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Dritte Mann, Der

Info

OT: 
The third Man

Jahr: GB 1949
R: Carol Reed
B: Graham Greene
K: Robert Krasker
M: Anton Karas
D: Joseph Cotten, Alida Valli, Trevor Howard, Orson Welles

Quelle: TV (3sat)

 

Inhalt

Holly Martins (Joseph Cotten) hat als Schriftsteller von Westernromanen schon bessere Zeiten gesehen. Jetzt ist er pleite und dankbar, dass ihm sein alter Spezl Harry Lime (Orson Welles) in Wien einen Job anbietet. Als Martins in der Stadt eintrifft, die jetzt, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, unter Verwaltung der vier Siegermächte steht, kann er gleich zum Friedhof weiterfahren: Harry Lime ist nämlich unter einen Laster gekommen.
Auf Harrys Beerdigung lernt Holly den britischen Militärpolizisten Major Calloway (Trevor Howard) kennen, der dem Ableben Limes sogar ausschließlich positive Aspekte abgewinnt. Harry nämlich, so berichtet der Major, war Anführer eines Schieberringes, der Penicillin aus Lazaretten klaut und dieses gestreckt und damit unwirksam wieder in Umlauf bringt. Ein skrupelloser Geschäftemacher und Gangster. Holly ist entsetzt: Er will den guten Leumund des Freundes wieder herstellen und genaueres über den Unfall erfahren. Er widersetzt sich der Anweisung Calloways, Wien schon am nächsten Tag wieder zu verlassen.
Etliche Ungereimtheiten beim Unfallhergang, an denen die Polizei scheinbar völlig desinteressiert ist, erregen Hollys Verdacht. Nicht nur entpuppen sich nahezu alle Zeugen des Unfalls inklusive des zufällig anwesenden Arztes als Bekannte und Freunde Harrys, Auch die Schilderungen der Umstände differieren verdächtig, Mord scheint daher naheliegend. Indizien, die sich im weiteren Verlauf von Martins’ Nachforschungen erhärten. Schon bald steht Holly auf der Abschussliste. Doch Harry scheint noch putzmunter zu sein.

Zitate

Calloway: „Gehen Sie nach Hause. Sie wissen ja gar nicht, in was Sie sich da einmischen.“

Popescu (Siegfried Breuer): „Sie (Anna) sollte sich in Acht nehmen. JEDER sollte sich in Acht nehmen in einer solchen Stadt.“

Martins. „Hier wird am laufenden Band verschwunden.“

Die Kritik des Gunslingers:

Puristen lassen das Label „Film noir“ nur für zwischen 1942 und 1960 produzierte US-Ware gelten, bestenfalls noch für Stoffe aus Frankreich. Doch Carol Reeds Streifen enthält so viele passende Ingredienzien, dass man ihm, ohne sich zu verbiegen, das entsprechende Etikett draufpappen kann.
Angefangen von dem Off-Erzähler, der uns am Anfang in die Geschichte einführt, über die klassische Ausleuchtung bis hin zur Kameraführung. Besonders letztere ist das große Plus des Streifens. Wenn die Kamera harsch und in Großaufnahme bleiche, ausdrucksvolle Gesichter schlaglichtartig aus dem herrschenden Mittelgrau herausarbeitet, meint man sich in einen deutschen Stummfilm versetzt. Nicht selten verkantet Kameramann Robert Krasker das Arbeitsgerät und ergeht sich in Schrägperspektiven, die vielleicht eine aus den Fugen geratene Welt symbolisieren. Eine Welt, in der der eher brave Holly Martins mit den Abgründen der menschlichen Existenz konfrontiert wird.
Vom Setting her erinnerte mich das Ganze ein wenig an den schönen Noir „Die Maske des Dimitrios“, der fünf Jahre zuvor in die Kinos gekommen war. Der Hauptschurke des Films materialisiert sich in der ersten Hälfte jeweils ausschließlich in den Erzählungen Dritter, die hier Harry Lime dort besagtem Dimitrios eine dunkle Größe verleihen, den Nimbus des so intelligenten wie skrupellosen Verbrechers. Wenn dann die Gesuchten schließlich auf der Bildfläche erscheinen, entpuppen sie sich tatsächlich als genau das: hoch manipulative Charismatiker, die ausschließlich und gnadenlos konsequent in eigener Sache unterwegs sind und dabei jede Menge Leichen, zumindest Seelentrümmer zurücklassen. Legendär ist natürlich auch das Titelthema – „Harry-Lime-Theme“ – das Komponist Anton Karas wie auch den ganzen übrigen Score auf der Zither einspielte.
Schauspielerisch sticht trotz seiner vergleichsweise kurzen „Screentime“ Orson Welles heraus, dessen Harry Lime auch heute noch schillert. Ebenfalls große Klasse ist Alida Valli als Anna, die Harry geradezu schmerzhaft hörig ist, was sich nicht nur im Auftragen seiner Pyjamas manifestiert ;-).

Rating: $$$$$

Splatter:

0/10

 

 

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