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Gangster sterben zweimal

Info

OT: 
Gangsters ´70
AT:
Der Airport-Coup

Jahr: I 1968
R: Mino Guerrini
B:
Fernando Di Leo, Adriano Baracco, M.G.
K: Franco Delli Colli
M: Egisto Macchi
D: Joseph Cotten, Franca Polesello, Giampiero Albertini, Giulio Brogi, Franco Ressel, Bruno Corazzari

Quelle: DVD (KSM)

 

Inhalt

Der Raub-Profi Fabio Destil (Joseph Cotten) hat trotz zehnjähriger Haftstrafe immer noch einen guten, fast legendären Ruf in der Unterwelt, und so überrascht es nicht, dass ihn der alte Kollege und Ex-Zocker Sempresi (Giampiero Albertini) bei der Knastentlassung abpasst. Denn die zehn Jahre Bau haben Destils krimineller Energie nichts anhaben können. Voller Tatendrang treibt er seinen nächsten Coup voran; das hinter schwedischen Gardinen ausgetüftelte, janz, janz große Ding, das ihm eine Traumrente "All Inclusive" in Griechenland einbringen soll.
Bevor´s überhaupt losgehen kann, braucht Destil aber Penunzen. Sein Advokat hat ihn nach all den Jahren abgerippt, statt zehn Millionen Lire ist grade mal ein popliges Milliönchen flüssig. Das macht für Destil den Bock überhaupt nicht fett, denn er braucht mindestens 30 Millionen in Scheinen, damit die Nummer steigt - dafür winken aber auch Lire-Beträge mit elf Nullen. Er pumpt Affatato (Bruno Corazzari) an, den neuen Boss der Unterwelt. Der möchte allerdings nicht zu den diktierten Bedingungen einsteigen und erteilt vorerst seine Absage.
Nu jut, muss der Kies also auf andere Weise her. Der Waffenschieber Cavallo (Cesarino Miceli Picardi) zeigt sich zwar interessiert, ist aber damit überfordert, das erforderliche Startkapital zu bringen. Also will es Sempresi nach zig Absagen mit den Karten probieren und wird stantepede beschissen. Und zwar von Affatato, der nun am Milliarden-Ding als stiller Teilhaber ohne Wissen Destils, dafür mit mit exklusiven Insider-Infos, einsteigen möchte. Er lässt die nötigen 30 Millionen springen, nicht ohne sich bleibenden Eindruck beim zu Spitzeldiensten gepressten Sampresi verschafft zu haben.
Derweil können dadurch die Planungen fortgesetzt und in die heiße Phase gebracht werden. Es werden noch ein junger Chemiker (Dennis Kilbane), eine suizidgefährdete Schauspielerin, Franca (Franca Polesello), und Rudi, ein ehemaliger Olympiasieger (Giulio Brogi) im Sportschießen, engagiert, allesamt zwar keine professionellen Ganoven, aber für ihre Rollen perfekt prädestiniert. Am Ende stößt noch ein weiterer alter Bekannter Destils (Franco Ressel) dazu.
Und trotz einer höchst unangenehmen, nicht eingeplanten Überraschung, gelingt der Coup. Am vereinbarten Fluchtpunkt warten allerdings ungeladene Gäste...

Zitat:

Destil: "Ich bin eine Seele von Mensch. Wenn ich jemanden umlegen muss, tue ich das immer ziemlich schmerzlos. Aber bei dir könnte ich eine Ausnahme machen."

Die Kritik des Sargnagels:

Eigentlich passt der klassische Caper "Gangster sterben zweimal" gar nicht so ins Portfolio von Mino Guerrini, pfriemelte er doch eher billige Softsex-Nummern wie "Decamerone - Abenteuer der Wollust" oder tiefenkomödiantisches à la "Herr Oberst haben eine Macke" zusammen.
Hier aber: (verhältnismäßig) sattes Budget, hervorragendes Ensemble und eine feine, erfahrene Crew am Start. Und Guerrini machte was draus. Die Story ist zwar in Teilen an damalige Erfolgsnummern wie z.B. "Der Clan der Sizilianer" angelehnt, kann aber durch feine Charakterzeichnungen, knackige Action, respektive Gunplay, und einen klasse Handlungsaufbau (auch noch in der schwer gekürzten deutschen Fassung) punkten. Etwas mühsam zwar kommt die Geschichte in Gang, aber spätestens als Destil seine Gang zusammen hat, geht´s nur noch nach vorne los.
Joseph Cottens europäische Engagements waren nicht immer von Qualität gekrönt; hier aber gab´s Stoff, bei dem er glänzen konnte, da spielt er wieder konsequent und satt wie einst bei Orson Welles und bastelt dem eigentlich etwas stereotyp angelegten Destil doch noch ein paar eigene Facetten raus. Giampiero Albertini kommt ebenfalls fein rüber, der Loser steht ihm aber auch recht gut. Franco Ressel hat zwar nur ´ne kleine Nebenrolle, dafür aber wieder extra-arschig. Sehr fein!
An der Cam stand Franco Delli Colli, der auch in einigen Spaghettiwestern (u.a. "An den Galgen Bastardo") für edlen Look sorgte, und fängt die Geschichte furztrocken, aber mit guten Einstellungen ein; ob mit hektischer Handkamera oder in eindringlichen Close-Ups. Der Score von Egisto Macchi ist zwar sehr im Hintergrund gehalten und alles andere als opulent, dennoch sorgen die dezenten musikalischen Einsprengsel dann auch für Atmosphäre.
Insgesamt gibts hier amtliche Italo-Gangster-Ware, die sich auch vor großen Vorbildern nicht verstecken braucht. Gäbe es einen vernünftigen deutschen Schnitt, würde es wahrscheinlich noch höher in der Wertung gehen.

Nachbemerkung des Gunslingers:

Weitaus mehr wert als auf die eigentliche Action, wenngleich auch diese nicht zu kurz kommt, legt das Buch auf dramatische Elemente. Hier pickt sich die Geschichte insbesondere die Figuren des Sportlers und der Schauspielerin raus, die sich nicht umsonst im Lauf der Coup-Vorbereitung näher kommen. Sie sind die einzigen im Team, die bisher noch keine "Dinger" gedreht haben. Beide Charaktere sind infolge ihrer geplatzten Träume auf die schiefe Ebene geraten und sehen letztlich den zu erwartenden Kies als Chance für einen Neustart unter besseren Bedingungen.
Rudi, der nach einer eher medioker verlaufenen Profisportkarriere vor dem Nichts steht, ist inzwischen Junkie. Immer pleite, immer auf der Jagd nach dem nächsten Schuss. Aus dem cleanen Sportler ist so ein Kleinganove geworden, der Freundinnen beklaut, sich vor seinem Dealer demütigt und letztlich für die versprochene Kohle auch bereit ist zu morden.
Franca wiederum hatte hochtrabende Pläne von einer glänzenden Schauspielkarriere, endete aber als Wanderpokal in der Filmszene und mit Schlaftablettenröhrchen in der Hand. Sie hat dazu erst einmal keine Ahnung, als Cavallo sie für das Ding engagiert: Sie wähnt sich in einem Filmprojekt. Als ihr die Gangster reinen Wein einschenken, ist es für den Ausstieg zu spät, zumal ja auch Bargeld lacht.

Rating: $$$$ / $$$$+ (SN/GS)

Splatter:

4/10

 

 

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