Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Der Titeltrack von Quincy Jones.

Info

OT: 
Mirage

Jahr: USA 1965
R: Edward Dmytryk
B: Peter Stone
K: Joseph MacDonald
M: Quincy Jones
D: Gregory Peck, Diane Baker, Walter Matthau, Walter Abel

Quelle: TV (3sat)

 

Inhalt

Als in einem New Yorker Bürohochhaus komplett der Strom ausfällt, macht sich David Stilwell (Gregory Peck) von der 27. Etage aus per pedes auf den Weg nach unten. Im Treppenhaus begegnet ihm Shela (Diane Baker), wie sie sich später vorstellen wird. Sie scheint, ihn gut zu kennen, während er sie zum ersten Mal sieht und an eine Verwechslung glaubt. Kurz vor Erreichen des Erdgeschosses trennen sich ihre Wege.
Auf der Straße umkurvt David einen Menschenauflauf, denn zu Beginn des Blackouts hatte sich jemand aus einem Fenster des Hauses gestürzt. Der Selbstmörder ist Charles Calvin (Walter Abel), wie David schon bald darauf einer Zeitungsschlagzeile entnimmt: bekannter Rechtsanwalt und Gründer einer Friedensstiftung. Doch irgendetwas ist verändert, seitdem er das Haus verlassen hat: Sämtliche Bekannte, die er trifft, verhalten sich so, als hätten sie ihn Jahre nicht gesehen. Unbekannte bedrohen ihn massiv im Auftrag eines „Majors“, den er ebenso wenig kennt.
Stilwell muss feststellen, dass er außer seinen Namen nahezu nichts über sich weiß: Er kann sich weder an sein Geburtsdatum erinnern, noch an seinen Geburtsort und – noch viel schlimmer – an fast gar nichts mehr aus seiner Vergangenheit. Auch sein Wissen über die Gegenwart ist mehr als wacklig, und wer ist Shela, die ihm schon am nächsten Tag wieder über den Weg läuft?
In seiner zunehmenden Verzweiflung engagiert er den Privatdetektiv Ted Casalette (Walter Matthau), damit der Nachforschungen über ihn anstellt. Schnell kommt raus, dass David garantiert nicht der ist, der er zu sein glaubt. Während sich Shela beharrlich weigert auszupacken und Casalette weiterbohrt, kommen bruchstückhaft immer mehr Erinnerungen hoch, die für David aber das Risiko des vorzeitigen Ablebens drastisch erhöhen.

Zitate

Lester (Jack Weston): „Sie können unmöglich lebendig in Barbados und zugleich tot in New York sein, Mr. Stillwell.“

David: „Das ist mein persönlicher Alptraum.“

David: „Sie wundern sich überhaupt nicht, Caselle?“ – „Wenn Sie zwei Jahre einem Beruf ausüben, von dem Sie nichts wissen in einem Büro, das überhaupt nicht existiert … Wieso soll ich mich da noch wundern?“

David: „Wenn Sie niemals im Leben Stellung beziehen, sind Sie ein unnützer Parasit.“

Die Kritik des Gunslingers:

Edward Dmytryk, der mit „Leb wohl, Liebling“ mehr als 20 Jahre zuvor einen der Referenzstreifen des Film noir vorgelegt hatte, wandelt hier noch einmal auf alten Spuren. Zwar war der US-Noir in seiner ersten Welle 1965 eigentlich bereits zehn Jahr lang beendet, doch stilistisch und vom Setting her fährt die „27. Etage“ klar in dessen Kielwasser.
Gedächtnisverlust an sich ist ein typischer Noir-Zustand, zumal dann, wenn man erst einmal gar nicht realisiert, dass man unter Amnäsie leidet. So sieht sich David aus einer anscheinend stinknormalen Existenz heraus erst einmal konfrontiert mit Ereignissen und Beobachtungen, die anfangs *hust* ungewöhnlich, später zunehmend beunruhigend sind. Warum reagieren die Leute so seltsam auf ihn? Wieso ist der Kühlschrank seiner Butze gähnend leer, als er nach Feierabend nach Hause kommt? Warum hat sein Vorgesetzter (Kevin McCarthy) seit zwei Jahren eine neue Telefonnummer, während David versucht, ihn unter seiner alten zu erreichen? Die handfesten Bedrohungsszenarien, die Erkenntnis, dass er unter Gedächtnisschwund leidet, drehen die Schraube weiter an. Dazu kommt, dass er niemandem mehr trauen kann und ihm selbstredend keiner glaubt: Die Polizei hält ihn für einen Spinner; der Psychiater für einen Betrüger, der sich ein Gutachten erschleichen möchte.
Später dann wird’s eigentlich noch dramatischer, denn weder existiert das Büro, in dem er seiner Erinnerung nach die letzten zwei Jahre gearbeitet hatte, noch sein Arbeitgeber. Allerdings findet er in Caselette einen Verbündeten, der ihm nicht nur glaubt, sondern auch wichtige Spuren findet. Mit der Zeit stellen sich spontane Erinnerungsfetzen ein, die sich bis zum Ende zu einem Bild der wahren Ereignisse zusammensetzen werden. Der Zuschauer ist hier als zusätzliches Spannungsmoment nicht allwissend, sondern immer auf dem Kenntnisstand Davids.
Die Fotografie besorgte mit Joseph MacDonald einer der renommierten Kameraleute des amerikanischen Kinos. Er fotografierte neben Klassikern wie „Niagara“ oder „Kanonenboot am Yangtse-Kiang“ zahlreiche Noirs: u.a. „Kennwort 777“, „Feind im Dunkel“, „Unter Geheimbefehl“. Den Abzug gibt’s wegen des etwas müden Finishs.

Rating: $$$$+

Splatter:

2/10