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Francesca

Info

OT: 
Francesca

Jahr: ARG/I 2015
R, B, K, M: Luciano Onetti
B: Nicolas Onetti
D: Luis Emilio Rodriguez, Raul Gederlini, Silvina Grippaldi, Gustavo Dalessandro

Quelle: DVD (Mad Dimension). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Ein Serienkiller geht um: Der geht nicht nur besonders grauslich zu Werke, sondern fährt auch immer die gleiche Masche. Den ziemlich zerfleischten Toten legt er zwei Münzen auf die Augen – für die Reise über den Styx – und für die Bullen lässt er ein paar Zeilen aus Dantes „Divina Comedia“ zurück.
Letzte sind Inspektor Bruno Moretti (Luis Emilio Rodriguez) und sein Kollege Benito Succo (Gustavo Dalessandro). Zwei Dinge stehen schnell fest. Erstens hatten die Toten in der Regel selbst ordentlich Dreck am Stecken. Gegenüber Moretti zeiht der Killer in einem Telefonanruf die Polizei der Unfähigkeit und sich selbst als reinigende Kraft in der zugeschissenen Toilette, bildlich gesprochen (wink).
Zweitens steht die Mordserie offensichtlich in direktem Zusammenhang mit einem alten, nie geklärten Vermisstenfall. 15 Jahre zuvor verschwand das Mädchen Francesca Visconti (Martina Nigrelli) spurlos. Angeblich entführt. Und die Aussage einer Zeugin (Antonieta Bonares) legt nahe, dass es sich bei dem Mörder um eine „Sie“ handelt. Moretti und Succo geraten aufgrund der weitgehend ergebnislosen Ermittlungen nicht nur unter Druck, sondern bald selbst ins Fadenkreuz des Killers.

Die Kritik des Gunslingers:

Nachdem die argentinischen Brüder Onetti bereits mit „Sonno profondo“ ihre Liebe zum italienischen Giallo, bevorzugt der 1970er-Jahre, bekundet hatten, folgt mit „Francesca“ eine weitere Hommage. In bester Low-Budget-/Independent-Tradition sorgten Luciano und Nicolas Onetti im Alleingang für die Realisierung; gecastet wurden überwiegend Laienschauspieler.
Das hört sich jetzt erstmal sicher für nicht wenige von euch eher abschreckend an, aber keine Sorge: Der Streifen enthält nicht nur Herzblut, sondern ist zumindest technisch kompetent gemacht. Die Onettis haben sich offensichtlich die Genrereferenzen von Argento oder Fulci kräftig zu Gemüte geführt und 1:1 ins eigene Werk fließen lassen. Angefangen vom Prog-Rock-Synthie-Score, der wirklich heftig an Einschlägiges von Goblin erinnert, über klassische Kameraperspektiven und –Einstellungen bis hin zu überbordender Symbolik. Der Fotoapparat als Auge, Handschuhe, laufende Tonbandgeräte, deformierte Puppen, elektronische Geräuschcollagen, Großaufnahmen von Stich- und Schnittinstrumentarium in erotischem Kontext. Dazu taucht natürlich jede Menge klassisches Equipment aus dem „Analog-Zeitalter“ auf: Schreibmaschinen, Diaprojektoren, Transistorradios, die erwähnten Tonbandgeräte.
Atmosphärisch also alles tutti, doch über dem Bemühen um Authentizität gerät leider die Geschichte ein wenig aus dem Fokus. Der Plot tritt zurück hinter den Style: eher verschwurbelt angelegt, mit Rückblenden, surrealen Szenen und Traumsequenzen unterlegt. Dazu merkt man dem Film halt an, dass nicht allzu viel Kohle zur Verfügung stand. Dadurch erweist sich der Ehrgeiz, den Hofknicks so authentisch wie möglich ausfallen zu lassen, als Fehler. Zwar ist die Kameraführung wirklich gut, doch durch das Digitalequipment fehlt
der Optik dennoch das gewisse Etwas, die Opulenz vielleicht. Auch hätten dem Streifen ein paar Statisten gut getan, um die Szenen mit etwas mehr Leben und Realismus zu füllen. So wirken die Bilder in weiten Teilen etwas steril, was auf der anderen Seite aber vielleicht so gewollt war.
Dennoch: Hut ab. Der Film atmet jede Menge gut gemachter Retro-Giallo-Atmosphäre. Allerdings hätte ich es spannender gefunden, wenn die Onettis dem (Sub)-Genre Zukunftsperspektiven hätten aufzeigen können.
Der Trailer jedoch ist exquisit geraten (wink).

Rating: $$$$-

Splatter:

4/10

 

 

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