinging Sixties, die maßgeblich den Charme der Ur-Serie prägten, waren lange perdü; eine Diana Rigg im schwarzen Latex-Catsuit konnte keine Provokation mehr darstellen, und ein Agent mit Bowler, Schirm und Waffenallergie wirkte angesichts der zeitgenössischen  Kriminaleinzelkämpfer wie "Dirty Harry" Callahan oder Commissario Betti wie ein Anachronismus. Englands '70er waren Zeiten der Stagnation, es herrschten wirtschaftliche Krisen, IRA-Terror, Rassismus. Alles nix für die Welt der New Avengers, der Steed aus der Upper Class wäre bei diesen brisanten Themen zwangsläufig ein parteiisch vorbelasteter Protagonist gewesen. Clemens ließ sie weiter in einer eigenen Blase agieren, die keinen Bezug zur Realität mehr hatte und flüchtete sich bei den Stoffen noch mehr in Richtung SciFi und Fantasy (übrigens eine Verfahrensweise, die auch James Bond durch die '70er trug). Bezeichnend: In der Folge "Sleepers" - eine der wenigen Episoden in urbanem Umfeld - sind Londons Straßen  aufgrund eines Nervengasanschlags menschenleer. "Die Profis", Clemens' Nachfolgeserie, die er schon während der "New Avengers"-Produktion entwickelte, waren dann in diesem Punkt das genaue Gegenteil und agierten wieder lebensnah an den akuten Brennpunkten.
Qualitativ ist leider zwischen erster und zweiter Staffel ein ziemlicher Unterschied spürbar; bewegen sich die Folgen von Staffel 1 zwischen gutem Durchschnitt und Extraklasse, lassen die Episoden der Staffel 2 nur noch gelegentlich Wallung aufkommen. Der Grund hierfür liegt größtenteils bei der Kohle. Schon vor der zweiten Staffel gestaltete sich die Finanzierung schwierig, nur mithilfe des französischen TV konnte die Produktion gesichert werden, für die letzten vier Episoden erbarmte sich noch ein kanadischer Sender unter der Bedingung, dort auch zu drehen - zu viele Köche verdarben den Brei. Bei Cast und Crew schwand stetig die Motivation, als klar war, dass es eh nicht weitergeht; die Kanada-Folgen sind einfach schlecht und die Abschluss-Episode "Emily" schon ein müder Witz.
Bei der Besetzung ging man ebenfalls keine Risiken ein. Patrick Macnee war als alles dominierender Steed gesetzt. Joanna Lumley wirkt wie eine Mischung aus den drei Steed-Girls der Original-Serie, was ihr schon wieder Eigenständigkeit unter den Damen gibt. Selten hat man damals eine Frau aktiver agierend in der Glotze gesehen, dabei musste sie sich nicht etlicher Bösewichte erwehren, sondern auch der vergeblichen Flirtversuche und sexistischen Komplimente ihrer Partner. Ihr einziger Makel: die Prinz Eisenherz-Topffrisur. Macnee hatte zum Zeitpunkt des Drehs schon 54 Lenze hinter sich und war für körperbetonte Action-Szenen nicht mehr einsetzbar, was Gareth Hunt die Rolle des Mike Gambit bescherte. Hunt macht die Chose ordentlich, selbst wenn sein Charakter von Anfang bis Ende stereotyp bleibt. Auch wenn er wie gesagt für die Dynamik im Team steht, der Gambit bleibt gegenüber seinen Partnern einfach bieder, bisweilen gesichtslos. Kein Vergleich zu den späteren "Profis" mit ihren ausprägten charakterlichen Stärken und Schwächen. Apropos: Martin Shaw und auch Lewis Collins gastieren als Terroristen-Team in der Folge "Obsession" und auch Laurie Johnson vertonte eine ganze Folge mit einer Abwandlung des Title Themes der kommenden neuen Serie.
Alles in allem hat sich die Neuauflage der Avengers mit leichten Abstrichen gelohnt und den Afficionados nochmals einen ordentlichen Satz unterhaltsamer Folgen beschert. In den 80ern stand dann noch einmal ein Revival im Raum, das glücklicherweise im Sand verlief, es wäre zur Farce verkommen. Die Wertungsspanne der einzelnen Episoden erstreckt sich von $$+ bis $$$$+, macht dann summasummarum insgesamt wohlwollende...

Rating: $$$$-

Intro/Auschnitte:

Intro 1

Intro 2

Szenenauschnitt

 

Screenshots

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien