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Norwegian Ninja

Info

OT: 
Kommandør Treholt & Ninjatroppen

Jahr: NOR 2010
R: Thomas Cappelen Malling
B: Thomas Cappelen Malling
K: Trond Høines
M: Gaute Tønder
D: Mads Ousdal, Jon Øigarden, Trond-Viggo Torgersen, Linn Stokke, Amund Maarud

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Während des kalten Krieges stand Europa im Zentrum und an der Nahtstelle des Konflikts, die Grenze des Nato-Bündnis zum Warschauer Pakt verlief von Skandinavien bis ans schwarze Meer. Um Bündnistreue und politische Stabilität auch in Krisenjahren zu sichern, ersann die CIA in den 50er-Jahren das Konzept sogenannter "Stay Behind"-Armeen in den jeweiligen Brennpunktländern und neutralen Staaten. Diese sollten bei Umsturzversuchen gegensteuern und im Besatzungsfall als sofort schlagkräftige Guerilla-Armee fungieren. Mit Waffen und Equipment unterstützt von der CIA, gedeckt und organisiert von den Geheimdiensten der Länder. Mit dem Aufkommen des Linksterrorismus kam ein neues Tätigkeitsfeld hinzu: Attentate und Entführungen wurden durchgeführt, um sie den Linksextremisten unterzujubeln bzw. um die politische Lage zu destabilisieren, damit die Bürger konservative, stramm antisozialistische Parteien wählen.
Bis Anfang der '80er-Jahre sah man in Norwegen solchen Umtrieben gelassen entgegen; die politische Neutralität, die Ölvorhaben und der legendäre Monarch König Olav (Trond-Viggo Torgersen) verströmten Sicherheit im Volk.
Eben jener König Olav - und hier beginnt die Fiktion - hält sich zur eigenen Sicherheit (und für Grillabende und Bierchen Picheln) auf der beschaulichen Insel Gressholmen im Oslofjord eine kleine, aber feine Elite-Einheit: die "Ninjatroppen" unter der Führung des Kommandør Arne Treholt (Mads Ousdal). Arne Treholts Truppe hat die asiatische Ninja-Kampfkunst und -Philosophie perfekt mit der norwegischen Kultur verschmolzen: Neben Selbstverteidigung und Tarnmethoden gehören auch Feng Shui sowie Landschafts- und Tierpflege zum täglichen Trainingsprogramm. Und natürlich Grillen und Bierchen Picheln. Hat Ähnlichkeit mit einer Hippie-Gemeinde.
1984 tritt allerdings der Unternehmer Otto Meyer (Jon Øigarden) auf den Plan, der in den letzten Jahren eine hochmoderne High Tech-Untergrundarmee in Norwegen aufgebaut hat. Meyer versucht nun, die allgemeine Verunsicherung in Skandinavien auszunutzen, nachdem vor Schweden ein russisches U-Boot auf eine Sandbank aufgelaufen ist. Ziel ist es, die neutralen Norweger für US-amerikanische Militärbasen gewogen zu stimmen, was wiederum den patriotischen Ninjas überhaupt nicht schmeckt. Nach einem Anschlag auf einen Osloer Bahnhof ist Meyers nächstes Ziel eine Bohrplattform; die Ninjatroppen können das Attentat nicht verhindern und erleiden ihrerseits herbe Verluste, denn auch Gressholmen lässt Meyer kurz darauf bombardieren.
Als Nächstes plant "Stay Behind" nun einen Flugzeuganschlag auf Oslos Rathaus und parallel dazu, König Olav und den lästigen Ninjatroppen den Gnadenstoß zu versetzen - aber Treholt hat noch ein paar passende Philosophien im Köcher und rüstet sich zum Gegenschlag...

Zitate

Treholt:

"Ein echter Ninja sorgt dafür, dass die unwissende Masse unwissend bleibt."

"Ich will das Video von der Explosion ... dazu einen Videorekorder und einen Fernseher."

