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Besessen - Das Loch in der Wand

Info

OT:
Bezeten - Het Gat in de Muur

Jahr: NL/D 1969
R: Pim De la Parra
B: Wim Verstappen, Martin Scorsese
K: Frans Bromet
M: Bernard Hermann
D: Dieter Geissler, Alexandra Stewart, Tom van Beek, Hasmig Terveen

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Zwar kommt Medizinstudent Nils (Dieter Geissler) aus betuchtem Haus, doch seine Studentenbutze in Amsterdam ist nicht vom Feinsten: Als ein Bild von der Wand kommt, hinterlässt die Befestigungsschraube ein hässliches Loch in der Wand. Schlecht. Gut allerdings ist, dass Nils nun seinem Nachbarn (Tom van Beek) heimlich beim Knattern zuschauen kann. Warum also zugipsen?
Doch der Voyeur-Spaß endet rasch, als Nils glaubt, durch das Loch Zeuge eines Verbrechens, gar eines Mordes, geworden zu sein. Während ihn seine Freundin Marina (Alexandra Stewart) für einen überdrehten Spinner hält, will Nils unter allen Umständen der Geschichte auf den Grund gehen. Er dringt mit Hilfe eines Nachschlüssels in die Nachbarwohnung ein und findet eine nackte, bewusstlose Frau (Marijke Boonstra), an die Dusche gefesselt.
Anstatt nun aber die Polizei zu verständigen, fährt er fort, durch das Loch in der Wand das bizarre Treiben nebenan zu beobachten. Aus den sich so ansammelnden Mosaiksteinen ergibt sich, dass die Geschehnisse drüben in unmittelbarem Zusammenhang zu stehen scheinen, mit einer Geschichte, die Marina gerade recherchiert. Es geht um einen ungeklärten Mord und jede Menge Drogen. Nun ist’s aber auch nicht so, dass der seltsame Nachbar nicht allmählich spitz kriegt, dass er unter Beobachtung steht.

Zitate

Nils: „Da drüben passieren sehr merkwürdige Dinge.“

Marina: „Was hast du davon, wenn du den ganzen Tag durch das verdammt Loch schaust?“

Raoul (Fons Rademakers): „Verdammte Studentenratte!“

Die Kritik des Gunslingers:

Angesichts der Tatsache, dass diese niederländisch-deutsche Koproduktion beim Kinostart in Europa – besonders in Italien und Deutschland – immens erfolgreich war, ist es unklar, warum der Streifen später fast komplett in Vergessenheit geriet. Zwar stand er aus unerfindlichen Gründen zwischen 1986 und 2011 auf dem Index; doch dies allein erklärt‘s nicht, denn schließlich hatte die Streiflette 1969 eine FSK-Freigabe ab 16 erhalten und dazu das Prädikat „wertvoll“. Lustigerweise schrieb auch Martin Scorsese am Skript mit: Den hatte Koproduzent und Hauptdarsteller Dieter Geissler 1968 bei der Premiere des von ihm produzierten Langfilmdebüts von Klaus Lemke „48 Stunden bis Acapulco“ kennengelernt.
„Das Loch in der Wand“ ist eine etwas zeitgeistgefärbte Variante des Hitchcock-Klassikers „Das Fenster zum Hof“, was Regisseur Pim De la Parra als designierter Fan des Meisters auch nie zu verbergen sucht. Angereichert wird die Geschichte noch um einige Motive aus „Vertigo“ und „Psycho“, den wir beispielsweise in Marinas Duschszene wiedererkennen. Mit Bernard Hermann konnte De la Parra zudem einen Komponisten gewinnen, der öfter auch für Hitchcock gearbeitet hatte, was man dem Score auch anmerkt: klasse Orchestermusik, die wenngleich etwas „Oldschool“, die Stimmungen hervorragend einfängt und verstärkt.
Der Film startet als Voyeursgeschichte: viel Knatterei und einige Nuditäten, die jedoch schnell in eine Art Übergangsstadium eintritt. Die Stimmung fängt allmählich an zu kippen: Nils weiß noch nicht, was er von seinen bruchstückhaften Eindrücken halten soll. Bis hier ist das Tempo eher gemächlich, der Film fast in Kapiteln aufgebaut, durch kurze Schwarzblenden voneinander abgesetzt. Als sich die Hinweise auf ein reales Verbrechen verdichten und die beiden eher Hobbydetektive Marina und Nils langsam in ernsthafte Kalamitäten rutschen, zieht das Tempo an, die Schwarzblenden verschwinden. Es beginnt ein wirklich spannender Thriller mit einem überraschenden Schockmoment zum Finale.
Hätte es der Streifen verstanden, seine vielen abgewickelten Handlungsfäden am Ende vernünftig miteinander zu verdrahten, wäre er richtig klasse geworden. So bleiben am Ende zu viele Fragen: Zwar ist das Verbrechen weitgehend aufgeklärt, doch bleiben beispielsweise der Nachbar, sein Treiben und sein gesamtes Umfeld völlig nebulös. Was hat es mit dem dicken Trenchcoat-Typen (Michael Krebs) auf sich, offensichtlich ein Komplize von besagtem Nachbarn? Wer ist die mysteriöse Schöne, die Nils schwer angeschlagen in der nachbarlichen Wohnung findet und die ihn in ein am Ende folgenloses erotisches Abenteuer verwickelt?
Wie auch immer: Atmo und Cast gleichen die Defizite zwar nicht ganz aus, sorgen aber dafür, dass der Film am Ende deutlich über dem Schnitt landet.

Rating: $$$$-

Splatter:

2/10

 

 

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