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1000 Augen des Dr. Mabuse, Die

Info

OT: 
Die 1000 Augen des Dr. Mabuse

AT:
Il diabolico Dr. Mabuse (I)
Le diabolique docteur Mabuse (F)

Jahr: D/F/I 1960
R: Fritz Lang
B: Fritz Lang, Heinz Oskar Wuttig, Jan Fethke
K: Karl Löb
M: Bert Grund
D: Gert Fröbe, Wolfgang Preiss, Dawn Addams, Peter van Eyck, Werner Peters, Reinhard Kolldehoff

Quelle: TV (ARD)

 

Inhalt

Der TV-Reporter Paul Barter kündigt eine sensationelle Meldung in der Glotze an, kurz darauf wird er in Berlin auf offener Straße erschossen. Nicht mit einer herkömmlichen Wumme, wie sich bei der Obduktion herausstellt, sondern mit einer von der amerikanischen Armee gemopsten, streng geheimen und fast lautlosen Knarre, die dünne Stahlnadeln verschießt. Der erfahrene Kommissar Kras (Gert Fröbe) wird mit den Ermittlungen beauftragt; eine der wenigen Spuren führt ihn ins Hotel Luxor, wo sich Barter in den letzten Tagen öfters aufhielt.
Kaum bei der Nobelherberge angekommen wird er Zeuge des Suizidversuchs von Marion Menil (Dawn Addams), die sich von der Fassade stürzen will und noch im letzten Moment vom US-Milliardär Travers (Peter van Eyck) gerettet wird, der zur Zeit wegen eines Multi-Millionen-Deals in der Stadt weilt. Als Kras von den Kollegen von Interpol noch die Info erhält, dass im Luxor in den letzten Jahren immer wieder hochrangige Gäste abgestiegen sind, die später mysteriös verunglückten, nimmt er sich den Laden genauer vor.
In den Fokus seiner Recherchen gerät nicht nur Frau Menil, die wegen ihrer selbstmörderischen Absichten herumlaviert und offensichtlich großes Gefallen bei Travers gefunden hat, sondern auch der Versicherungsagent Hieronymus B. Mistelzweig (Werner Peters), der überall sein Ohr zu haben scheint. Ein weiterer Zugang im Kreise der Verdächtigen ist der blinde Hellseher Peter Cornelius (Wolfgang Preiss), der mit seinen überraschend stimmigen Vorhersagen die Augenbrauen des Kommissars zucken lässt.
Immer mehr verdichten sich für Kras die Dinge dahin, dass im Hintergrund der vermeintlich tote Superschurke Dr. Mabuse seine Finger im Spiel haben könnte...

Zitate

Cornelius: "Magische Kräfte entziehen sich dem rationalen Denken."

Kras: "Als Polizeimann kann ich mich leider nicht mit magischen Kräften herumschlagen. Hab auch selten was mit dunklen Wolken zu tun."

"Wieso hat man eigentlich nie was davon gehört?" - "Der Fall ging nie in die Kriminalgeschichte ein, denn dann kam ja Hitler und der braune Spuk."

Die Kritik des Sargnagels:

