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Runaway Train

Info

OT: 
Runaway Train
AT:
Express in die Hölle

Jahr: USA 1985
R: Andreij Konchalovskiy
B: Andreij Konchalovskiy, Djordje Milicevic, Paul Zindel, Edward Bunker, Akira Kurosawa (Vorlage)
K: Alan Hume
M: Trevor Jones
D: Jon Voight, Eric Roberts, Rebecca De Mornay, John P. Ryan, Edward Bunker

Quelle: DVD (MGM)

 

Inhalt

Nach über drei Jahren kommt Oscar "Manny" Manheim (Jon Voight) aus der Einzelhaft im Hochsicherheitsknast in Stonehaven, Alaska. Seine Privatfehde mit dem Gefängnisleiter Ranken (James P. Ryan) hat ihn ins fensterlose Loch gebracht, seither gilt er als Legende unter den Knackis. Zwar haben die verschärften Bedingungen keine psychischen und physischen Schäden bei Rankens Edelhäftling hinterlassen, doch Manny weiß, dass ihn sein Kontra irgendwann demnächst ins Grab bringen wird und strebt nach Ausbruch.
Sein Freund Jonah (Edward Bunker) hat die Flucht schon in die Wege geleitet, der junge Buck (Eric Roberts) soll Manny in einem Wäschekorb versteckt aus dem Zellentrakt zu einem Generatorhäuschen führen, von dem aus durch einen Gulli-Zugang in die Abwässerkanäle die Freiheit winkt. Spontan entschließt sich Buck, ebenfalls stiften zu gehen und folgt seinem Idol durch die Kloake. Halberfroren schaffen es die Beiden bis zu einem Güterbahnhof, decken sich in einem leerstehenden Kabuff mit neuen Klamotten ein und suchen sich einen Zug zur Weiterreise aus.
Manny wählt ein Gespann aus vier mächtigen Dieselloks, dass sich vollgetankt zur Ausfahrt bereit macht. Die beiden Ausreißer springen auf den letzten Wagen auf, verstecken sich in einem kleinen Stauraum und reiben sich schon vorfreudig die Griffel, doch von ihnen unbemerkt verstirbt auf der vordersten Lok der Zugführer kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs an einem Herzinfarkt.
Während sich die beiden blinden Passagiere mit laufender Fahrzeit über überfahrene Signale und den Speed des Zuges wundern, bricht in der Leitzentrale der Bahngesellschaft Panik aus. Der Zug ist viel zu schnell für anstehende Streckenpassagen, nur Sekundenbruchteile verhindern eine fatale Kollision mit einem entgegenkommenden Zug, der glücklicherweise nur am letzten Waggon gestreift wird.
Als die Eisenbahnarbeiterin Sara (Rebecca de Mornay), ebenfalls unfreiwillige Mitfahrerin, zu Manny und Buck stößt, klärt sich für die Flüchtlinge endgültig die Sachlage. Gemeinsam entkoppeln sie die Triebwagen, um die Geschwindigkeit zu verringern, scheitern allerdings an der vordersten Lok, deren Kupplung aufgrund fehlender Reling nicht zu erreichen ist.
Inzwischen hat die Bahngesellschaft die Rettung des Zuges aufgegeben und ihn auf ein totes Gleis manövriert, um eine Katastrophe in einem an der Bahnlinie liegenden Chemiewerk zu verhindern. Sehr zum Missfallen von Ranken, der mit Manny unbedingt noch abrechnen möchte, bevor dieser in einem entgleisten Wrack den Löffel abgibt...

Zitate

Ranken: "Für dich gibt's nur einen Weg hier raus: im Plastiksack."

Manny: "Wenn du in der Lage bist, soviel Dreck zu fressen, wirst du auch Präsident der Chase Manhattan Bank oder von Ford!"

