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Boxcar Bertha - Die Faust der Rebellen

Info

OT: 
Boxcar Bertha
AT:
Die Faust der Rebellen

Jahr: USA 1972
R:
Martin Scorsese
B:
Joyce H. Corrington, William Corrington
K:
John Stephens
M:
Gib Gilbeau, Thad Maxwell
D:
Barbara Hershey, David Carradine, Barry Primus, Bernie Casey

Quelle: TV (3sat)

 

Inhalt

Es ist tiefste Depressionszeit in den USA, und Vater Thompson (Louie Elias) bringt sich und seine Tochter Bertha (Barbara Hershey) mühsam als Agrar-Flieger durch. Als ihn sein Auftraggeber zwingt, trotz defekter Maschine zum Feldersprühen aufzusteigen, ist Bertha kurz darauf Vollwaise. Das Mädchen lässt die Heimat hinter sich und treibt wie viele andere als Hobo durch die verarmten Südstaaten.
Es sind drei Männer, die Berthas Leben beeinflussen: ihre große Liebe, der als Bolschewik und Aufrührer gesuchte Gewerkschaftler Big Bill Shelly (David Carradine), ihr alter Freund, der Schwarze Von Morton (Bernie Casey), und der Yankee Rake Browne (Barry Primus), ein denkbar untalentierter Glücksspieler. Als Bertha die Drei aus dem Knast befreit, bildet sich aus dem lockeren Verbund eine feste Gemeinschaft, wir sagten dazu früher „Bande“.
Das Quartett kapriziert sich auf Überfälle von Einrichtungen und betuchten Nutzern der Reading Railroad, der Eisenbahnlinie des Magnaten Sartoris (John Carradine). Während Bill die Aktionen als Klassenkampf ansieht, um Sartoris in die Knie zu zwingen, hat Bertha schlicht Spaß an den Raubzügen. Sartoris, dem die Nadelstiche allmählich gehörig auf den Pinsel gehen, bleibt indes nicht untätig: Er setzt gemietete Schläger in Marsch, um der Gang das Handwerk zu legen.

Zitate:

„Wenn ich eins nicht ertragen kann, dann einen Betrüger, und noch viel weniger als einen Betrüger mag ich einen Roten. Aber viel schlimmer als ein Betrüger oder ein Roter ist ein Mann, der sich so anzieht wie Sie!“ (Rake versucht einen seiner zweifelhaften Tricks und fliegt dabei auf)

Officer Harvey (Harry Northrup): „Hey, Nigger! Wenn du was spielst, dann spiel Dixie … oder halte das Maul.“

Die Kritik des Gunslingers:

Scorsese realisierte für Sam Arkoffs American International seinen ersten Hollywoodstreifen nach der Biografie von „Boxcar“ Bertha Thompson. Obwohl Arkoff wie sein Produzent Roger Corman eher an schnell produziertem Genre-Stoff interessiert waren, entwickelt sich „Boxcar Bertha“ in der ersten Hälfte als gut gespieltes und fotografiertes Sozialdrama. In Form eines Roadmovies zur Schiene führt uns der Streifen die depressionsgeschüttelten USA, Mitte der Dreißiger Jahre, vor, übt sich dabei in eher milder Kapitalismuskritik: Wer Veränderungen der ungerechten Verhältnisse anstrebt, wird im „besten“ Fall durch die herrschende Klasse als „Roter“ oder „Bolschewik“ diffamiert, oder gleich ratzfatz in die Kriminalität gedrückt. Wir begleiten Bertha in Güterwaggons und Bordell, sehen den sich organisierenden Bahnarbeitern zu, die versuchen, sich mit wilden Streiks gegen Ausbeutung und Versklavung zu wehren. Die Bonzen kontern mit bezahlten Streikbrechern, die brutal gegen die Aktivisten vorgehen. Die gesamte Gesellschaft der Südstaaten scheint dazu in Rassismus und Vorurteilen festzustecken. Polizeiwillkür und -brutalität sind an der Tagesordnung. Nachdem Bertha die drei Männer aus dem Knast befreit hat, schaltet der Streifen in den nächst höheren Gang. Es beginnt eine Serie von Überfällen. Während aber Bertha die Überfälle und das damit verbunden Machtgefühl genießt und auskostet, hat Bill Probleme damit, als ordinärer Krimineller dazustehen: So spendet er zum Beispiel seinen Anteil an der Beute aus einem Postzug-Ripp an die Streikkasse der Gewerkschaft, und beim Überfall auf eines von Sartoris’ Lohnbüros zwingen die Räuber die Angestellten, in jede Lohntüte zehn Mäuse mehr einzupacken. Im letzten Teil gibt der Film dann dem Affen Zucker, denn als es die Räuber mit Sartoris’ bezahlten Killern zu tun bekommen, geht’s im Schweinsgalopp ins blutige Finale. Zwar ist der Film gut besetzt, doch letztlich bleiben die Charaktere trotz guter Leistungen ihrer Darsteller im Schablonenhaften stecken. Fein ist der Score, für den zum Teil New-Orleans-Legende Gib Gilbeau verantwortlich zeichnete: ein amtlich cooler und authentischer Country-Blues-Score, getrieben von Gitarre, Fiddle und Bluesharp.
Warum wir den Streifen hier und nicht im "Strafraum" einsortieren? Nun, der Film steht eindeutig in der Tradition von Werken, die den Gangster im ländlichen Raum zum Thema haben. Gangster, die ähnlich wie Bonnie und Clyde oder auch Dillinger nicht Teil eines Syndikats sind, sondern quasi Freelancer, die in kleinen Gangs auf eigene Kappe "wirtschaften". So einfach ist das ;-).

Rating: $$$$

Splatter:

3-4/10

 

 

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