Anfang der 60er geriet Atze Brauners CCC, in den Fuffzigern mit Heimatschnulzen und Klamotten groß geworden, durch die Wallace-Reihe der Rialto Film ziemlich unter Druck. Die Teutonen-Krimis zogen an der Kinokasse wie geschnitten Brot und Brauner musste was entgegensetzen, um auch ein Stück der cremigen Torte abzuschnabulieren. Gemeinsam mit Fritz Lang, der für die CCC nach seiner Rückkehr nach Deutschland die Abenteuerstreifen "Der Tiger von Eschnapur" und "Das indische Grabmahl" erfolgreich heruntergekurbelt hatte, ließ Brauner daraufhin den legendären Dr. Mabuse auferstehen.
Lang, der schon vor dem "Dritten Reich" die Romanvorlage von Norbert Jaques zweimal verfilmte und damit Mabuse zu DEM deutschen Supergangster des Kintopp  machte, verzichtete allerdings im Gegensatz zum "Testament des Dr. Mabuse" auf den Bezug zu Hitler und den damaligen politischen Umständen. Er hantierte auch kaum noch mit expressionistischen Stilmitteln wie dem Einsatz von Licht und Schatten (sparsam eingesetzt in den Cornelius-Szenen), die z.B. bei seinen US-Noirs noch des öfteren zum Einsatz kamen und dort die Machart prägten.
Heraus kam ein klassischer Kriminalfilm mit Whodunit-Komponente, moderater Action-Einlage und einer bisweilen verzwackten Story. Der Strang um die vermeintlich suizidgefährdete Marion Menil und ihrem Kröschen mit dem Milliardär wirkt ein bisschen wie Film im Film und hat nur wenig Anschluss zum Rest. Leider ist Dawn Addams nur Durchschnitt und Peter van Eyck habe ich ehrlich gesagt auch schon besser gesehen, für einen amerikanischen Self-Made-Milliardär wirkt er doch ein bissle zu wimpig und gegenüber Addams bisweilen naiv.
Mehr Laune bereitet da schon Gert Fröbes Ermittlungsarbeit, die ihn zu Werner Peters ("Hieronymus B. Mistelzweig - B steht für Bauch") und Wolfgang Preiss führt. Die drei Althauer des deutschen Nachkriegskinos kann man getrost als "Rampensäue" bezeichnen und gerade bei Dialoglastigem mit Hintersinn spielen sie ihre Bühnenerfahrung aus. Da sitzt Mimik und Gestik auch über längere Einstellungen hinweg, Tonlage und Sprachmelodie passen zum Charakter. Der Streifen hat die besten Szenen, wenn sie aufeinandertreffen; die Séance bei Cornelius stellt da für mich den Höhepunkt des Streifens dar, hier spielt dann Lang auch mit seinen liebgewonnenen Spezereien (s.o.) und erzeugt klassisches Mabuse-Feeling.

In den Nebenrollen kann Reinhard Koldehoff als sadistischer, klumpfüßiger Ehemann von Marion Menil eine Duftnote hinterlassen, Wolfgang Völz gibt einen rank und schlanken Barkeeper, und als Statist hat Dieter Hallervorden seinen ersten Auftritt im Filmgeschäft (man sieht ihn im Luxor-Hotel zweimal kurz als Fotoreporter im Bild).
Handwerklich ist's solide gemacht; dass die Äktschn-Elemente heutzutage mächtig antiqiert wirken, dürfte verständlich sein. Die Telefon-Explosion in Kras' Büro z.B. hat den Charme eines Knallbonbons, ist aber so schnell abgehandelt, dass es nicht nachhaltig peinlich ins Gewicht fällt. Ansonsten sind Karl Löb und Fritz Lang noch ein paar Scherzereien eingefallen; es wird viel über das Bild erzählt und erklärende Details eingeblendet. Statt mit einfachen Schnitten zu arbeiten, gibt es Schwenks und Zooms, die in ein neues Setting überblenden, so z.B. die Einstellung von Travers und Marion im Ballsaal des Hotels, die soweit herauszoomt, bis man die Umrisse eines Überwachungsmonitors sieht, um dann wieder zu den Beiden zurück zu zoomen.
Der Score von Bert Grund beschränkt sich auf das Titel-Intro und eine Swing-Nummer während der Ballsaal-Szene, auf dramatische Untermalung von Szenen verzichtete Lang fast vollständig und lässt lieber das Visuelle wirken.
Die Revitalisierung des Superschurken brachte es noch auf fünf weitere Sequels der CCC, jedoch ohne Beteiligung von Fritz Lang. Mit den "1000 Augen" verabschiedete sich der einflussreichste deutsche Filmregisseur von der Leinwand. Zwar nicht mit einem großen experimentellen Werk, aber mit einem immer wieder gern gesehenen.

Rating: $$$$

Splatter:

1/10

 

 

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