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Verlorene Wochenende, Das

Info

OT: 
The lost Weekend

Jahr: USA 1945
R, B: Billy Wilder
B: Charles Brackett
K: John F. Seitz
M: Miklos Rozsa
D: Ray Milland, Jane Wyman, Phillip Terry, Howard Da Silva

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Don Birnam (Ray Milland) ist als Schriftsteller gescheitert und hängt seit Jahren an der Flasche. Nach einer fehlgeschlagenen Entziehungskur unternimmt er einen weiteren Versuch, mit Hilfe seines Bruders Wick (Phillip Terry) und seiner Freundin Helen (Jane Wyman) von der Sauferei loszukommen. So hat Wick sämtliche ihm bekannte Geheimverstecke in des Bruders Butze gefilzt und den Kneipen und Sprithandlungen in der Umgebung striktes Ausschank- respektive Verkaufsverbot erteilt. Außerdem soll ein viertägiger Wochenend-Trip aufs Land für weitere Ausnüchterung sorgen.
Aber Don steht der Sinn nicht nach Landluft, sondern nach Hochprozentigem. Nachdem er die ihm lästigen Wick und Helen in die Oper losgeworden ist, findet er durch Zufall die zehn Mäuse, die Wick für die Putzfrau deponiert hat. Zwei Whiskyflaschen und zum Vorglühen ein paar Kurze in Nats (Howard Da Silva) Bar sind rasch organisiert. Während Wick später enttäuscht alleine ins Landhaus abrauscht und Helen vergeblich versucht, Don zu finden, startet dieser eine mörderische Wochenendsause.

Zitate

Don: „Zwei Flaschen Whisky.“ – Verkäufer: „Was für einen?“„Das wissen Sie doch genau: den Billigsten! Ob er nun 12 Jahre im Fass gereift ist oder nicht: Schmeckt sowieso einer wie der andere.“

Don: „Ich kauf das nur, um mein Feuerzeug zu füllen.“

Pfleger Bim (Frank Faylen): „Delirium tremens. Kennen Sie noch nicht?“ – Don: „Nein.“ – „Kommt noch, mein Sohn.“ – „Bei mir nicht.“ – „Das denkt man am Anfang immer, schließlich sind Sie ja noch neu in dem Verein. Aber wenn Sie erstmal in die Oberprima kommen, fangen Sie auch an, die kleinen Tierchen zu sehen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Billy Wilders Suff-Drama errang nach sehr durchwachsenen Vorpremieren rasch Klassikerstatus und ging bereits 1946 sehr erfolgreich ins Oscar-Rennen: Sieben Nominierungen und vier Oscars sind schon mal eine respektable Ausbeute.
Die Struktur mit Rückblenden, die kontrastreiche Hell-Dunkel-Ausleuchtung und nicht zuletzt der sezierende Blick auf den Zerfall des verlorenen Don, der jede Sozialromantik vermeidet, ordnen den Streifen dem Film noir zu. Zwar handelt es sich nicht um ein Einpersonen-Stück, doch der furios aufspielende Ray Milland lässt seine Mitstreiter zwangsläufig hinter sich. Nicht umsonst gilt diese Rolle als beste Leitung in Millands langer Schauspielkarriere. Schon der Beginn ist grandios: Die Kamera fährt über die Skyline New-Yorks und nähert sich dann einem Appartmentfenster, aus dem, an einen Tampen gebunden, eine Whiskyflasche hängt. Alles gesagt. Drinnen planen Don und Wick ihren Wochenendtrip. Die gehetzten Blicke Millands, der versucht, bei aller unterdrückten Fahrigkeit eine gewisse Coolness an den Tag zu legen und dabei sichtlich nach dem nächsten, vom Bruder unbeobachteten Schluck giert. Klasse.
Don durchläuft während der vier Tage sämtliche Stadien einer Suchtkarriere: angefangen beim charmanten Plauderer mit Oberwasser, der unter Whisky-Einfluss vom gierigen Süchtel zur Hochform aufläuft, bis zum wimmernden Wrack, das um den nächsten Schluck bettelt, als Dieb aus einer Bar rausfliegt und am Ende schreiend dem Delirium tremens gegenübersteht. Als Suchtgetriebener hintergeht Don sein naives „Mit-einem-bisschen-guten-Willen-kriegen-wir-das-in-den-Griff“-Umfeld, lügt, schmeichelt und stiehlt. Milland, der im übrigen im Vorfeld Sorge hatte, die Rolle schauspielerisch nicht stemmen zu können, fährt die komplette Palette ab: charmant, zynisch verschlagen, gequält, von Versagensängsten geplagt, selbstgeekelt, verzweifelt. Schön in diesem Zusammenhang auch die Szenen mit der Nutte Gloria (Doris Dowling), die regelmäßig in Dons Stammladen abhängt, ihn mag, vielleicht auch liebt, und die Don skrupellos ausnutzt.
Herausragend auch die Kameraführung, die der Noir-erfahrene John Seitz besorgte. Seitz arbeitete in diesem Kontext auch öfter mit Billy Wilder zusammen, etwa bei „Frau ohne Gewissen“ und später „Boulevard der Dämmerung“. Im Score von Miklos Rozsa ist übrigens zum ersten Mal ein Theremin in einem Filmsoundtrack zu hören.
Bei soviel Euphorie gibt’s natürlich zum Schluss noch einen Dämpfer: Das Happyend ist wirklich derbe. Andererseits lassen wir mildernde Umstände gelten, denn der Legende nach hat das produzierende Studio Paramount Wilder das Ende aufs Auge gedrückt.

Rating: $$$$$-

Splatter:

0/10

 

 

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