Die Kritik des Sargnagels:

Der "Express in die Hölle" war ursprünglich vom japanischen Regie-Granden Akiro Kurosawa angedacht worden, der jedoch mehrfach an der Umsetzung scheiterte. Als er auch noch mit den amerikanischen Geldgebern in Unstimmigkeiten geriet, legte Kurosawa das Projekt ad acta. Die Cannon Group der israelischen Cousins Menahem Golan und Yoram Globus engagierte daraufhin den Russen Andreij Konchalovskiy, einen Tarkowski-Spezi und im Sowjet-Reich einer der führenden Regisseure.
Konchalovskiy kam Mitte der 80er nach Hollywood und hatte schon mit dem Erotikdrama "Maria's Lovers" an der Kinokasse und im Feuilleton aufhorchen lassen. Das Skript von Kurosawa ging nochmals zwecks Überarbeitung durch die Hände von Djordje Milicevic (ausbruchserfahrener Autor von John Hustons "Flucht oder Sieg"), Paul Zindel (mit dem Konchalovskiy schon bei "Maria's Lovers" zusammenarbeitete) und Edward Bunker. Letzterer - er saß vor seiner Schauspielkarriere selbst jahrelang wegen Raub und anderer Delikte in San Quentin ein und erlangte mit seinem semibiografischen Roman "Wilder als ein Tier" ("No beast so fierce") u.a. durch James Ellroy literarische Weihen - bearbeitete die Story auf die nötige Credibility und übernahm auch selbst eine Nebenrolle.
Namedropping galore - da könnte man meinen, dass zuviele Köche auch den Brei verkochten. Mitnichten. Nun ist mir das ursprüngliche Skript nicht bekannt, kann mir aber nur schwerlich vorstellen, was an Kurosawas Vorlage noch besser gewesen sein soll. Sicher wäre der Streifen unter der Hand des Japaners ein anderer geworden, doch Konchalovskiy bekam das Ding auch auf seine Weise zu bester Zufriedenheit gewuppt.
Schon die einleitende Gefängnis-Sequenz setzt die ersten Glanzlichter bei der Einführung der Protagonisten und wäre eines "echten" Knast-Thrillers ebenfalls würdig gewesen. Den Hauptpart nimmt allerdings die Flucht auf dem Diesellok-Gespann ein. Handgemachte Action und gefährliche Stunts der obersten Güteklasse wechseln sich ab mit geradezu Kammerspiel-artigen Sequenzen in den Führerkanzeln der Loks und der Leitzentrale der Bahngesellschaft.
Die Dreharbeiten in den winterlichen Gegenden von Montana und Alaska müssen auch für die Schauspieler eine regelrechte Tortur gewesen sein; Voight, Roberts und Ryan überzeugen dabei nicht nur durch ihre physischen Aktivitäten, sondern fackeln auch erstklassige Mono- und Dialoge ab und geben ihren Charakteren eine Tiefe, die man bei den üblichen Protagonisten der einschlägigen Actionkracher der 80er vergeblich sucht.
Voight wollte sich mit der Rolle des Manny - ein Charakter im Stile klassischer Vorbilder wie Käpt'n Ahab oder Wolf Larsen - vom Image des semmelblonden Softies loslösen, legte ein paar Muckies auf und verbrachte als Vorbereitung sogar ein paar Tage freiwillig im Gefängnis. Das Ergebnis kann sich sehen lassen; er begeistert mit intensiven, urgewaltigen Ausbrüchen und setzt in jeder Szene Wirkungstreffer. Eric Roberts, älterer Bruder von Julia, galt 1985 als einer der heißesten Insidertipps in Hollywood und bestätigte die Vorschusslorbeeren mit der glaubhaften Darstellung des großschnäuzig-naiven Buck, der angesichts der existentiellen Situation sich selbst zu erkennen lernt. James P. Ryan gibt sich keine Blöße als sadistischer, misantropischer Anstaltsleiter; er hat zwar naturalmente weniger Screentime als Jon Voight, gibt aber allzeit einen würdigen Gegenspieler ab. Ryan war eine der charismatischsten Fiesfressen des US-TVs und leider viel zu selten für den Silver Screen gebucht, der Gefängnischef Ranken dürfte das Highlight seiner Karriere darstellen. In einer kleinen Nebenrolle gibt übrigens Danny Trejo - ein ehemaliger Knastkollege von Bunker - sein Leinwand-Debüt und war auch Box-Consultant für Eric Roberts.
Fazit: Hier bekommt man's 110 Minuten lang bestens besorgt und das in allen Kategorien. Höchstwertung für einen der besten Streifen der 80er.

Rating: $$$$$

Splatter:

4/10

 

 

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