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Info

OT: 
Bai Ri Yan Huo

AT:
Black Coal, thin Ice

Jahr:
VRC/HK 2014
R, B: Diao Yinan
K: Dong Jingsong
M: Wen Zi
D: Liao Fan, Gwei Lun-mei, Yu Ai Lei, Wang Xuebing

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

In Kohlelieferungen an chinesische Unternehmen finden sich immer wieder Leichenteile. Obwohl diese im Umkreis von 100 Kilometern auftauchen, stammen sie offensichtlich nur von einem Toten. Dann aber ist ein Ausweis bei einer Fuhre dabei und die Identität des Toten damit geklärt: Es handelt sich um den Arbeiter Liu (Wang Xuebing), den seine Gattin Wu Zhizhen (Gwei Lun-mei) als vermisst gemeldet hat. Als die Cops zwei Verdächtige verhaften, gibt’s ordentlich Saures: Zwei Polizisten und die beiden Verhafteten sind tot; der ermittelnde Inspektor Zhang Zili (Liao Fan) überlebt mit einer Kugel im Balg.
Fünf Jahre später ist Zhang auf den Hund gekommen: Als dauerfetter Alki fristet er sein Dasein im Werkschutz eines Industriebetriebes. Da trifft er zufällig einen Kollegen (Yu Ai Lei) aus alten Tagen. Der erzählt ihm von neuen Leichen, die in Stücken auftauchen, zuletzt in der Chinasuppe eines Imbisses. Es handelt sich zusammengesetzt um zwei Tote, die beide offensichtlich ein Kröschen mit derselben Frau hatten: Wu Zhizhen, die inzwischen in einer Wäscherei arbeitet.
Zhang, der nach neuem Sinn in seinem Leben sucht, fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln. Wie ist Wu Zhizhen in die Sache verwickelt?

Zitate

Bulle: „Als ob es Leichenteile regnen würde.“

Die Kritik des Gunslingers:

Bereits die ersten Szenen dieses chinesischen Neo-Noirs stecken die Pole des Streifens ab. Wir sehen einen Mann, Zhang, wie wir bald darauf erfahren werden, und eine Frau beim Knattern. Parallel dazu reist ein menschlicher Unterarm in einem Kohlentransport zu seinem Bestimmungsort. Auf einem Bahnsteig dann übergibt die Frau dem Mann ein Stück Papier: die Scheidungsurkunde. Im gleichen Moment finden Arbeiter auf einem Kohlelaufband den Unterarm. Tod und Entwurzelung – klassische Momente auch des amerikanischen Film noir, den sich Regisseur und Autor Diao Yinan zum Vorbild nahm.
Im ganzen Verlauf weiteren Verlauf des Films, eher Drama als Thriller, sind die Figuren im wahrsten Sinne heimatlos. Sowohl Wu Zhizhen als auch Zhang Zili scheinen ohne Zuhause, ohne privaten Rückzugsort zu sein. Sie bewegen sich fast ausschließlich im öffentlichen Raum: Eislaufbahn, Tanzhalle, Imbiss, Wäscherei. Dabei sind Kameraarbeit und insbesondere die Farbgebung ganz große Klasse. Etliche Einstellungen erinnern mich dabei an die Bilder Edward Hoppers, eine Assoziation, die ich auch bei dem Streifen „Driver“ hatte. Viele Szenen sind bildgewordene Einsamkeit. Es gibt keine Beziehungen über das Geschäftliche hinaus. Nähe erreicht man ausschließlich beim triebhaften Austausch von Körpersäften. Passend dazu das Wetter: Es ist immer kalt und diesig oder gleich nachts.
Die Figuren sind fein gespielt und klassisch noir: Zhang und Wu nutzen die Gefühle, die sie anscheinend tatsächlich füreinander haben, für ihren Zweck. Dabei versuchen sie sich gegenseitig zu manipulieren. Ersterem geht es aber ausschließlich darum, den Fall zu lösen, der ihm letztlich das Leben umgekrempelt hat. Letztere ist ein wenig die nicht einschätzbare Femme fatale, die zwar keine Kollateralschäden will, aber letztlich sich selbst am nächsten steht.
Zwar ist das Finale ein wenig schwach, doch trübt dies den Gesamteindruck nicht entscheidend. Für die eher müde Thrillerhandlung entschädigen großartig gemachte Szenen. So holt beispielsweise Zhangs Kumpel Wang (Yu Ai Lei) ihn aus dem Krankenhaus ab. Auf dem Heimweg fahren sie durch einen Autotunnel. Als die Kamera auf der anderen Tunnelseite herauskommt, ist es fünf Jahre später, Winter, und Zhang sitzt stockbesoffen am Straßenrand. Da gibt’s nix zu meckern.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10