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Steiner - Das Eiserne Kreuz

Info

OT: 
Steiner - Das Eiserne Kreuz

AT:
Cross of Iron

Jahr: D/USA 1977
R: Sam Peckinpah
B: Julius J. Epstein, Walter Kelley, James Hamilton, Willi Heinrich (Roman "Das geduldige Fleisch")
K: John Coquillon
M: Ernest Gold
D: James Coburn, Maximilian Schell, James Mason, Klaus Löwitsch, Vadim Glowna, Burkhard Driest, Dieter Schidor, Senta Berger

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

WW2, Ostfront 1943: Auf der Halbinsel Taman am Fuße des Kaukasus halten die deutschen Truppen die Stellung, um nach den militärischen Pleiten den Rückzug vor den herannahenden Russen zu decken. Während die Landser schon den schnellen Truppenabzug herbeisehnen, taucht im allgemeinen Kriegstreiben der standesdünkelnde Hauptmann Stransky (Maximilian Schell) auf. Stransky, Spross einer preussischen Offiziersfamilie und bisher nur im Hinterland eingesetzt, ist geil nach Orden und will sich an der Front im Kampf gegen die rote Armee das Eiserne Kreuz verdienen.
Bei seiner Ankunft im Unterstand rasselt er stantepede mit Feldwebel Steiner (James Coburn) aneinander, der nach einigen Kriegsjahren schon lange nix mehr von Sieg und Ehre hören will und mit seinem Aufklärungs-Zug (u.a. Klaus Löwitsch, Vadim Glowna, Burkhard Driest, Dieter Schidor) täglich ums Überleben kämpft.
Und schon beim ersten russischen Angriff kneift Stransky und hat die Hosen voll, während Leutnant Meyer (Igor Galo) den erfolg- wie verlustreichen Gegenangriff einleitet. Meyer beißt dabei ins Gras, Steiner landet schwerverletzt im Lazarett.
Kaum genesen, lässt er den eigentlich gewährten Heimaturlaub sausen und meldet sich wieder bei seinem alten Zug. Inzwischen hat Stransky bei Oberst Brandt (James Mason) seine eigene Version des Gegenangriffs geschildert, bei der er heroisch an vorderster Feindeslinie den Russen zurückgeschlagen hat. Gestützt wird diese Lüge durch den devoten Leutnant Triebig (Roger Fritz), den Stransky mit dessen Homosexualität erpresst. Steiner widerlegt zwar Stranskys Story bei Brandt, stellt sich aber nicht als Zeuge für ein Kriegsgerichtsverfahren gegen ihn zur Verfügung, da er durchweg alle Offiziere und die Wehrmacht hasst. Stransky kommt zwar dadurch ohne Konsequenzen davon, kann sich aber das Eiserne Kreuz abschminken und hat bei den Vorgesetzten verschissen.
Als das Oberkommando endlich den Rückzug von der Halbinsel anordnet, lässt er aus persönlicher Rache Steiners Zug unwissend zurück. Der muss sich nun hinter feindlichen Linien zu den deutschen Stellungen zurückschleichen...

Zitate

Leutnant Kiesel (David Warner): "Steiner ist ein Mythos. Aber Männer seines Kalibers sind unsere letzte Hoffnung. Und wenn man es so sieht, ist er ein wirklich gefährlicher Mann."

Stransky: "Der Unterschied liegt vor allen in der ethischen und intellektuellen Überlegenheit, und die gründet sich nun mal, ob es Ihnen passt oder nicht, auf das Blut und den Klassenunterschied." - Steiner: "Also wenn ich mich noch recht erinnere, war Kant der Sohn eines Sattlers und Schuberts Vater war ein armer Lehrer."

Die Kritik des Sargnagels:

Wolf C. Hartwig beackerte seit den frühen Fuffzigern mit seiner Rapid Film-Produktion den deutschen B-Movie-Sektor, immer im Schatten der Produktionsmagnaten Wendlandt und Brauner, bis er mit seinen Schulmädchen- und Sonstwas-Reporten auf eine wahre Bonanza stoß. Die billig produzierten Softsex-Streifen im pseudo-dokumentarischen Gewande spülten ihm zig Millionen Märker ins Portemonnaie und füllten seine "Kriegskasse", um es endlich auch mit den beiden großen Film-Oligarchen aufnehmen zu können. Für "Steiner" kratzte er insgesamt 16 Million Mark zusammen, damals die teuerste deutsche Nachkriegsproduktion; er engagierte mit Sam Peckinpah ein heißes US-Eisen auf dem Regie-Sessel und spickte den Cast mit Weltstars à la Coburn und Mason. Dazu gesellte sich mit Maximilian Schell, Senta Berger, Klaus Löwitsch, Vadim Glowna, Burkhard Driest und Dieter Schidor eine Auswahl der deutschsprachigen Darsteller-Créme der 70er, viele davon z.B. mit Fassbinder-Erfahrungen. Das Drehbuch entstand nach der semibiografischen Romanvorlage "Das geduldige Fleisch" von Willi Heinrich, einem vor allem im Ausland bekannten Antikriegsroman.
Alles in allem also würzige und schmackhafte Zutaten, die Peckinpah in der Feldküche veredeln durfte. Und im Großen und Ganzen ging Hartwigs "Klotzen statt Kleckern"-Devise auch auf. Die Rolle des renitenten Feldwebel passt voll ins Rollen-Spektrum von James Coburn, der auch Schräges wie die Tagtraum-Sequenz im Lazarett hervorragend meistert. Großes Lob muss man Maximilian Schell zollen, der bei seinem Hauptmann Stransky von überheblicher Arroganz über intrigante Hintertriebenheit bis zu trottliger Inkompetenz alles drauf hat. Peckinpah inszenierte mit dem nötigen Siff und Dreck; es staubt und matscht ohne Ende, die Atmo ist so feindselig wie der Inhalt des Streifens. Hier macht Peckinpah seinem Spitznamen "Bloody Sam" alle Ehre und hält voll drauf. Aufgerissene Körper fliegen in Zeitlupe durch die Luft und der Verbrauch an FX-Blutpäckchen dürfte sogar den aus "The Wild Bunch" übertroffen haben. Visuell gehört "Steiner" sicher zu Peckinpahs stärksten Werken.
Hier liegt allerdings auch ein Malus des Streifens. Dem Antikriegscharakter der Vorlage wird der Film leider nur teilweise gerecht. Klaro, zur Darstellung von Krieg gehört auch Tod und Gewalt, bei "Steiner" jedoch merkt man schon, dass im Gegensatz zur Action die inhaltstransportierenden Szenen etwas stiefmütterlich behandelt wurden. Grade die Charakterzeichnung von Steiners Zug ist trotz der hochklassigen Schauspieler IMO zu stereotyp und oberflächlich geworden, das hat schon was von Perlen vor die Säue. Grade mal Klaus Löwitsch und Vadim Glowna dürfen mal kurz Gefühle zeigen, dann war's auch schon gut. Die Dialog-Szenen unter den Offizieren, immer mal wieder als inhaltlicher Kitt eingestreut, sind beliebig und zu eintönig inszeniert mit hohem Sülzfaktor. Die Hälfte der Zeit sieht man James Mason mit dem Feldtelefon am Lauschlappen Befehle erteilen, in der anderen bechert er sich mit David Warner eine Pulle Rheinhessischen nach der anderen. Steiners Lazarett-Aufenthalt mit oben erwähnter Tagtraum-Sequenz, an und für sich eindrucksvoll umgesetzt, wirkt im Mittelteil wie ein angeflanschter Fremdkörper, weil einfach die Anschlüsse fehlen. Steiner ist vor- und nachher charakterlich derselbe und die Liäson mit der Krankenschwester (Senta Berger) bleibt genauso folgenlos. Das Thema "Kriegsverbrechen der Wehrmacht", die vor allem an der Ostfront geschahen und hinlänglich bekannt waren, wurde auch anno '76 nicht angepackt. Letztlich bleibt über, dass eine gesamte Generation in einem sinnlosen Krieg von Eigeninteressen gelenkten Großkopferten verheizt wurde. Die allgemeine Schuld dieser Generation bleibt allerdings außen vor.
Trotz der - O.K., nicht "kriegsentscheidenden" - Makel und dem Umstand, dass Peckinpah das Budget überzog und hinten raus das Drehbuch nochmals umschreiben musste, wurde "Steiner" weltweit ein veritabler Kassenhit; der ehemalige Schmuddelfilmer Hartwig kassierte dafür einen Bambi und die goldene Leinwand. Mission accomplished.

Rating: $$$$

Splatter:

4/10

 

 

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