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Cannabis - Engel der Gewalt

Info

OT: 
Cannabis

Jahr: F/I/D 1970
R, B: Pierre Koralnik
B: Franz-André Burguet
K: Willy Kurant
M: Serge Gainsbourg
D: Serge Gainsbourg, Jane Birkin, Paul Nicholas, Curd Jürgens

Quelle: VHS (CIC Taurus Video)

 

Inhalt

Exilrusse Sergej (Serge Gainsbourg) verdient seine Brötchen als Auftragskiller der New Yorker Mafia. Ein neuer Job ruft ihn allerdings nach Paris. Hier soll er dem glänzend vernetzten Drogenmogul Henri Emery (Curd Jürgens) das Handwerk legen, der die Geschäfte der „Ehrenwerten Gesellschaft“ behindert.
Doch Emery riecht den Braten: Bereits am Pariser Flughafen fängt ein Killerkommando Sergej und seine Kontaktleute ab. Sergej kann als einziger entkommen. Mit einer Kugel im Balg schlüpft er bei Jane (Jane Birkin) unter, einer vielreisenden Diplomatentochter, die er im Flugzeug aus New York kennengelernt hatte. Die pflegt ihn nicht nur, sondern sorgt auch für sein sonstiges Wohlbefinden.
Als die Auftraggeber Sergejs erfahren, dass Sand im Getriebe ist, schicken sie den jungen Paul (Paul Nicholas) zur Verstärkung. Die Zwei verbindet eine tiefe Freundschaft, seitdem sie in den Staaten verschiedene Jobs gemeinsam erledigt hatten. Nachdem Sergej seine Wunden ausgiebig geleckt hat, geht’s mit Paul ans große Aufräumen im Emery-Mob.
Doch inzwischen hat sich die Geschichte mit Jane zu einer echten Liebesaffäre entwickelt, und so denkt die Russensäge ans Aussteigen. Das wiederum hören die Bosse in New York nicht gerne. Daher soll’s der gute Paul im Sinne der Mafia regeln.

Zitate

Auftraggeber zu Sergej: „Ich kann eine Menge für Sie tun, wenn Sie mich nicht enttäuschen. Sie verdammtes Russenschwein.“ (Ist gar nicht bös‘ gemeint)

Sergej:

Ich habe zu gar nichts Lust. Ich reise nur so.“
„Ich sag‘ mir immer, dass ich schon tot bin. Deshalb bin ich so ruhig.“

Emery: „Sorgt für Beton und ‘n Lieferwagen und kippt ihn mir irgendwo in den Bach.“

Die Kritik des Gunslingers:

Mit „Cannabis“ wagte sich der Schweizer Regisseur Pierre Koralnik erstmalig auf die große Leinwand. Formal irgendwie ein Gangsterfilm, atmet der Streifen aber weniger die Tradition einschlägiger Vorbilder, sondern reiht sich eher ein in „typisches“ 70er-Jahre-Kino. Es geht um Beziehungen und Befindlichkeiten, weniger um Suspense, Action oder auch nur klassisches Gangstertum.
Im Mittelpunkt steht also gar nicht mal der Auftrag, der noch nicht einmal klar definiert ist. Das kann man sich so Stück für Stück zusammenreimen. Die Aktionen von Paul und Sergej gegen Emery, die darin gipfeln, dass sie ein Drogenlabor zerstören, getarnt in einer großen Hühner-Legebatterie, könnten aber genauso einfache Racheakte sein für Emerys Versuch, Sergej aus dem Weg zu räumen.
Wichtig ist vielmehr das zentrale Beziehungsdreieck, in dessen Mittelpunkt Sergej steht. Auf der einen Seite vergöttert Paul den Russen, der für ihn fast mehr als ein Freund ist. Umso heftiger, wie ein eifersüchtiger Lover, lehnt er die dazugestoßene Jane ab. Sie vermittelt Sergej wieder einen Lebenssinn und entfernt ihn gleichzeitig immer mehr von Paul. Zwar gibt es einiges an Actionszenen, durchaus mit Gewaltspitzen; doch letztendlich plätschert’s doch sehr besinnlich dahin. Und Jane Birkin muss sich für den Serge immer wieder nackich machen. Der Zentralteil des Films spielt sich in Janes Butze ab, in der Paul weitgehend tatenlos zusehen muss, wie sich die Liebesgeschichte intensiviert. Seine Hoffnung, dass nach Sergejs Gesundung alles wieder so sein wird wie vorher, wird sich zerschlagen.
Was mir an dem Film gut gefallen hat, ist die Atmo, geprägt durch Müdigkeit und Überdruss. Dies betrifft nicht nur Sergej, der nur noch funktioniert, weil es nichts anderes zu geben scheint. Gelangweilt und satt. Auch sein Kontrahent Emery – übrigens seeehr feine Leistung von Curd Jürgens, Hut ab – ergeht sich in entsprechender Attitüde. Wie dessen Assi Lancan (Paul Albert Krumm), der sich einen tödlichen Tumor herbeifantasiert, oder der desillusionierte Gangster-Doc (Pierre Asso). Alle wollen anderes, bleiben aber in ihrem Hamsterrad gefangen oder haben weder die Energie noch die Möglichkeiten, vom vorgezeichneten Pfad abzubiegen. Gainsbourg ist schlichtweg klasse als er selbst. Und auch Paul Nicholas macht seine Sache gut als neurotischer Daueroptimist, der an seine Unsterblichkeit glaubt, solange er nur mit Sergej zusammen ist.

Rating: $$$$-

Splatter:

2/10

 

 

 

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