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Chef, Der

Info

OT:
Un Flic
AT:
Notte sulla Città

Jahr: F/I 1972
R, B: Jean-Pierre Melville
K: Walter Wottitz
M: Michel Colombier
D: Alain Delon, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Cathérine Deneuve

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Eigentlich hatte Simon (Richard Crenna), Besitzer eines gut gehenden Clubs in Paris, den Plan zu dem Überfall auf eine kleine Provinz-Bank an der Atlantikküste gut ausgeheckt. Doch eine kleine Unachtsamkeit sorgt dafür, dass sich Marc (André Pousse), einer der vier Gangster, eine Kugel fängt. Die Truppe parkt den Verletzten unter falschem Namen in einer Pariser Klinik.
Da aber inzwischen die Bullen die Krankenhäuser im weiteren Umkreis nach dem Angeschossenen durchkämmen, ist Marc ein Sicherheitsrisiko. Seine Kumpel verschaffen sich Zutritt zum Krankenhaus und bringen ihn durch Simons Gspusi Cathy (Cathérine Deneuve) für immer zum Verstummen. Der Mord ruft den abgebrühten Commissaire Edouard Coleman (Alain Delon) auf den Plan, der pikanterweise nicht nur ebenfalls mit Cathy *hust* verkehrt, sondern auch Simons Spezl ist.
Während Coleman und sein Assi Morand (Paul Crauchet) noch im Dunkeln tappen, planen Simon und die Seinen schon das nächste große Ding: den Raub einer großen Menge Drogen, die per Bahn von Paris nach Lissabon geschmuggelt werden. Der besondere Charme: Die beraubten Schmuggler werden sich kaum an die Polizei wenden. Coleman, der den Schmuggelring ebenfalls bereits im Auge hatte, bleibt zweiter Sieger, denn der wieder minutiös geplante Coup gelingt, und die Polizei schaut in die Röhre. Aber in Sachen Banküberfall geht’s voran, und damit wird die Luft für Simon und die Seinen doch merklich dünner.

Zitate

Morand: „Haben Sie nicht etwas zu schnell geschossen?“ – Coleman: „Ich hatte den Eindruck, er wollte sich umbringen.“ (So kann man’s auch sehen (Zwinkern))

Die Kritik des Gunslingers:

In seinem letzten Streifen, seiner dritten Zusammenarbeit mit Alain Delon, legt Thriller-Profi Jean-Pierre Melville noch mal eine hohe Messlatte auf. Während dem Film gerne vorgeworfen wird, sich nicht ausreichend um seine Charaktere zu kümmern, sage ich nur: Scheiß drauf. Es geht hier nicht um eine verdammte Charakter- oder Sozialstudie, sondern um einen knackekühlen Noir-Thriller, in dem es über die Protagonisten nicht viel mehr zu sagen gibt, als: Das sind alles Vollblutprofis, die ihr Geschäft verstehen, was im Übrigen genauso für ihre Kontrahenten von der Polizei gilt.
Ich mag es, Spezialisten bei der Arbeit zuzuschauen, die ihr Handwerk verstehen. Schon der Einstieg ist großartig: Regen peitscht, der Atlantik wummert an die Promenade, ein amerikanischer Straßenkreuzer hält in Sichtweite der Bank, in der man sich bereits allmählich auf den Feierabend vorbereitet. Zwei Männer im Trenchcoat wehen herein, und die Dinge nehmen ihren Lauf. Worte werden nicht gewechselt: Die Gang versteht sich blind, jeder Handgriff sitzt. Genauso toll ist der Überfall auf den Drogenkurier geraten, bei dem auch ein Hubschrauber zum Einsatz kommt.
Die Atmo ist wie bei Melville üblich sehr unterkühlt: Beziehungen, gar Freundschaften sind nichts und sind dem jeweiligen Ziel unterzuordnen. Die Gangster scheuen sich nicht, ihren Kumpel Marc liquidieren zu lassen, als der zum Sicherheitsrisiko wird; Cathy ist es herzlich wurscht, ob ihr der Commissaire oder Simon an die Wäsche gehen; Coleman nutzt seinen Informanten, den Transvestiten „Gaby“ (Valérie Wilson) völlig emotionslos aus und lässt ihn ebenso gnadenlos fallen, als er fälschlicherweise vermutet, Gaby hätte ihn übers Ohr gehauen.
Der Titel des Streifens führt in die Irre, denn der Kommissar ist nicht die Hauptfigur, genauso wenig, wie es die im Übrigen gutbürgerlichen Gangster sind. Es geht einfach um das Beschreiben von Mechanismen, um Profession, weitgehend emotionslos wie das Minenspiel der Akteure. Delon ist wieder der Samurai, nur diesmal auf der anderen Seite des Tresens: ein Profi durch und durch, der ohne Privatleben nur für seinen Job lebt. Coleman cruist jede Nacht über die Straßen von Paris, treibt von einem Fall zum nächsten. Dabei ist er völlig abgebrüht: Als sich einer der Gangster in seinem Bad vor der Verhaftung erschießen will, schließt Coleman noch einmal die Badezimmertür, bis der Gutste auch tatsächlich abgedrückt hat.
Dazu kommt eine klasse Kamera, die völlig unhektisch die Geschehnisse aus der Beobachterposition dokumentiert. Eine Welt, in der die Sonne nie scheint, wenn es nicht gerade sowieso Nacht ist.

Rating: $$$$$-

Splatter:

1/10

 

 

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