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Blutiger Zahltag

Info

OT: 
La Ragazza dal Pigiama giallo

AT:
Die Frau aus zweiter Hand
Ein Mann gegen die Mafia
The Pyjama Girl Case (Int.)

Jahr: I/SP 1977
R: Flavio Mogherini
B: Flavio Mogherini, Rafael Sánchez Campoy
K: Raúl Artigot, Carlo Carlini
M: Riz Ortolani
D: Ray Milland, Dalila Di Lazzaro, Michele Placido, Mel Ferrer, Renato Rossini ("Howard Ross"), Ramiro Oliveros

Quelle: DVD (Koch Media. Danke fürs Rezi-Exemplar!)

 

Inhalt

Anfang des 20. Jahrhunderts packt die 19-jährige Florence Linda Platt ihre sieben Sachen und verlässt ihre Heimat England Richtung Übersee. Sie landet im australischen Sidney und verdient sich ihre Brötchen in einem Kino. Privat genießt sie das  Leben, tingelt durch Bars und Jazz-Clubs und lässt sich dabei von Männern aushalten. 1930 heiratet sie den italienischen Einwanderer Antonio „Tony“ Agostini. Doch die Verbindung steht unter keinem guten Stern: Die lebenslustige Linda behält ihren Lifestyle bei, während ihren Gatten die Eifersucht zerfrisst. Um die Ehe zu retten, machen sich die Beiden 1934 nach Melbourne auf und kappen die Verbindungen zu ihrem alten Umfeld.
Kurz darauf findet man eine verbrannte Frauenleiche in gelbem Pyjama. Trotz der großen Medienpräsenz des Falles – man stellte zum Beispiel den in Formalin konservierten, grauslich entstellten Körper in der Öffentlichkeit aus – dauert es ein Jahrzehnt, bis man den Leichnam als die verstorbenen Überreste der Linda Agostini identifizieren kann. Ihr Mann Tony gesteht daraufhin, seine Frau im Affekt getötet zu haben, landet wegen Totschlags mehrere Jahre im Bau und wird nach Absitzen seiner Strafe nach Italien abgeschoben. Dennoch halten sich  bis heute Gerüchte und Vermutungen, die gefundene Tote sei nicht Linda Agostini ...

Zitate

Ramsey: "Die Frau hat, bevor sie starb, noch mit jemandem sexuelle Beziehungen gehabt. Für mich ist sie sogar vergewaltigt worden. Die Spuren weisen auf die Tat eines anormalen Mannes hin, gequält von einem Kastrationskomplex. Der klassische Fall eines Ödipus-Komplexes." - Thimpson: "Hach, nichts als Phrasen." (Recht hat er, der Thimpson.)

Douglas: "Sieh dir das an. Wir haben das Bett ganz schön bearbeitet. Sieht nach einer heißen Schlacht aus." - Glenda: "Mach dich nicht an. Ich bring alles wieder in Ordnung." (Glenda schnallt den Stolz des altersgeilen Professors nicht...)

Glenda: "Was mach ich mit Antonio?" - Roy: "Du musst ihm ja nicht nicht sagen, dass du mit mir schläfst, hahaha... wir leben schon in einer beschissenen Welt. Heutzutage betrügt fast jeder jeden." - "Eine Schweinerei." - "Ja, stimmt. Aber verständlich. Wenn man von seinem Partner nicht das bekommt, was man braucht, holt man es sich halt irgendwo anders." (Roy Connors gibt den "verständnisvollen" Macho)

Die Kritik des Sargnagels:

