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Filmausschnitt.

Info

OT: 
Nickelodeon

Jahr: USA/GB 1976
R, B: Peter Bogdanovic
B: W.D. Richter
K: Laszlo Kovacs
D: Ryan O’Neal, Burt Reynolds, Tatum O’Neal, Jane Hitchcock

Quelle: TV (ServusTV)

 

Inhalt

1910: L. Taylor Harrigan (Ryan O’Neal), nur genannt Leo, ist erfolgloser Scheidungsanwalt in Chicago, als er zufällig auf H. H. Cobb (Brian Keith) trifft, exzentrischer Chef der kleinen Filmproduktion „Kinematograph“. Der sucht immer neue Ideen und Talente, so dass Leo fast sofort seinen ersten Drehbuchauftrag im Sack hat. Schon bald ist er fest in Cobbs Team.
Die Kinematograph befindet sich wie alle Independents im Clinch mit den großen Fischen: Die haben sich zur „Patentgesellschaft“ zusammengeschlossen und machen den Kleinen gnadenlos das Leben schwer. Immer wieder zerstören Schlägertrupps der Patentgesellschaft Filmkameras und ganze Sets. Also ist Cobb nach Kalifornien ausgewichen, wo eine Mannschaft am Fließband verschiedene kurze Szenen abdreht, die Cobb zusammenschustert und in den Nickelodeons, kleinen Billigkinos, kommerziell verbrät.
Leider ist dort nun offensichtlich Sand ins Getriebe geraten, und Cobb beordert Leo nach Kalifornien, um nach dem Rechten zu sehen. Leo findet eine gestrandete Filmcrew vor, da sich der Regisseur mit dem gesamten Zaster auf Nimmerwiedersehen verabschiedet hat. Aber die Nickelodeons sind unersättlich: Cobb befördert Leo daher kurzerhand zum Regisseur, der nach Anfangsproblemen die Produktion tatsächlich wieder anlaufen lässt.
Inzwischen hat aber auch die Patentgesellschaft Wind von den Aktivitäten bekommen und schickt das Landei Tom „Buck“ Greenway (Burt Reynolds) vor Ort, um der Kinematograph in die Suppe zu spucken. Doch der unbedarfte Buck vermasselt den Job. Nach einer wüsten Keilerei werden er und Leo best Buddies, und Leo überredet Buck sogar, sein neuer Hauptdarsteller zu werden.
Film jedoch ist weniger Idealismus als knüppelhartes Business, was auch Leo und seine Mannschaft feststellen müssen.

Zitate

Leo: „Er könnte ihr Cousin sein.“ – Cobb: „Sie seine Cousine.“ – „Ich dachte eher, er ihr Cousin.“ – „Noch besser.“ – Zuhörer: „Ist das nicht dasselbe?“ – Cobb: „Unterbrechen Sie nicht. Der Mann hat wenigstens Fantasie.“ (So entsteht in der Straßenbahn ein Filmskript)

Frank (John Ritter): „Was soll ich machen? Schnitt?“ – Leo: „Bist du verrückt?? Weiter drehen!“

Die Kritik des Gunslingers:

Peter Bogdanovich, von Haus aus Filmkritiker und Filmhistoriker mit Hang zu den Klassikern, hat seit Beginn seiner eigenen Regiekarriere immer wieder bewiesen, dass er Kino sozusagen inhaliert hat. Bewegte er sich in seinen ersten erfolgreichen Streifen wie „Is‘ was Doc?“, „Die letzte Vorstellung“ oder „Papermoon“ auf den Spuren von John Ford und Howard Hawks, sprang er mit „Nickelodeon“ zurück in die Anfangszeit des kommerziellen Films.
Bogdanovich lässt in seinem liebevoll ausgestatteten Streifen eine Zeit auferstehen, in der im noch jungen Filmgeschäft alles möglich war. Wilde Pioniertage, in denen prinzipiell jedem mit Ideen und Ehrgeiz die Türen offen standen. Damit schlägt Bogdanovich auch vom Geist eine Brücke zum von ihm besonders geschätzten Western. Diese Tage neigten sich in den USA spätestens 1915 dem Ende entgegen: David W. Griffith führte mit dem bis heute hochumstrittenen „Intolerance“ einen neuen Standard ein in Sachen Filmlänge, Erzählstruktur und Produktionsaufwand. Nicht umsonst lässt Bogdanovic seinen eigenen Film mit der Uraufführung von „Intolerance“ enden. In Europa war man übrigens dieser Entwicklung rund zwei Jahre voraus. Hier hatten beispielsweise die Italiener unter anderem mit „Quo vadis?“ die ersten Monumentalfilme abgeliefert.
Die Machart des Streifens ist seinem Thema angemessen: Zu solitären Pianoklängen verfolgen wir die Geschicke der Protagonisten, die sich zum Teil in bester Slapstick-Manier durch die Handlung bewegen. Klassische Scherze mit herumliegenden Farbeimern, Brettern, die auf Ommen schlagen oder auch Tortenaction werden gruppiert mit Wettrennen Auto/Fesselballon/Güterzug. Dabei zitiert Bogdanovich Vorbilder wie Buster Keaton oder frühe Hal-Roach-Komödien nahezu wörtlich. Hinzu kommen seine eigenen Filme: So diente „Is‘ was Doc?“ als Vorbild für die auch hier stattfindende Kofferverwechselung. Einzelne Einstellungen werden zudem stilecht mit Zwischentiteln versehen und durch Irisblenden getrennt.
Mit Ende der Kalifornien-Episode ändert der Streifen dann seine Tonart und flechtet zunehmend Molltöne ein, was für meinen Geschmack nicht so recht passen will. Trunksucht, ausbeuterische Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt Gefühliges treten immer stärker an die Stelle der deftigen Comedy-Elemente. Ein echter Stimmungsbruch. Dennoch ein sentimentaler Spaß, der bei mir ungeachtet der zahlreichen Unkenrufe vieler Kritiker und trotz der etwas zu langen Laufzeit seinen Zweck erfüllt hat.

Rating: $$$$

Splatter:

1/10