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Child - Die Stadt wird zum Alptraum, The

Info

OT: 
Chi l’ha vista morire?

AT:
Who saw her die?

Jahr: I/D 1972
R, B: Aldo Lado
B: Massimo D’Avack, Francesco Barilli
K: Franco Di Giacomo
M: Ennio Morricone
D: George Lazenby, Piero Vida, Anita Strindberg, Adolfo Celi

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Der Bildhauer Franco Serpieri (George Lazenby) lebt und arbeitet in Venedig, während Gattin Elisabeth (Anita Strindberg) mit Tochter Roberta (Nicoletta Elmi) in London residiert. Ab und an besucht Roberta ihren Vater, der sich gerade auf eine Ausstellung in Paris vorbereitet. Doch eines Abends verschwindet die Kleine, und aus der Befürchtung wird Gewissheit, als Robertas Leiche aus dem Canale Grande gezogen wird: Das Kind wurde ermordet.
Da die Polizei im Dunkeln tappt, fängt Franco selber an, nach Spuren zu suchen. Und die ergeben sich, als sein Kumpel, der Journalist Kuni (Piero Vida), im Archiv auf Berichte über ähnlich gelagerte Morde an Kindern stößt. Vor Franco blättert sich ein Strauß Verdächtiger auf: vom Rechtsanwalt Bonaiuto (José Quaglio), der offensichtlich eine besondere *hust* Liebe zu Kindern pflegt, bis zum zwielichtigen Kunstmakler Serafian (Adolfo Celi), mit dem Franco regelmäßig zusammenarbeitet.
Aber auch der Killer bleibt nicht untätig, und so dünnt sich bald die Zahl der Verdächtigen und potenziellen Zeugen merklich aus. Und auch Franco und Elisabeth, die nach dem Mord an Roberta angereist ist, geraten ins Visier des Mörders.

Zitate

Da sind Sie ja, Sie perverse Sau!“

Die Kritik des Gunslingers:

Nach seinem Regiedebüt „Malastrana“ gründelte Aldo Lado gleich weiter in Giallo-Gewässern. Seine Geschichte um einen mysteriösen Killer siedelt er in seiner Heimatstadt Venedig an, die zumindest heimlich, eine Hauptrolle spielt. Hier enden auch schon die Parallelen zum gerne in diesem Zusammenhang zitierten „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, wenngleich letzterer anscheinend zumindest einige Einstellungen übernommen hat.
Lados Venedig ist trist, neblig und von jeder Romantik entzaubert. Schauplätze sind nicht die Palazzi-gesäumten Straßen und Kanäle mit ihren verwunschenen Brücken, durch die man mit Gondel oder Vaporetto schippert, sondern verlassene Fabriken, der nebeldurchwaberte Hafen, nüchterne Plätze. Und unter gutbürgerlicher Fassade lauern Abgründe wie Pädophilie, Wahnsinn und Mord. Der Streifen ist ein Thriller im besten Hitchcockschen Sinne, der immer wieder die Spannungsschraube losdreht, um sie dann umso schärfer wieder anzuziehen.
Es beginnt gleich mit einem Paukenschlag, als wir Zeuge des Mordes an einem kleinen Mädchen werden, das der Killer brutal im Schnee erschlägt. Das ist schon harter Tobak, den der Film – abgesehen von einem blutigen Messermord – nicht wieder erreicht. Von da an sind wir immer wieder an der Seite des Mörders: Die subjektive Kamera schaut durch einen schwarzen Schleier, der zur Maskerade des Mörders gehört. Ganz stark sind beispielsweise die Szenen, in denen wir mit dem Killer Roberta umschleichen, die immer wieder dem Zugriff entkommt, sei es, weil sie die Nachbarin vom Spielen mitnimmt oder ihr Vater aufkreuzt. An Außeneindrücken des Finsterlings nehmen wir mal eine schwarz behandschuhte Hand mit, eine kurze Einstellung der Augenpartie, die Schuhe. Musikalisch ist ihm als Leitthema ein verzerrter Kinderchor zugeordnet, leise unterstützt durch einen zunehmend treibenden Schlagzeugbeat. Überhaupt steuerte Meister Morricone hier wohl einen seiner ungewöhnlichsten Scores bei, denn der besteht ausschließlich aus Kinderchören: mal fast sakral anmutend, mal jauchzend, dann wieder unheimlich und drohend.
Schauspielerisch macht insbesondere George Lazenby eine gute Figur, den Lado nach seinem Bond-Intermezzo in Rom aufgegabelt hat, wo er schon auf dem Sprung heim nach Australien war. Ein echt glaubhafter Italiener. Und mit Adolfo Celi spielt ein weiterer Bond- /Italowestern-Veteran wie immer groß auf. Piero Vida ist ebenfalls kein Unbekannter: Er hatte mich bereits in „Django - Die Bibel ist kein Kartenspiel“ als oberfiese Mexikaner-Sau überzeugt. Die Französin Dominique Broschero („Der letzte Zug nach Durango“) und die Schwedin Anita Strindberg ("Mann ohne Gedächtnis") sehen nicht nur klasse aus, sondern dürfen auch jeweils ein, zwei Runden durch die Betten drehen. Gleiches gilt für die Deutsche Rosemarie Lindt, die vorher bereits diverse Nackich-Erfahrungen gesammelt hatte und später noch weitere folgen ließ. Das Mädchen Rosemarie war die Freundin von Jacques Herlin und ein gern gesehener Gast im italienischen Genre-Kino. Mit Herlin zusammen trat sie übrigens in den Franz-Antel-Preziosen der „Frau-Wirtin-“Reihe auf.

Rating: $$$$+

Splatter:

3/10

 

 

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