Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Overnight

Info

OT: 
Overnight

Jahr: USA 2003
R: Mark Brian Smith, Tony Montana
B: Mark Brian Smith, Tony Montana
K: Mark Brian Smith
M: Duotone Audio Group

Quelle: DVD (Capelight). Dank furs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Troy Duffy ist mit seiner Band „The Brood“ aus Boston an die Westküste umgezogen, um die Truppe hier zu Ruhm und Ehre zu führen. Doch Erfolg stellt sich nicht ein, und Duffy jobbt als Barkeeper in einer Bar in West Hollywood.
Doch 1997 dann ändert sich alles: Duffy, der in seiner Freizeit an einem Drehbuch geschwiemelt hat, kriegt auf einmal ein Angebot vom mächtigen Miramax-Boss Harvey Weinstein. Der nämlich ist begeistert: Er bietet Duffy nicht nur 300 Riesen für ein fertiges Skript. Darüber hinaus darf er Regie führen mit einem märchenhaften Budget von 15 Millionen Dollar, und „The Brood“ sollen den Score liefern. Die Kneipe will Weinstein zudem erwerben und Troy als Mitinhaber und Geschäftsführer ins Boot nehmen.
Duffy, der schnell zum neuen Darling Hollywoods aufsteigt und in den Medien als kommender Tarantino abgefeiert wird, kommt mit dem Erfolg nicht klar. Sei ohnehin vorhandener Hang zur Selbstüberschätzung steigert sich ins Groteske: So glaubt er alle Ernstes, das ihm von nun an de Niro und Co. die Türe einrennen, ihm gar „die Eier einzeln ablutschen würden“, um in seinem Streifen mitzumachen.
Er verprellt nahezu sein gesamtes Umfeld, und noch 1997 ist Schluss: Weinstein steigt aus, und auch der avisierte Plattendeal platzt. Zwar kann Duffy bei einem Independent-Studio unterschlüpfen und seinen Film ab Mitte 1998 doch noch realisieren, und auch „The Brood“ kriegen einen Vertrag bei einem Sublabel von Atlantic. Doch das war’s: Der Film „The Boondock Saints“ ("Der blutige Pfad Gottes") findet keinen US-Verleih und kommt lediglich in die Videotheken. Das im Jahr 2000 als The Boondock Saints veröffentlichte Debüt-Album der Band floppt dermaßen, dass Atlantic die Gruppe feuert. Fine.

Zitate

„He’s just gonna be so super big, because his mind is so super big.” (Solche Äußerungen wie die von Troys kleinem Bruder Tyson fördern nicht gerade die Bodenhaftung)

Troys öffentlich kundgetane Meinungen über "Kollegen":

„I hate Keanu Reeves.“

„Ethan Hawke is a talentless fool.“

Die Kritik des Gunslingers:

Die Macher dieser Doku, Troys alte Kumpel Smith und Montana, waren ursprünglich von ihm angeheuert worden, um ihn filmisch auf Schritt und Tritt zu begleiten sowie „The Brood“ zu managen. Herausgekommen ist allerdings ein hoch spannendes Dokument des Scheiterns auf der ganzen Linie.
Dabei verlassen sich Smith und Montana in erster Linie auf Bilder und O-Töne und halten sich mit eigenen Äußerungen oder gar Kommentaren zurück. Duffy, der sich anscheinend stets für einen Auserwählten hielt, dreht allmählich völlig ab. Er wird nicht müde, seine Wegbegleiter – sei es in der Band, sei es aus dem Film-Dunstkreis - runterzumachen und ihre Leistungen zu schmälern.
In einem der Höhepunkte des Streifens feuert er Smith und Montana als Band-Manager und verweigert ihnen zudem die Bezahlung, die sie seiner Meinung nach eh’ nicht verdient haben. Als Doku-Filmer bleiben sie allerdings weiter dabei, auch wenn sie lediglich sehen wollen, wie sich Duffy immer weiter isoliert und schließlich ganz rauskatapultiert. Dabei ist es beispielsweise faszinierend zu beobachten, wie sich etwa der Umgangston der einstigen Band-Freunde abkühlt und der „Inner Circle“ langsam in sich zusammen fällt.
Doch der sich steigernde Größenwahn Duffys der zudem durch Medien und Bekannte – von Mark Wahlberg über John Goodman bis hin zu Patrick Swayze, Emilio Estevez oder Jeff Goldblum – kräftig befeuert wird, ist nur eine Seite der Medaille. Staunend schauen wir zu, wie sich Troy immer tiefer in die Scheiße reitet und dabei völlig beratungsresistent ist. Auf der anderen Seite erleben wir auch, was passiert, wenn man es sich mit den mächtigen Strippenziehern in der Branche verscherzt. Wahrscheinlich hatte auch Harvey Weinstein seine Einflüsse spielen lassen, damit die US-Verleiher „The Boondock Saints“ links liegen ließen und Duffy nur schwer hin und wieder einen Job im Business erhielt. Ein feines Stück Kino auch übers Kino.
„The Boondock Saints 2“ erfuhr nach jahrelangen Dreharbeiten 2009 sogar eine Kinosauswertung.

Rating: $$$$$

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien