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Info

OT: 
Supermarkt

Jahr: D 1974
R, B: Roland Klick
B: Georg Althammer, Jane Sperr
K: Jost Vacano
M: Peter Hesslein
D: Charly Wierzejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut

Quelle: TV (ZDF kultur)

 

Inhalt

Willi Hansen (Charly Wierzejewski) ist 18 und das, was man einen Streuner nennt: keinen Bock auf Job oder sonst so’n bürgerlichen Scheiß. So schlägt er sich auf dem Kiez von St. Pauli durch, indem er Klofrauen die Trinkgeldteller klaut oder in Kneipen lange Finger macht. Die Dinge nehmen Fahrt auf, als Willi nach einem Überfall auf eine Frittenschmiede unschuldig in eine Massenfestnahme von „Gammlern“ gerät. Ihm gelingt die Flucht aus dem chaotischen Polizeirevier, wobei er einen Cop leicht verletzt, was ihm endgültig einen Platz auf der Fahndungsliste einbringt.
Die nächsten Tage sind geprägt durch Begegnungen. Da wäre erstmal der Journalist Frank Bender (Michael Degen), der nicht nur an einer Serie über jugendliche Dropouts arbeitet, sondern Willi wieder in die Spur bringen will. Dann gibt’s noch den großspurigen Kleinkriminellen Theo (Walter Kohut), der vom großen Coup träumt und Willi richtig in die Scheiße reiten wird. Schließlich die Nutte Monika (Eva Mattes), deren kleiner Sohn im Heim lebt und mit der Willi tatsächlich sowas wie verquere Zukunftspläne schmiedet.
Doch am Ende holt Willi der Haftbefehl wieder ein und drückt ihn endgültig unter Wasser. Zusammen mit Theo zieht er das „große Ding“ durch: den Überfall auf die Tageseinnahmen eines Supermarkts.

Zitate

Polizist: „Beim nächsten Mal gehst du zu Bruch, Junge. Mit Leuten wie dir werden wir ganz schnell fertig.“

Monika: „Ich brauch‘ das manchmal, dass mir einer eine langt.“

Theo: „Los, geh! Lass dich resozialisieren.“

Die Kritik des Gunslingers:

Was in den Händen eines anderen Regisseurs wohl rasch in ein schwerblütiges Sozialdrama abgeglitten wäre, gerät unter Roland Klick zu einem flotten Genrefilm. Auffällig ist hier der dokumentarische Stil, der den Streifen sich vollsaugen lässt mit Lokalkolorit bis zur Sättigung. Die Kamera klebt an Willis Hacken, begleitet ihn durch graue Straßen, über die nächtliche Reeperbahn, in vergammelte Hinterhofbutzen. Dazu befleißigen sich die Protagonisten eines rauen Tones. Eher brutal als herzlich. Ein fast schon historischer Rückblick in die 1970er, die hier so verdammt farb- und trostlos erscheinen.
Der Film hält sich nicht mit Erklärungen auf, sondern nimmt eine beschreibende Perspektive ein. Willi wird hier also nicht als „Victim of Circumstances“ aufgebaut. Es wird lediglich beschrieben, was ist. Und Will ist einer, der wegläuft, wenn’s schwierig wird oder man Forderungen an ihn stellt. Ärger mit dem Meister? Wird halt der Job geschmissen. Verantwortung übernehmen? Nicht mit mir. Er will sein Ding durchziehen, weiß aber nicht, was das überhaupt sein soll. Denn er hat weder Ambitionen noch Pläne und dementsprechend nix zu verwirklichen. Auch die Beziehung, wenn man’s so nennen will, mit Monika reißt ihn nicht aus dieser Spur. Die gemeinsame Zukunft, wie sie sich Willi vorstellt, beschränkt sich auf „Gemeinsames Abhauen nach lukrativem Bubenstück“. Irgendwie romantisch, aber nicht wirklich tragfähig also.
Es gibt vier Plotstränge, die weitgehend losgelöst nebeneinander herlaufen. Verbindendendes Element ist Willi, der mal aufs eine, dann wieder aufs andere Gleis und zurück wechselt. Das macht’s schwierig, eine stringente Geschichte zu entdecken, als vielmehr die atmosphärisch dichte Beschreibung der einzelnen Stufen von Willis Abstieg. Diesen begleitet Jost Vacano einmal mehr mit einer tollen, hier fast entfesselten Kameraarbeit. Musikalisch dominiert eine gar nicht so üble Rockballade, gesungen von Marius West, hinter dem sich niemand anderer verbirgt als Westernhagen. Unschwer zu hören: Westernhagen leiht auch Hauptdarsteller Charly Wierzejewski seine Stimme. Im Hintergrund einer Barszene ist dann noch Udo Lindenberg in einer frühen Rock-Inkarnation zu hören (Zwinkern).
Laiendarsteller Wierzejewski unterstützen allerhand „Hochkaräter: Neben Michael Degen und Eva Mattes ist das vor allem der famos aufspielende Walter Kohut.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10