Die Kritik des Sargnagels:

Mit dem in den letzten Jahren gern benutzten Genre-Titel "Fake-Trash" kann ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen, handelt es sich doch bei den meisten Streifen um ebenso mit niedrigen Budget erstellte Hommagen an vergangene B- und Exploitation-Genres. Ob bei den französischen OSS 117-Streifen, der Tarantino-Rodriguez-Grindhouse-Combo oder dem schon Kultstatus erlangten Blaxploiter "Black Dynamite" - da wollten Filmschaffende nicht irgendetwas faken und verulken, da stecken 'ne Menge Herzblut und cineastischer Einfluss bei den Beteiligten dahinter.
So scheint das auch bei "Norwegian Ninja" zu sein; hier hat ein Grüppchen norwegischer Debütanten und Jungspunte ihrem Faible für die asiatische Geheimphilosophie und deren populären Actionfilm-Ablegern der späten '70er/frühen '80er offensichtlich freien Lauf gelassen.
Die Story strickt sich um die realen Arne Treholt, der 1984 wegen Spionage für die Russen zu einer hohen Haftstrafe verurteilt wurde, und Otto Meyer, einen norwegischen Industriellen, der ab Ende der 70er in "Stay-Behind"-Aktivitäten verstrickt war. Treholts Wirken und Auffliegen gilt bis heute als einer der größten norwegischen Skandale und ist von Mythen umrankt. Auch die "Stay Behind"-Armeen, aka "Operation Gladio", haben einen existierenden Hintergrund: Die Geheimdienstler operierten in ganz West-Europa und in den 70ern vor allem in Italien, wo sie Gladio-Anschläge angeblichen "Roten Zellen" in die Schuhe schoben, um antikommunistische Stimmung zu schüren.
Thomas Cappelen Malling bastelte dem Renegaten Treholm eine neue Vita und schwupps wurde aus dem Verräter augenzwinkernd ein geheimaktiver Ninja-Kommandeur mit Sondermission. In etwa so, wie wenn man heute in Deutschland einen Agententhriller drehen würde und der Hautprotagonist wäre Uwe Barschel als bester Mann des BND - das hat schon was Pythoneskes.
Und so zieht sich das auch schön die ganzen 77 knallepropp gefüllten Minuten durch. König Olav ist als Privatmann ein sympathischer StiNo, der sich auch mal eine intellektuelle Auszeit nimmt; die Waffenkämmerin der Ninjas, Ragnhild Umbraco (Linn Stokke), lebt einsam in den Lofoten und vernascht alles, was sich in ihre Hütte verirrt; der "Auserwählte" der Truppe ist der trottlig-naive und pazifistische Hummel (Amund Maarud) und für einen prolligen Superbösewicht wie Otto Meyer gibt's IMO keine Blaupause in der Filmgeschichte.
Hervorstechend sind Look und Atmo des Streifens. Der totale Bombast - für dreimarkfuffzich in bar. Scherzi aparte, die Produktionskosten beliefen sich zwar auf umgerechnet grob 2,5 Mio.€, aber das reicht ja nicht mal für das Intro des nächsten Bond. Aus der Not wurde Tugend, und mithilfe einer kleinen, aber feinen Technik- und CGI-Crew wurde in dem Film auch wirklich alles möglich, sieht halt nur nicht so aus wie üblich ;-) Trotzdem: Hier wird der visuelle Overkill zelebriert, von 70er Jahre Farbfiltern, Bluescreen-Szenen, Slitscreens, gefakten und echten TV-Einsprengseln, Explosionen in H0-Landschaften bis zu - und hier wird's schon ein bissle fake-trashig, ok - den an Fäden hängenden Flugvehikeln. Und, ach ja, es wird geraucht.
International bekannte Schauspieler sucht man hier vergebens, was jedoch der Qualität überhaupt keinen Abbruch tut. Die Hauptptrotagonisten sind Profis aus heimischen Gefilden und hatten offensichtlich viel Spass am Job; der Nebencast zwar größtenteils debütierend bzw. von der Laienspielschar, aber eh kaum mit Dialog ausgestattet.
Musikalisch untermalt wird das Ganze mit einem spacigen 80er-Jahre Synthi-Score à la "Captain Future" meets the "Eye of the Tiger" - Disco Inferno!
Ich könnte hier noch viel mehr sezieren - das Ding ist ein wahres Füllhorn an Details, jede Szene ist sehr liebevoll umgesetzt, trotz der kurzen Spielzeit kommt's einem wie ein Neunzigminüter vor. Insgesamt versprüht der Streifen bei mir den Charme der frühen Peter-Jackson-Filme, auch wenn man sie nicht direkt vergleichen kann - dafür gibts heute einfach noch mehr technische Möglichkeiten als vor 25 Jahren. Wieder mal Daumen hoch für Skandinavien!

Rating: $$$$$- Trash: $$$$$ (SN) / $$$$+ Trash: $$$$$ (GS)

Splatter:

3/10

 

 

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