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Dr. Crippen an Bord

Info

OT: 
Dr. Crippen an Bord

Jahr: D 1942
R, B: Erich Engels
B: Kurt E. Walter, Georg C. Klaren
K: E.W. Fiedler
M: Bernhard Eichhorn
D: Rudolf Fernau, René Deltgen, Gertrud Mayen, O.E. Hasse

Quelle: Pidax-DVD (Dank fürs Rezi-Exemplar!)

 

Inhalt

Die Trapezkünstlerin Cora Crippen (Anja Elkoff), Ehegespons des Mediziners Frank (Rudolf Fernau), hat zwei Probleme. Erstens droht ihr nach einer Fußverletzung das Karriereende. Zweitens muss sie sich der unerwünschten Avancen des Illusionisten Dr. Morrison (O.E. Hasse) erwehren, der sie nach einer entschiedenen Abfuhr auf einer Abendgesellschaft der Crippens auch noch bedroht.
Als der Doc tags darauf verkündet, die Gattin sei Hals über Kopf nach Südamerika durchgebrannt, beginnt das Getratsche. Zumal es ein offenes Geheimnis ist, dass Crippen und seine Sekretärin Lucie (Gertrud Mayen) mehr verbindet als ein reines Arbeitsverhältnis. Doch so richtig kocht die Gerüchteküche, als ein paar Monate später eine von Crippen geschaltete Todesanzeige für Cora erscheint: Die Gutste sei in Südamerika nach kurzen Siechtum verschieden. Alleinerbe von Coras nicht unbeträchtlichem Vermögen: der liebe Frank, um dessen Betrieb für medizinischen Bedarf es nicht zum Besten steht.
Das alles scheint Coras engem Freund, dem Maler Alberti (Rolf Weih), nicht koscher, und er beginnt zu recherchieren: Das Schiff, mit dem sie angeblich aufgebrochen war, war wegen Maschinenschadens überhaupt nicht ausgelaufen. Außerdem steht Coras Namen auf keiner Passagierliste verzeichnet. Alberti schaltet die Polizei in Gestalt von Oberinspektor Düwell (René Deltgen) ein. Und der findet nicht nur etliche Ungereimtheiten in Crippens Geschichte, sondern auch eine zerlegte und verweste Frauenleiche in dessen Garten. Die Jagd auf den zwischenzeitlich samt Geliebter untergetauchten Dottore beginnt.

Zitate

Düwell: „Dieser Crippen gefällt mir nicht.“ – Inspektor Michels (Walter Lieck): „Mir gefällt seine Sekretärin auch besser.“

Kapitän Kendall (Max Gülstorff) zum verkleideten Crippen: „Was? Ihr Sohn trinkt nicht? Das gefällt mir aber überhaupt nicht.“ (Die als Junge auftretende Luzie hat gerade den Kurzen im Anschluss ans Captain’s Dinner ausgeschlagen)

Die Kritik des Gunslingers:

Die Nazis instrumentalisierten bereits seit 1933 den Film, um der Bevölkerung die Flucht in eine bonbonfarbene, heile Welt zu ermöglichen. Diese Tendenz wurde umso stärker, je mehr auch Deutschland die unmittelbaren Folgen des Zweiten Weltkriegs zu spüren bekam. Horrorfilme oder Thriller waren also im allgemeinen tabu, während Musicals, Komödien oder propagandistische Kostümfilme am laufenden Band produziert wurden.
Vorliegender Streifen, übrigens damals ein veritabler Kassenerfolg, ist eine der wenigen Ausnahmen, wenngleich ihm das oben genannte Nazi-Dogma nahezu alle Zähne zog. Inspiriert von einem wahren Verbrechen, wäre der Plot Stoff für einen düsteren Thriller gewesen. Doch stattdessen schrammt Engels’ Inszenierung immer wieder haarscharf an der Klamotte vorbei. So gerät die Jagd auf den untergetauchten Doktor und seine Freundin Lucie, die auf einem Schiff als Vater und Sohn getarnt Richtung Venezuela reisen, ins Schwankhafte. Da fehlen weder „typische“ Travestie-Gags, noch der schusselige Kapitän oder der heimlich dem Alkohol zusprechende, schwerfällige Matrose und der schneidige Stewart. Schade, denn die Enttarnung des Doktors hätte auch durchaus nervenzerfetzende Spannung generieren können. Doch stattdessen plätschert der Streifen über weite Strecken dahin, ab und an garniert mit dem ein oder anderen „launigen“ Spruch.
Im letzten Drittel allerdings wendet sich das Blatt in Richtung eines versöhnlichen Abschlusses. Dann nämlich gibt’s einen gut gemachten Gerichtsthriller zu sehen, mit einem schönen Twist zum Ende hin. Wenngleich es sich der Film auch hierbei nicht verkneifen kann, einen der Zeugen (Wilhelm Bendow) als Witzfigur darzustellen, erreicht das Werk alles in allem noch mit erhobenem Haupt die Ziellinie. Zu danken ist dies einmal dem beschriebenen Stimmungswechsel und zum zweiten den darstellerischen Leistungen von Rudolf Fernau und O.E. Hasse, die ihre Figuren immerhin mit einem Hauch von Zwielichtigkeit ausstatten. René Deltgen und Elisabeth Scherer, die hier das französische Dienstmädchen der Crippens spielt, waren nicht nur verheiratet: Rund zehn Jahre später gaben sie in der ersten Episode der sehr erfolgreichen „Paul-Temple“-Hörspielreihe – „Paul Temple und der Fall Curzon“ – das Ehepaar Steve und Paul Temple.

Rating: $$$

Splatter:

0/10

 

 

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