Neneneee - was oben unter Inhalt steht, ist keine Beschreibung der Film-Story, sondern die Zusammenfassung der realen geschichtlichen Ereignisse, die dem "Blutigen Zahltag" zugrunde lagen. Warum? Regisseur Mogherini bastelte den Streifen mit einer Parallelmontage zweier zeitversetzter Handlungsebenen zusammen, und so würde ich bei einer klassischen Inhaltsangabe entweder Spoilern ohne Ende oder müsste mich winden wie ein verbaler Schlangenmensch, der logische Gebilde zerstört. ;-)
Macht aber nüscht, im Groben und Ganzen hielt sich Mogherini überraschend an die historischen Abläufe, versetzte allerdings die Handlung ins Sidney der 70er Jahre, änderte kleine Details (so wurde z.B. aus der englischstämmigen Linda die Niederländerin Glenda (Dalila Di Lazzaro)) und "erfand" noch den Handlungsstrang der Polizeiermittlungen des Ex-Inspektors Thimpson (Ray Milland) dazu. Der führt mit seinen oldschooligen Methoden die jungen Kollegen ad absurdum, die sich in küchenpsychologischem Gelaber verhaspeln und dann auch vor Folter und der fragwürdigen öffentlichen Zurschaustellung der Leiche nicht zurückschrecken.  
Die andere Erzählebene handelt von dem Fotomodell Glenda, die gleichzeitig Beziehungen zum spendablen Professor Douglas (Mel Ferrer), dem feurigen Liebhaber Roy Connors ("Howard Ross") und dem italienischstämmigen Kellner Tony (Michele Placido) pflegt. Douglas verschafft ihr Vorteile bei den Einwanderungsbehörden, Connors ist ihr ewig spitzer Beischlafgenosse, und der naive Tony sorgt für's Gefühl. Dass das im Laufe der Spielzeit nicht gut gehen kann, versteht sich ja von selbst, nech?
Mogherini, der nach etlichen Jahren als Production-Designer Anfang der 70er anfing, selbst Filme zu drehen, lässt wie schon erwähnt zwei Handlungsstränge parallel laufen. Ein Kniff, der zwar bis ins letzte Drittel Deutungen zulässt, aber in der Mitte des Films für Längen sorgt, wenn beide Stränge etwas zu plätschern anfangen. Gerade die Glenda-Story verliert sich da gerne in nicht zielführenden Elegien. Hätte man etwas straffer inszenieren können, zumal Mogherini auch ein eher gemächliches Erzähltempo anlegt. Die Geschichte des Rentner-Cops Thimpson - den Hollywood-Altstar Ray Milland wunderbar "menschelnd" darstellt und dabei sogar auch mal für einen flapsigen Spruch sorgt - ist da eindeutig erquicklicher. Das soll aber die Auftritte der restlichen Darsteller nicht schmälern; Mel Ferrer, "Howard Ross" und Michele Placido agieren auf hohem Niveau, und selbst die vorher nur in Softsex-Filmchen und Exploitern aufgefallene Dalila Di Lazzaro ist alles andere als peinlich in ihrer Rolle als zwischen Männern und Moral zerrissene Glenda.
Handwerklich merkt man Mogherinis jahrelange Erfahrung als Set Designer an: Die Inszenierung geriet "very stylish" mit etlichen schönen Bildern und Kameraeinstellungen. Zusammen mit dem zu Beginn eingeführten Mord und der grauslig entstellten Frauenleiche gibt's hier tatsächlich Anlehnungen an den Giallo. Doch Mogherini setzt nicht nur in der Handlung manche falsche Fährte, auch bei der Inszenierung lässt er den Zuschauer ins Leere laufen und zertrümmert manche Erwartung im Schlussdrittel, denn um einen Giallo handelt es sich IMO mitnichten. Und ich möchte sogar sagen: absichtlich. Durch die Blume werden nämlich ganz andere, gesellschaftskritische Intentionen deutlich: Die Darstellung der unfähigen Polizei kommt während der "bleiernen Zeit" im Italien der 70er nicht von ungefähr, auch da war man bei der Polente des öfteren "desorientiert" und fehlerhaft. Die Glenda-Geschichte steht dagegen für das Geschlechterverhältnis nach der sexuellen Revolution der 68er - für die Frauen sind die Türen zur Emanzipation zwar aufgestoßen, das dominierende Patriarchat hält aber immer noch, bisweilen gewaltsam, die Zügel in der Hand. In beiden Strängen führen diese Hintergründe letztlich zum tragischen Ende.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Mogherini war schon ein Schlingel. Jubelt dem Zuschauer vermeintlich einen Giallo unter und streckt ihm zum Schluss die Zunge raus. Hat man das erstmal verkraftet, eröffnen sich einem aber auch ganz andere Nuancen. Wenn sich Mogherini etwas mehr an der Kandare gehalten und noch für ein, zwei Spitzen mehr gesorgt hätte, wäre eine Top-Wertung möglich gewesen, so wird's nur leicht überdurchschnittlich. Ach ja, und einen kleinen Abzug gibt's für die förchterlichen Gesangsdarbietungen der ehemaligen Salvador Dali-Muse Amanda Lear, die mit zwei ausgespielten Titeln im Score verewigt ist. Die Frau hat den Stimmumfang einer Drittel Oktave und zieht beim "Singen" die Silben wie den Schweizer Käse beim Raclette. Schlägt mir mächtig auf die Libido. Btw.: Jetzt gibt's schon insg. drei deutsche Titel für den Streifen, einer bescheuerter als der andere ...

Rating: $$$+

Splatter:

3/10 (eigentlich nix, aber die angekokelte Frauenleiche verfehlt ihre Wirkung nicht, saubere FX-Arbeit!)

 

 

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