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Feuerstoss

Info

OT: 
Una Magnum Special per Tony Saitta
AT:

Tod im College
Autopsie im College
Special Magnum
Blazing Magnum
Strange Shadows in an Empty Room

Jahr: I/CAN 1976
R: Alberto de Martino ("Martin Herbert")
B: Vincenzo Mannino ("Vincent Mann"), Frank Clark
K: Antony Ford ?
M: Armando Trovajoli
D: Stuart Whitman, John Saxon, Martin Landau, Tisa Farrow, Carole Laure, Gayle Hunnicutt, Jean Leclerc

Quelle: youtube

 

Inhalt

Tony Saitta (Stuart Whitman) ist ein vielbeschäftigter Cop bei der Polizei in Ottawa. So bekommt er eines Tages während einer Verfolgungsjagd nicht mit, dass ihn seine Schwester Louise (Carole Laure) dringend sprechen möchte. Louise studiert in Montreal und fürchtet um ihr Leben; Nur ein paar Stunden nach ihrem vergeblichen Telefonanruf stirbt sie denn auch an einer Vergiftung. Tony lässt sich schwer getroffen nach Montreal versetzen, um dort den Mörder seiner Schwester dingfest zu machen. Zusammen mit seinem Kollegen Matthews (John Saxon) stöbert er im Umfeld der Toten, einer Studentengruppe, die vom renommierten Medizin-Professor George Tracer (Martin Landau) betreut wird. Mit Tracer hat man auch schnell einen Verdächtigen im Visier: Der alte Knabe hatte eine Bettgeschichte mit der Verblichenen und gab ihr kurz vor Exitus noch ein vermeintliches Kreislaufmittel. Weitere Beweise scheinen den Tatverdacht zu stützen, aber die Ermittlungen ergeben auch, dass Louise nicht das brave unschuldige Schwesterlein war, das Tony immer in ihr gesehen hatte. Die Kleine war nicht nur nymphoman und hatte etliche Affären, sie scheint auch in einen Mord verwickelt gewesen zu sein ...

Zitate

Matthews: "Die wilde Margie! Wir haben das Vorleben der Personen, die bei Louises Tod dabei waren, beleuchtet. Unsere wilde Margie schläft mit beinahe Jedem, nur mit ihrem Mann nicht. Ich stell dir ein paar Leute ab, denn du musst die Betten der halben Stadt durchsuchen."

Pfarrer: "Nicht so grob mein Sohn, Gott möchte auch an der Polizei sein Wohlgefallen haben."

Matthews: "Nach allem, was passiert ist, 'ne typische Kurzschlusshandlung."

Die Kritik des Sargnagels:

Alberto de Martino hatte seit den frühen 60ern eigentlich in jedem Exploitation-Genre seine Griffel drin, mit dem Aufkommen des italienischen Eurocrime Anfang der 70er startete er dann seine qualitativ erfolgreichste Phase (u.a. "Der Mafia-Boss" und "Im Dutzend zur Hölle"). Für seinen in Kanada entstandenen Genre-Mix aus Poliziottescho und Giallo guckte er sich mehr als einmal was vom ein Jahr zuvor erschienenen Bébel-Vehikel "Angst über der Stadt" ab. Mit Sicherheit nicht das schlechteste Vorbild, doch zeigt sich im Vergleich deutlich, was bei der Vorlage vorzüglich gelungen und beim RipOff in die Binsen gegangen ist. 
Während Verneuil die beiden Genres über die Rahmenhandlung geschickt verknüpfen konnte, verliert sich de Martino in statischen Geschwafelszenen, die kaum Erkenntnisse liefern, aber immer wieder den Speed auf Kaffeekranz runterfahren. Das zeigt sich vor allem zu Beginn: Nach einem exquisiten Intro mit bleihaltigem Banküberfall und Autoverfolgungsjagd dümpelt der Dampfer daraufhin erst mal fast 20 Minuten lang auf Standgas weiter. Zwar streut de Martino danach ab und an gekonnt umgesetzte Actionsequenzen ein, lässt die aufgekommene Stimmung aber stantepede zusammenfallen wie ein Soufflé im Windzug. Zuviel biederes Gesülze à la Derrick, viel zu augenscheinlich wird Tracer als möglicher Täter aufgebaut und steht auch noch zu lange im Fokus, bis die Story gegen Ende dann von einem Twist zum anderen hüpft.
Hauptmalus des Streifens sind allerdings die Darsteller. Actiongrößen der 70er wie z.B. Eastwood und Belmondo konnten dank ihrer Präsenz so manche logische Lücke überspielen, Stuart Whitman geht ein solches Charisma völlig ab. Der ehemals Oscar-nominierte Whitman mochte sicherlich kein Schlechter sein, in der Rolle als tougher Großstadt-Bulle ist er aber eindeutig fehlbesetzt. Da darf der Gutste sogar die Fäustchen schwingen und seine Magnum leer böllern, er wirkt dabei immer wie Innendienst. John Saxon geht als Sidekick völlig vor die Hunde, er ist um jegliche Action kastriert und darf gelegentlich Stichwort geben, wenn die Handlung wieder hakt ("Ich hab mich mal umgehört ..."). Martin Landau gibt als bourgoiser Doc mit Midlife-Crisis und Mordanklage noch das beste Bild ab. Auch bei den Damen kann sich leider keine richtig in den Vordergrund spielen; Tisa Farrow kommt als blinde WG-Genossin bisweilen sogar albern rüber, wenn sie planlos durch die eigene Wohnung stolpert.
Was den technischen Stab angeht, kann man wiederum weniger mäkeln. Für die beiden Autoverfolgungsjagden saßen Rémy Julienne und Co. am Lenkrad und zeigen Spektakuläres mit den fetten Amiklitschen - die eindeutigen Highlights des Streifens. Auch die Klopperei mit den Travestie-Buben kommt deftig. Eingefangen wurden die Szenen von einem gewissen Antony Ford, der auf imdb nur mit dieser einzigen Arbeit gelistet ist. Schwer zu glauben, ich tippe da eher auf ein Pseudonym. Das ist alles zu routiniert fotografiert, da war ein Mann mit Erfahrung dran. Maestro Armando Trovajoli spendierte zwar nur drei Themen für den Streifen, aber die haben Klasse, mal abgesehen vom müden und glatten Slow Jazzer beim Intro/Outro. Für die Verfolgungsjagden gibt's Big Band-Sound mit schwungvollen Streichern und wuchtigen Bläsern, der dem provinziellen Ottawa einen Großstadtanstrich verpasst. Spannungsszenen werden wirkungsvoll mit nervzerrenden Synthies und hektischem Klaviergeklimper untermalt.
Summa summarum bleibt ein zwiespältiges Bild. Gerade die Action ist für einen Budget-Cop-Movie voll auf der Höhe, wird aber von einem schnarchigen bis lächerlichen  Rahmengerüst ummantelt. Giallo auf TV-Niveau. Übrig bleibt ein Eurocrime-Durchschnitter, von dem vor allem der Score und die 8-Minuten-Car-Chase hängen bleiben. Wenigstens etwas.

Rating: $$$-

 

 

 

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